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Mittwoch, 23.10.2019

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Scherz weckt Interesse

"Werbeplakate" thematisieren die Hängepartie in Ipsheims Neubaugebiet – und dann rührt sich endlich das Landratsamt. - 19.06.2019 15:49 Uhr

Die auf dem Plakat vermerkten 250 Euro sind etwas hoch angesetzt, auf 114 Euro hatte sich der Gemeinderat einst festgelegt. Dieser Preis wird sich allerdings aufgrund der Mehrung der Planungskosten wohl nicht halten lassen. © Foto: Erwin Taube


Werbeplakate, scheinbar von der Gemeinde, hatten die Ortsburschen im Ort aufgestellt. "250 Euro pro Quadratmeter, voll erschlossen", hieß es darauf. Und weiter: "Kanalrohr muss selbst mitgebracht werden." Es war wohl als Seitenhieb gedacht auf die Probleme, welche die Kommune mit dem geplanten Wohnbaugebiet hat. Die Fläche unterhalb der Weinberge liegt nämlich in einem Überschwemmungsgebiet.

Das gilt es bei der Ausgestaltung des nötigen Bebauungplanes zu berücksichtigen. Diverse Maßnahmen wie das Umleiten von Bächen sind notwendig, um die Folgen eines hundertjährigen Hochwasser-Ereignisses kontrollieren zu können. Diese Maßnahmen wurden von einem von der Verwaltung ausgewählten Planungsbüro erdacht und bereits im August 2018 vorgestellt. Woran es nun seit Monaten hakt: Das Wasserwirtschaftsamt musste ein Gutachten dazu erstellen und das Landratsamt muss auf Basis dessen einen Wasserrechtsbescheid für die Gemeinde erlassen.

Nicht nur in der Gemeindeverwaltung sitzt der Frust mittlerweile tief. Offenbar auch bei den Bürgern, und so half nur noch Galgenhumor. Im Rathaus hat man den Plakat-Scherz natürlich registriert. "Das hat Tradition bei den Ortsburschen, deshalb haben wir die Schilder vorerst auch stehen gelassen", erklärt Bürgermeister Frank Müller.

Obwohl die Ortsburschen das Logo der Gemeinde verwendeten und die Telefondurchwahl des Rathauses abdruckten, sei die Aktion nicht mit der Verwaltung abgesprochen gewesen, erklärt Müller, der sie aber sogar als Erfolg verkaufen könnte: Es gab seitdem sechs neue Reservierungen für Bauplätze. Damit stünden nun 70 Interessenten auf der Liste.

Wann diese tatsächlich bauen können, steht in den Sternen. Aber – und das ist tatsächlich kein Scherz: Das Mühlrad der Bürokratie hat sich nun ganz aktuell ein Stück weiter gedreht: "Der Bescheid ist praktisch fertig", sagt Thomas Wittmann, Abteilungsleiter Bau- und Umweltschutz des Landratsamtes, auf Nachfrage. Er solle binnen zwei Wochen an die Gemeindeverwaltung rausgehen.

Aber warum eigentlich die Hängepartie? "Der Bescheid hat 39 Seiten, es ist ein sehr technisches und kompliziertes Thema. Das dauert seine Zeit", sagt Wittmann, der außerdem betonte, dass bei dem Verfahren schon 2017 bei ersten Berechnungen zur Simulation von Hochwassern bestimmte Faktoren vor Ort übersehen worden waren. Das führte zu Verzögerungen. Auf Schuldzuweisungen verzichtete er hierbei, ihm sei es nun vor allem wichtig gewesen, dass der Bescheid "gerichtsfest" ist.

Die Plakate sind mittlerweile entfernt. Im Rathaus wartet man nun gespannt auf Post. Und Ende Juli könnte der Gemeinderat endlich die nächsten Schritte der Planung einleiten.

BASTIAN LAUER

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