Montag, 19.04.2021

|

zum Thema

Pfarrer streamt: Digitale Kirchengemeinde in Burgbernheim

Gemeindepfarrer Wolfgang Brändlein geht innovative Wege - 10.02.2021 10:38 Uhr

Gemeindepfarrer Wolfgang Brändlein geht innovative Wege.

10.02.2021 © Josefine Mühlroth


Die zahlreichen Angebote werden von der digital versammelten Gemeinde sehr gut angenommen, die Zahlen der Aufrufe und Followers in den sozialen Medien wachsen stetig. Der leidenschaftliche Gemeindepfarrer ist sich seiner Sache sicher: Das Evangelium will die Menschen erreichen, dafür eignen sich digitale Angebote und das klassische Programm.


Kirche wird digital: App aus Nürnberg bringt Gläubige zusammen


"Zur Zeit habe ich immer noch den Eindruck, jedes Mal sehr viel zu lernen und mir Auskunft über mein gottesdienstliches Agieren zu geben. Das ist äußerst spannend und produktiv. Insofern bin ich sehr dankbar über diese neuen Chancen. Wenn das Gemeindeleben wieder richtig hochfährt, gibt es hier ungeahnte Möglichkeiten zu zeigen, was Gemeinde ausmacht." hebt Brändlein hervor. Er selber sei bereits davon überzeugt, dass man auch "nach Corona" ein hybrides Kommunikationssystem haben wird, auch wenn der klassische Sonntagsgottesdienst als Vor-Ort-Angebot Kern des Erlebens bleibt.

Ausbreitung der Erfolgsgeschichte

Die Erfolgsgeschichte begann in Burgbernheim, breitete sich aber dank Internet und sozialen Medien rasch über die Grenzen des Landkreises hinaus und erreicht heute mehr denn je jüngere wie ältere Generationen. Durch seine drei Kinder lernte der 63 jährige Brändlein die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram kennen. "Insgesamt haben die sozialen Netzwerke, die ich teilweise intensiv bediene, und das Internet allgemein dazu beigetragen, dass ich mitten im sich wandelnden Leben stehe." so Wolfgang Brändlein.

Mitte März 2020 beschloss der Kirchenvorstand auf Facebook eine eigene Präsenz der Evangelisch - Lutheranischen Kirchengemeinde Burgbernheim anzubieten. Im Frühling 2020 baute der begeisterte Hobby- Musiker die kirchliche Präsenz auf Facebook aus: "Am Palmsonntag gab es ein Video mit den Namen der Jugendlichen und ihren Kerzen, denn an diesem Tag wäre eigentlich die Konfirmation gefeiert worden. Gebete, spirituelle Impulse, selbst eingespielte und teilweise selbst komponierte Lieder – ich war im Frühjahr immer wieder auf der Suche nach geeigneten Inhalten und ihrer Präsentation. Am Ostern habe ich in einem Video die neue Osterkerze ausgepackt und präsentiert – allerdings nicht angezündet, denn das Anzünden der Osterkerze sollte unbedingt mit der körperlich anwesenden Gemeinde gefeiert werden. Wir haben dies dann nach dem Shutdown im ersten Gottesdienst feierlich getan", erinnert sich Brändlein.

Innerhalb wenig Monaten abonnierten immer mehr Menschen auf Facebook, inzwischen sind es über 230. Auf Instagram wuchs die Zahl der Abos. Besondere Ereignisse wie zum Beispiel die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes, das Sichersheitsteam und die nötige Arbeit am Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst wurden dokumentiert und auf Facebook veröffentlicht. "Das analoge Gemeindeleben wurde digital begleitet. Eine hybride Kommunikation hatte sich ganz natürlich entwickelt." unterstreicht Gemeindefahrer Wolfgang Brändlein.


Pfarrer-Ehepaar geht viral: Taufe mit der Wasserpistole


Eine besondere Aktion gab es am Heiligabend 2020. Präsenzgottesdienste konnten aufgrund der Pandemie nicht mehr gefeiert werden. Mit technischer Unterstützung der Evangelischen Jugend (Dekanatsbezirk) wurde der erste Livestream-Gottesdienst ohne Präsenzgemeinde gefeiert. Mit dabei einen Organisten und eine Sängerin.

"Spannend war die Frage, ob wir Aktiven den Livestream emotional gut bewältigen würden – denn statt 400 Menschen waren nur die beiden jungen Techniker in der Kirche. Zuvor hatte ich zwei Tage lang die Situation simuliert und mir immer wieder vorgestellt, dass auch bei leeren Bänken die Gemeinde ja tatsächlich da sein würde, wenn auch im digitalen Raum auf YouTube. Die Reaktionen der Gemeindeglieder waren überwältigend. So viele positive Rückmeldungen gab es sonst kaum jemals. Wir schätzen, dass an den 100 Endgeräten, die bei der Liveübertragung dabei waren, etwa 200 bis 300 Menschen mitgefeiert haben", berichtet Brändlein.

Durch seine drei Kinder lernte der 63 jährige Brändlein die sozialen Netzwerke wie Facebook und Instagram kennen.

10.02.2021 © Josefine Mühlroth


Die Nachricht einer anderen Zuschauerin erreichte den Gemeindepfarrer kurz danach: "Trotz dieser denkwürdigen Umstände um das Weihnachtsfest 2020 herum, muss ich sagen, dass es auch positive Dinge - Chancen - mit sich brachte, die es ‚ohne Corona‘ so nicht gegeben hätte. Damit denke ich vor allem an den Weihnachtsgottesdienst, der über YouTube gestreamt wurde. So war es zwar wohl etwas "unfromm", diesen am Küchentisch zu verfolgen, aber es hat doch eine Familie samt Oma dazu gebracht gemeinsam einen Weihnachts-Gottesdienst zu verfolgen. Das war ein schönes Erlebnis."

Wolfgang Brändlein konnte sie beruhigen: "Ich finde das gar nicht "unfromm", einen gestreamten Gottesdienst am Küchentisch anzuschauen. Die Weihnachtsbotschaft will ja mitten hinein ins Leben. Ich hab euch gerade in Gedanken am Küchentisch sitzen sehen. Das macht mir große Freude." Der Livestrem registrierte 882 Aufrufe auf YouTube – die sind geschätzt ca. 1.700 bis 2.500 Zuschauer bis zum aktuellen Zeitpunkt. In den kommenden Monaten folgten viele weitere interessante Beiträge in den sozialen Medien.

Gebet-Aktionen in Videoform

Neben Video-Andachten, gab es "Gedanken zu den drei Sterndeutern" und gemeinsame musikalische Gebet-Aktionen in Videoform, die zu einer zunehmenden Anzahl Followers und Aufrufe im Internet führten. "Als ein besonderes Beispiel möchte ich noch die "winterlichen Gedanken auf dem Burgbernheimer Friedhof" unter dem Titel "Steh mir bei in schweren Zeiten" nennen, ein 3-minütige Video aus Facebook oder YouTube. Ich habe sehr spontan bei leichtem Schneefall an einem besonderen Grabstein stehend Gedanken zum Mitleiden Jesu Christi formuliert.

Der hörbare Wind, das "der Kälte ausgesetzt sein", die Unwirtlichkeit und die Rede von der solidarischen Liebe Gottes in Jesus Christus – es kam in diesem Moment vieles zusammen. Viele, viele Reaktionen haben gezeigt, dass die Menschen davon sehr berührt waren und sind." erinnert sich gerne Wolfgang Brändlein.


Verpassen Sie keine Nachricht mehr! In unserem täglichen Newsletter "Mittags um 12 - Zeit für die Region" erfahren Sie alles Wichtige über unsere Region. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 12 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Vielen Dank! Wir freuen uns, dass Sie sich für unseren Newsletter interessieren.

Jetzt fehlt nur noch ein kleiner Schritt: Aus Sicherheitsgründen bitten wir Sie, Ihre Anmeldung zum Newsletter zu bestätigen. So gehen wir sicher, dass Sie sich selbst angemeldet haben und schließen einen Missbrauch durch Dritte aus.

In Ihrem E-Mail-Postfach finden Sie eine E-Mail (an: ) von uns mit einem Link, den Sie am besten sofort mit einem Klick bestätigen. Bitte sehen Sie in Ihrem Spam-Ordner nach, falls Sie in Ihrem Posteingang keine Bestätigungsmail finden. Sollten Sie gar nichts von uns erhalten, melden Sie sich bitte am besten kurz per E-Mail bei uns: newsletter@nordbayern.de

Offenbar wurde der Newsletter bereits für diese Mailadresse bestellt. Falls Sie keine Bestätigungsmail erhalten haben, wenden Sie sich bitte an newsletter@nordbayern.de

Sie haben den Newsletter bereits erfolgreich für diese Mailadresse abonniert. Falls Sie diesen nicht erhalten sollten, wenden Sie sich bitte an newsletter@nordbayern.de.


Josefine Mühlroth

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Burgbernheim