Gegen sinkenden Grundwasserpegel

Pilotprojekt für ganz Bayern: So sollen die Grünen Gräben dem Klimawandel trotzen

6.10.2021, 06:00 Uhr
Solche Grünen Gräben führen nicht immer Wasser. Mit Schiebern soll dieses nun aufgestaut werden, damit es versickern kann. 

Solche Grünen Gräben führen nicht immer Wasser. Mit Schiebern soll dieses nun aufgestaut werden, damit es versickern kann.  © Claudia Lehner, NN

Der Klimawandel macht auch dem Wald und der Landwirtschaft in der Region zu schaffen. Die langen Trockenperioden lassen den Grundwasserspiegel sinken. Mit recht simplen Maßnahmen will das Wasserwirtschaftsamt nun für etwas Entlastung sorgen, in einem Pilotprojekt, das maßgeblich für ganz Bayern werden könnte. Im Fokus dabei: die Grünen Gräben entlang der Felder. Wie das gehen soll, erklärte Thomas Keller, Leiter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamtes den Bürgermeistern aus dem Landkreis bei ihrer jüngsten Dienstversammlung.

Viel zu trocken waren einige der vergangenen Sommer. Die Prognosen sagen laut Keller eine weitere Erwärmung voraus und längere Trockenperioden. Wenn es denn regnet, dann „knallt es gewaltig“, ist die Erfahrung des Behördenleiters. Die Auswirkungen habe man gesehen, beispielsweise vor einigen Jahren in Obernzenn. Das Wasser fließt ab, kann in dem „bröseltrockenen Boden“ nicht so schnell versickern. Erosion und Hochwasser sind die Folge. Aber auch der Grundwasserspiegel erholt sich nicht entsprechend, er nimmt ab. Keller befürchtet Auswirkungen für Hausbrunnen, für die Wasserqualität und den Lebensraum Fließgewässer, aber auch für die Land- und Teichwirtschaft.

Düstere Prognosen

„Die Situation wird sich verschlechtern“, da ist sich Keller sicher. Man müsse in dieser bedrohlichen Situation nun „alle Register ziehen, um das Wasser in der Fläche zu halten“. Ein Ansatzpunkt für ihn dabei: die 560 Kilometer an Grünen Gräben, die es im Landkreis gibt. Mit Schiebern soll das Wasser aufgestaut werden und hat so länger Zeit zu versickern.

Im Altmühltal sei Ähnliches schon erprobt worden, sagte Keller. Nun wird im Landkreis ein Pilotprojekt gestartet, mit dem geprüft wird, ob aus der Idee ein „bayernweiter Ansatz“ werden kann. Dazu solle man sich laut Vorschlag des Ministeriums mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie dem Amt für ländliche Entwicklung abstimmen. Beide sind im Boot und waren auch bei der Bürgermeisterdienstversammlung vertreten.

Erkenntnisse gewinnen

„Wir wollen einen Erkenntnisgewinn“, erklärte Keller zu dem Projekt. Bringt das Projekt etwas für das Pflanzenwachstum? Wie steht es um den Sedimentrückhalt und die Sickerwasserentwicklung? Und ist das bayernweit übertragbar? Das sind die Fragen, die sich Keller stellt. Die Steuerung, also das Öffnen und Schließen der Schieber, sollen die Landwirte vor Ort übernehmen.

Auch der Wald leidet unter der Trockenheit. Im Landkreis wird untersucht, wie Dürreperioden vorhergesagt werden können.

Auch der Wald leidet unter der Trockenheit. Im Landkreis wird untersucht, wie Dürreperioden vorhergesagt werden können. © Angelika Warmuth, dpa

Keller verwies auf ein ähnliches Projekt für den Wald, das der hiesige Landtagsabgeordnete Hans Herold mit seinem Kollegen Walter Nussel Anfang des Jahres wie berichtet erfolgreich beantragt hatte. Dabei soll von der Technischen Universität München und der Universität Augsburg untersucht werden, wie sich Dürreperioden vorhersagen lassen, aber auch wie die Bewirtschaftung entsprechend angepasst werden kann und – damit schließt sich der Kreis zum Projekt Grüne Gräben – wie der „kurzzeitige Wasserüberschuss“ bei Starkregenereignissen nutzbar gemacht und im Boden gehalten werden kann, so dass er nicht abfließt.

Hochwasser als beherrschendes Thema

Bei der Bürgermeisterdienstversammlung gab es viel Zustimmung für das Pilotprojekt Grüne Gräben, offiziell „Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts“. „Ich werde es unterstützen“, versicherte Landrat Helmut Weiß. Wolfgang Zilker, leitender Baudirektor am Amt für ländliche Entwicklung, lobte das Projekt als „sehr interessant und innovativ“. Auch die Bürgermeister fragten interessiert nach, fanden die Verbindung zum Hochwasserschutz, der ihnen offensichtlich sehr am Herzen liegt, zum Projekt boden:ständig oder zu Fragen nach intelligenter Steuerung von Regenrückhaltebecken. Auch Herold trieb die eine Frage um: „Wie geht es mit dem Hochwasserschutz weiter?“

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