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Dienstag, 07.07.2020

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Reifegeprüfte Pokerspieler mit Maske

41 Abiturienten des Corona-Jahres erhalten ihre Noten - 27.06.2020 13:00 Uhr

Erleichterung: Die allermeisten der Abiturienten am Stellergymnasium haben bestanden. Für einige geht es noch in die Nachprüfung. © Foto: Claudia Lehner


Die Anspannung ist mit Händen zu greifen. Aufgeregte Gespräche über die Fragen in den Prüfungen, nervöse Blicke auf die Uhr. Eine junge Frau tritt von einem Fuß auf den anderen. Ein Mann lehnt bewusst cool über der Brüstung, das Gesicht von der Gruppe abgewandt. Wenn da nicht die Masken wären, könnte es ein ganz normaler Abijahrgang sein.

Am Ausgang hin zu den Parkplätzen verlassen die frisch gebackenen Abiturienten dann einzeln das Gebäude, die meisten mit einem Schrei der Erleichterung: "Ich hab mein Abi." Eine bricht in Tränen aus, liegt erst der Mutter, dann einer Freundin in den Armen. Es war offensichtlich recht knapp. "Anspannung pur", sei das gewesen, erklärt die Mama mit feuchten Augen. Die Erleichterung bei den allermeisten bricht sich in lauten Rufen – "Allgemeine, Allgemeine Hochschulreife" – und Gesängen – "Abi, Abi, Abi, Abi, Abitur" – Bahn oder einfach in frenetischem Jubel, mit Trillerpfeifen und Tröten. Da sind mal Abstandsregeln, die sonst so wichtig waren, vergessen.

„Vegas – Gepokert um jeden Punkt“ haben sich die Abiturienten als Motto für ihre T-Shirts ausgesucht. Dass es nichts mit Corona zu tun hat, findet Judith Kern gut. Man wolle ja nicht nur als der Corona-Jahrgang in Erinnerung bleiben. © Foto: Claudia Lehner


"Das ist der emotionalste Tag in der ganzen Schulzeit", sagt Nickel. Auch für die Lehrer ist es etwas Besonderes. "In acht oder neun Jahren sind Beziehungen gewachsen." Da wird gerne gratuliert, aber es gilt auch Schüler aufzufangen, die keinen Grund zur Freude haben. Dafür stand zum Beispiel Karl Scholl, Mitglied der Erweiterten Schulleitung, am Fuß der Treppe bereit – wie in anderen Jahren auch. Fünf haben ihr Abitur noch nicht bestanden. Das sei normal, in jedem Jahr treffe es etwa zehn Prozent, erklärt Nickel. Er sieht es als Nachspielzeit wie beim Fußball. In zwei Wochen gibt es die Möglichkeit zur Nachprüfung, für alle, die sich verbessern wollen. Darüber wurde gleich nach Notbekanntgabe in gesonderter Runde informiert, wenn nicht erst ein tröstendes Gespräch nötig war.

Über den Abischnitt kann Nickel deshalb noch nichts sagen. In etwa vergleichbar mit den anderen Jahren, sagt er. Eine muss sicher nicht in die Nachprüfung: Magdalena Schöll hat als einzige in diesem Jahr die Traumnote 1,0 geschafft.

"Super happy" ist sie, nach den schriftlichen Prüfungen habe es noch nicht so gut ausgesehen, sagt die angehende Medizinstudentin. Judith Kern ist einfach "erleichtert" und für Jule Dingfelder kam die Note heraus, mit der sie gerechnet hatte. Aber eine besondere Situation war es heuer schon. Lea Drdacky beschreibt die dauernde Ungewissheit. Finden die Prüfungen so statt wie geplant? Philipp Dingfelder sieht ganz pragmatisch den Vorteil: drei Wochen mehr Zeit. "Eigentlich ganz entspannt" fand er deshalb die Abivorbereitung.

Ein Schmalspurabi, wie manche befürchtet haben, sei es aber auf keinen Fall, sagt Nickel. Zwar seien einige Klausuren im letzten Halbjahr weggefallen, aber dafür sei den Schülern auch viel zum Beispiel an Unsicherheit zugemutet worden. Die besteht weiterhin, was die feierliche Zeugnisübergabe am 17. Juli angeht. Nur bis 5. Juli gilt die aktuelle Infektionsschutzverordnung. Noch sind also die Bedingungen nicht klar, unter denen die Veranstaltung stattfinden kann. Wohl draußen, schätzt Nickel und in kleinerem Rahmen. Einen großen Abiball im Kur- und Kongress-Center werde es sicher nicht geben.

CLAUDIA LEHNER

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