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Mittwoch, 30.09.2020

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Orangerie-Konzert: Minnegesang mit Holger Schäfer

Holger Schäfer begibt sich auf der Reise der Troubadoure quer durch Europa. - 20.07.2020 14:00 Uhr

Ein Konzertabend im Freien: In der Reihe der Orangerie-Konzerte nimmt Holger Schäfer unter einer alten Linde die Zuhörer mit in die Welt der Troubadoure und deren Minnegesang.

© Foto: Elke Walter


Wegen der Corona-Beschränkungen konnte der Abend in der Reihe der Orangerie-Konzerte nicht wie gewohnt stattfinden. Veranstalter Christoph von Weitzel verlegte ihn kurzerhand ins Freie.

Seine Reise begann Holger Schäfer in Frankreich, dem Ursprungsland des Genres, führte sie von Aquitanien aus weiter über England, Dänemark bis in den deutschsprachigen Raum, auf Okzitanisch, Alt-dänisch oder auch Mittelhochdeutsch. Herumgekommen waren die Troubadoure weit, etwa bei Kreuzzügen oder Eroberungszügen.

Minnesang folgte klaren Regeln, auch das ließ der Sänger erkennen. Hoch gehalten wurde das tugendhafte Leben in der Unerreichbarkeit eines angebeteten, meist höher gestellten "Frouwelin".

Schäfer verstand es, Lieder, Hintergrundinformation und märchenhafte Erzählungen so ineinander zu verschränken, dass ein abgerundetes Bild des Minne-Liedes und seiner Verfasser entstehen konnte. Schillernde Figuren kommen dabei zu Wort, darunter zum Beispiel Bernhard de Ventadorn, Ulrich von Lichtenstein, der als erster seine Lieder selbst sammelte, mitunter in Reise-Erzählungen einarbeitete, oder auch Walther von der Vogelweide.

Nicht immer sind die ursprünglichen Melodien noch zu finden. Zu "Under der linden", einem der bekanntesten Texte von Walther von der Vogelweide, wählte Schäfer eine neuere Melodie aus, die aber zum Versmaß des Textes ausgezeichnet passte.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts galt Oswald von Wolkenstein als weit gereister Sänger, Dichter, Komponist und Politiker. In nur einem Lied verwendete er gleich sieben Sprachen, um seiner Angebeteten zu huldigen und doch schien das Werk ganz aus einem Guss zu sein.

Komödiantisches Gespür zeigte Schäfer mit der Interpretation der Ballade "Die Winde des Herrn von Prunzelschütz". Zu finden ist die Geschichte des wehrhaft pfurzenden Ritters in Fritz Grashoffs Lyriksammlung "Halunkenpostille", die 1947 erschienen ist. Die Klangkulisse dazu formte der Musiker unter anderem an seiner Harfe. Großen Spaß hatte auch das Publikum dabei, das sich an ausgewählten Stellen einbringen durfte. Die begeisterten Besucher verabschiedeten Holger Schäfer mit rauschendem Applaus.

ELKE WALTER

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