Montag, 18.11.2019

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Pop-Oratorium Luther: Mit stimmlicher Brillanz

Choralle überzeugt in seiner Inszenierung des Pop-Oratoriums mit Vielseitigkeit. - 15.10.2019 10:42 Uhr

Gleichzeitig singen und schauspielern: Tobias Wittenberg (Mitte) muss in seiner Rolle als Luther Vielseitigkeit beweisen. © Elke Walter


Geplant war ursprünglich nur der Abendtermin des Chorwerkes von Michael Kunze und Dieter Falk, aufgrund der großen Nachfrage wurde ein weiterer Termin am Nachmittag angeboten. Für einen Chor schon auch eine große Herausforderung, das Kraft fordernde Werk zweimal hintereinander aufzuführen. Von Schwäche oder Müdigkeit war dennoch nichts zu spüren. Das Sänger- sowie auch das Solisten-Ensemble aus den eigenen Reihen machten ihre Sache sehr gut: schwungvoll, präzise und mit einem fein ausformulierten Chorgesang.

Durchgängiger Gedanke des Oratoriums ist die Frage "Wer war Luther?" Das Duo Kunze/Falk setzt diese Überlegung in seinen Texten um, nimmt exemplarisch markante Szenen aus dem Leben des Reformators als Basis für die Lieder. Wie viel dabei historisch fundiert oder auch durch die Geschichtsschreibung zur Legende wurde, bleibt offen.

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Choralle begeistert mit Luther-Pop-Oratorium

"Wer ist Luther?" Die Frage am Anfang des Musicals zum Jubiläumsjahr (2017) des Reformators beantwortet sich für einen der besten Chöre Deutschlands mit dem Titel "Die Erfolgsgeschichte von Choralle" und dem Chorleiter Dieter Weidemann. Schon im Dezember 2017 hatte man mit der eigenen Fassung des Pop-Oratoriums "Luther" knapp 2500 Konzertbesucher begeistert. Weit über 1000 sollten jetzt bei der Neuauflage noch eine Steigerung erleben und feierten jubelnd Chorleiter, Chor und Solisten sowie die raffinierte Lichtregie.


Musical-Charakter bekommt die Inszenierung durch die szenische Umsetzung der Inhalte. Für die Solisten hieß das, gleichzeitig zu singen, als Schauspieler zu agieren oder choreografische Passagen auszugestalten. Mit großer Konzentration war auch der Chor dabei, der die Geschichten um Luther, die Reformation und das Geld- und Machtgefüge dieser Zeit mit stimmlicher Brillanz wie eine vokale Kulisse hinter die Spielszenen stellte.

Das Werk verbleibt aber nicht nur in der Vergangenheit, sondern zieht Querverbindungen in die heutige Zeit, etwa beim Lied "Das Heilige Geschäft", bei dem Bankinhaber Fugger erklärt, der Verlust des Ablasshandels würde eine Bankenkrise auslösen oder gar das Finanzsystem des Landes kippen. Die Kostüme spiegeln Aktualität, wenn etwa der Kaiser (Fabian Schiefer) im weißen Anzug mit dekadent goldfarbenem Cappy und Glitzerschuhen auftritt oder der Ablassprediger im silbernen Jackett an einen Spielcasinochef erinnert. Luther (Tobias Wittenberg) dagegen erscheint geerdet in schwarzer Hose und schwarzem Oberteil.

Am Ende gab es für die Darbietung stehenden Applaus. Sicherlich war die Vorlage den Komponisten sehr gut gelungen, sie aber ausdrucksstark umzusetzen, war an diesem Abend allein Verdienst des Chores sowie seines Leiters.

Elke Walter

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