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Schäfer: Ein Job für witterungsbeständige Idealisten

Angehende Schäfer aus ganz Deutschland erhalten in Triesdorf ihre überbetriebliche Ausbildung - 21.12.2018 17:47 Uhr

Peter Betz aus Parsberg und Bettina Käflein aus Baden-Baden bilden sich wie viele ihrer Kollegen bei den Lehrgängen in Triesdorf weiter. © Günter Blank


Denn die dortige Tierhaltungsschule an der von Uwe Mohr geleiteten Abteilung Tierhaltung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Mittefranken ist eine von bundesweit zwei Einrichtungen, welche die überbetriebliche Ausbildung für angehende Tierwirte im Bereich Schafhaltung anbietet.

Bei den Kursen in Triesdorf vertiefen und erweitern die Teilnehmer ihre bislang erworbenen Kenntnisse in Theorie und Praxis. Die Lehrgangsinhalte sind so vielfältig wie der Schäferberuf selbst. Sie reichen von theoretischem Wissen etwa zu gesetzlichen Grundlagen, zur Herdbuchaufnahme, Grünlandbewirtschaftung und Landschaftspflege bis hin zu handfesten Übungen im Transport, in der Klauenpflege, in der Arbeit mit Hütehunden, im Scheren der Schafe oder eben auch im Betäuben und Töten der Tiere.

Der Schäferberuf verlangt Idealismus, Marschfähigkeit, Belastbarkeit und Witterungsbeständigkeit, sagt Kerstin Smietana, die bei der Tierhaltungsschule für den praktischen Teil der überbetrieblichen Ausbildung verantwortlich ist. Jeder Schäfer müsse in der Lage sein, schnell und eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen. "Du darfst keine Angst haben", sagt sie, denn Schäfer schlüpfen nicht nur eben mal in die Rolle der Hebamme, wenn es gilt, ein Lämmchen zur Welt zu bringen, die Hüte- und Wanderschäfer unter ihnen sind mitunter auch Seelsorger, denn immer wieder gehen Leute unvermittelt auf sie zu, um ihnen von ihren Sorgen und Nöten zu berichten.

Qualifizierte Leute sind gesucht

Als hätten die Schäfer davon nicht selbst genug. Denn auch wenn es ein "sehr schöner Beruf" ist, wie Kerstin Smietana hervorhebt, ist es nicht immer einfach, ihn zu leben. Etliche der Lehrgangsteilnehmer kommen aus Familien, in denen bereits die Schäferei betrieben wird. Zunehmend seien auch junge Leute dabei, die nicht aus Schäfereibetrieben kommen, doch von diesen blieben etliche nicht im Beruf. Denn die Gründung oder Übernahme eines Betriebs sei schwierig, doch die Verdienstmöglichkeiten als Beschäftigter, etwa bei Gebrauchsschafhaltern, liegen am unteren Ende der landwirtschaftlichen Erwerbsskala. Gleichwohl gelte, wie Smietana sagt: "Qualifizierte Leute werden gesucht."

Im Landkreis Neustadt-Bad Windsheim gibt es gemäß den Unterlagen des Staatlichen Veterinäramtes rund 250 Schafhalter, die zusammen zirka 10 000 Tiere besitzen. Wie Landratsamts-Pressesprecher Matthias Hirsch in Erfahrung brachte, gibt es im Kreis fünf Schäfer mit Herdengrößen zwischen 500 und 1000 Tieren, welche als Wanderschäfer umherziehen. 25 ihrer Kollegen haben Herden mit 100 bis 500 Tieren, weitere 140 nennen jeweils zehn bis 100 Tiere ihr Eigen und betreiben überwiegend Koppelhaltung. Jeder der übrigen 80 Halter besitzt weniger als zehn Tiere, da sind dann auch diejenigen mitgezählt, die sich "ein paar Schafe als Rasenmäher im Garten halten", wie Harald Endreß vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Uffenheim es formuliert. Im Bereich des Antragswesens sind beim AELF aus dem Kreis 113 Betriebe mit Mutterschafhaltung registriert; sie bringen es zusammen auf rund 6300 Tiere, darunter 500 Ziegen.

Weltweit gesehen spielen Schafe eine wichtige Rolle, sagt Kerstin Smietana. Sie gelten als ältestes Haustier des Menschen, liefern ihm Wolle, Fleisch und Milch. In Deutschland ist die Nachfrage vergleichsweise verhalten. Gerade mal 600 Gramm Lammfleisch werden hierzulande pro Kopf im Jahr verzehrt, doch zeigt die Tendenz nach oben – wohl auch dank des Trends zu natürlichen und gesunden Produkten. Auch das Naturprodukt Wolle ist wieder im Kommen. Weil zudem Beihilfe- und Ausgleichszahlungen stabil oder steigend sind, blicken die Schäfer mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. Einen weiteren, nicht unbedeutenden Grund hierfür liefert die Triesdorfer Tierhaltungsschule mit der Feststellung: "Die Schafhaltung entspricht gesellschaftlichen Anforderungen an die Nutztierhaltung."

Grundsätzlich unterscheiden Schäfer mehrere Formen der Tierhaltung. Die stationäre Hütehaltung und die Wanderschäferei mit Herden bis zu 1000 Mutterschafen leisten einen bedeutenden Beitrag zur Landschaftspflege. Erschwert werden diese Formen zunehmend durch die Intensivierung der Landwirtschaft mit dem Einsatz von Erntemaschinen, die nichts übrig lassen, der Umwandlung von Grün- in Ackerflächen, dem Ausbringen von Gülle oder – für die Wanderschäfer und ihre Hunde ebenfalls problematisch – die Zersiedelung sowie die Zerschneidung der Landschaft durch immer mehr Straßen. Zudem bedarf es auch bei der Hütehaltung für die allermeisten Schafrassen eines Stalls für den Winter.

Die Koppelschafhaltung wird meist im Nebenerwerb betrieben, eignet sich für bis zu 50 Mutterschafe und bedarf keiner ganztägigen Aufsicht. Gleiches gilt für die reine Stallhaltung, deren Nachteile die Triesdorfer Tierhaltungsschule mit zwei Stichworten umreißt: Futterwerbung und -konservierung für das ganze Jahr sind nötig und es findet keine Landschaftspflege statt. Gerade die Weideschafe aber leisten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung ökologisch wertvoller Flächen wie Halbtrockenrasen, Magerrasen oder Almen.

Doch egal, welche Form der Tierhaltung die angehenden Schäfergehilfen bereits betreiben oder betreiben werden, für alles erhalten sie bei den Lehrgängen in Triesdorf das nötige Rüstzeug. Peter Betz aus Parsberg in der Oberpfalz etwa, der den ersten Kurs absolviert hat, zieht für sich folgende Bilanz: "Mir hat der Kurs in Triesdof gut gefallen. Die meisten der behandelten Themen waren mir bereits bekannt, allerdings konnte ich überall noch etwas dazulernen. Auch konnte ich mich mit den anderen Kursteilnehmern austauschen. Ich werde im Laufe meiner Ausbildung noch zwei weitere solcher Kurse besuchen."

Es scheint den Lehrenden an der Tierhaltungsschule also zu gelingen, was Kerstin Smietana als ihren eigenen Anspruch formuliert: "Ich möchte die traditionelle Schafhaltung in moderner Form rüberbringen." 

GÜNTER BLANK

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