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Dienstag, 22.09.2020

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Prügelei vor Bar: Schlagabtausch nicht mehr klar nachzuvollziehen

Das Verfahren wurde letztlich eingestellt - 04.08.2020 14:00 Uhr

Zu wenig Erhellendes hatte Richterin Martina Gundel-Stieb zuvor bei der Vernehmung von acht Zeugen gehört. Über einen Vorfall auf offener Straße, noch vor Mitternacht, vor einer Shisha-Bar mitten in der Windsheimer Altstadt. "Mindestens acht Versionen des Geschehens haben wir jetzt gehört", sagte die Richterin, ehe sie die zwei Angeklagten, 19 und 29 Jahre alt, Neffe und Onkel, entließ.

Eigentlich hatte auch ein Dritter, 19, im Fokus der Staatsanwaltschaft gestanden. Doch nachdem ein erst 17-Jähriger Zeuge und Beteiligter schon bei der Polizei zwei verschiedene Aussagen im Bezug zu jenem Dritten gemacht hatte, wurde gegen ihn das Verfahren nicht eröffnet. Stattdessen musste er als Zeuge aussagen und entlastete die beiden anderen – die Drei waren im gleichen Auto zur Verhandlung angereist.

Prellungen und Schürfwunden

Darum ging es: Eine Prügelei vor besagter Shisha-Bar am 20. September 2019, nach der ein 25-Jähriger über Prellungen und Schürfwunden in Gesicht und am Rücken klagte. Er stellte Anzeige, da er von mehreren Männern am Boden liegend geschlagen und getreten worden sein soll. Der Auslöser war der Geschädigte letztlich allerdings auch selbst.

Denn der 19-jährige Angeklagte, der an dem Abend seinen 18. Geburtstag mit viel Alkohol nachfeierte, hatte im Vorbeigehen eine Art Lachanfall des 25-Jährigen auf sich beziehungsweise seine Gruppe von Freunden, mit der er unterwegs war, bezogen. Der 19-Jährige ging auf den 25Jährigen zu und soll ihn als "Hurensohn" bezeichnet haben. Daraufhin packte der Ältere den Jüngeren am Kragen und machte ihm klar, dass er mehr Respekt zeigen solle. "Ich habe ihm eine geklatscht", sagte er.

Was im weiteren Verlauf meist als "Respektschelle" bezeichnet wurde, sei für den 19-jährigen Angeklagten mehr als das gewesen. "Das war kein Klaps, das war eine Faust." Er ging zu Boden. Ab diesem Zeitpunkt gehen die Wahrnehmungen der Beteiligten auseinander. Keiner vermochte darzustellen, wer zuerst zu Boden ging, oder gar beide gleichzeitig, nur um weiter am Boden zu ringen.

Begleiter schreiten ein

Unklar blieb auch, wie sich das folgende Einschreiten der Begleiter des 19-Jährigen – darunter sein ebenfalls angeklagter Onkel – gestaltete. Der 25-Jährige meinte, von der Gruppe verdroschen worden zu sein. Die Mitglieder der Gruppe sprachen davon, nur geschlichtet zu haben. Wichtig: Keiner konnte bezeugen, dass der 29-Jährige zugeschlagen hätte.

Das Verfahren gegen den 29-Jährigen wurde deshalb eingestellt, auch im Hinblick auf eine frische Verurteilung vom Juni. Das Verfahren gegen den 19-Jährigen wurde gegen eine Geldauflage von 700 Euro eingestellt. Zur Begründung waren sich Staatsanwalt und Richterin einig: Die Provokation ging vom 19-Jährigen aus, doch auch die "Respektschelle" gab es. Eine Notwehr-Situation konnte der Staatsanwalt dennoch nicht erkennen. Er sagte: "Das war ein großes Entgegenkommen."

BASTIAN LAUER

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