Dienstag, 27.10.2020

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Schließung: Bank-Filialen vor dem Aus

Die Sparkasse kündigt Schlieẞung von Filialen in Marktbergel und Dietersheim an, nur noch ein Automat in Obernzenn. - 26.09.2020 06:00 Uhr

Die Sparkassen-Filiale in Marktbergel wird geschlossen

© Foto: Bastian Lauer


Nur durchschnittlich einmal im Jahr besucht der Deutsche seine Bank, um Service- oder Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Gerade in den vergangenen paar Jahren hat sich das Finanzwesen drastisch verändert, es ist digitaler geworden. Die Sparkasse im Landkreis hat sich nun entschlossen zu reagieren. Sie wird zum 1. März 2021 sechs Filialen schließen und in vier weiteren Geschäftsstellen nur noch einen Automaten aufstellen.

Die Pläne stellte der Sparkassen-Vorstand am gestrigen Freitagmorgen bei einem Pressegespräch vor. Demnach werden die Geschäftsstellen in Marktbergel, Dietersheim, Trautskirchen, Markt Bibart, Münchsteinach und Wilhelmsdorf geschlossen. In den Filialen in Obernzenn, Neuhof, Uehlfeld und Burghaslach wird es zukünftig nur noch einen Geld- und Kontoauszugautomaten sowie einen Briefkasten geben. Die beiden Zahlstellen in der Seniorenresidenz in Bad Windsheim sowie in Ippesheim werden aufgelöst.

Etwa 20 Prozent der Kunden – laut Sparkassen-Vorstand Gunther Frautz hat die Kreis-Sparkasse insgesamt 45 000 "Kundenverbünde" bei 24 Filialen – seien direkt betroffen. Bei den Mitarbeitern werde es "insgesamt" einen Abbau geben, sagte Frautz, dieser allerdings nur im Service- und Stabs-, nicht im Beratungsbereich. "40 Mitarbeiterkapazitäten", oder etwa 16 Prozent, sollen in den kommenden drei Jahren gestrichen werden, gekündigt werde aber niemand. Vorstandskollege Michael Berger ergänzte: Solche "Personalanpassungen" gebe es in der Branche durch technologische Entwicklungen "seit 50 Jahren" und werde es auch zukünftig geben.

Nur noch selten in die Filiale

Die eingangs genannte Statistik stamme aus einer bundesweiten Erhebung, erläuterte Frautz. Dabei ergab sich auch: 24 Mal im Jahr hebt der Deutsche Geld vom Automaten ab und schon 200 Mal erledigt er Geldgeschäfte über Handy, PC oder auf anderen digitalen Wegen. Der Trend besteht schon länger, doch der Lockdown in der Corona-Pandemie habe ihn weiter beschleunigt.

Bereits 2016 habe die Sparkasse solche Schritte in Erwägung gezogen. Damals habe man laut Frautz gesagt: "Wir sind ein ertragsstarkes Haus, wir wollen keine Geschäftsstellen schließen." Mittlerweile sehe die Lage anders aus: "Das Kundenverhalten hat sich wirklich extrem verändert." Beispiel: Die S-Card der Sparkasse für bargeld- und kontaktlosen Zahlungsverkehr sei schon für 26 Prozent der Buchungen zuständig. Frautz: "Man sieht einfach, dass das Bargeldhandling immer geringer wird."

"Gute regionale Verteilung"

Bei der Auswahl der zu schließenden Filialen habe "eine gute regionale Verteilung" im Fokus gestanden, sagte Frautz. Es sei darauf geachtet worden, dass der Weg zur nächsten Filiale nicht länger als zehn Autominuten dauert. Insgesamt 45 Kriterien seien berücksichtigt worden, darunter Kundenfrequenz, Bevölkerungsdichte oder auch die Ausweisung von Neubaugebieten. Künftig sollen Beratungs-Center in den fünf großen Orten Uffenheim, Bad Windsheim, Scheinfeld, Neustadt und Emskirchen die wichtigsten Anlaufstellen sein. In den übrigen Geschäftsstellen werde es aber weiterhin Beratungsangebote geben, betonte Frautz.

Die Sparkasse wird aber nicht nur schlanker. Als logische Folge der Entwicklung wurde bereits ein Kunden-Service-Center eingerichtet, das im Lockdown laut Frautz sehr gut genutzt worden sei. Dort stehen sieben Mitarbeiter am Telefon bereit. Aufträge würden dort "direkt abgearbeitet", es gebe keine Weiterleitung zu anderen Abteilungen. Neu ab März hinzu kommt ein Digitales Beratungs-Center, bei dem Kunden über Computer und Kamera Kontakt mit Sparkassen-Mitarbeitern aufnehmen können. "Im Prinzip können Sie jetzt mit der Sparkasse skypen", erläuterte Berger. Frautz: "Das wird jetzt nicht sofort der riesen Reißer werden, aber es gibt Kunden, die das schon nachfragen."

Abschließend betonte Gunther Frautz noch einmal, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bilanz der Sparkasse im Landkreis gering und damit keineswegs der Grund für die Schließungen seien. Auf den Punkt gebracht: "Das Handy hat die Welt verändert, dem wollen wir Rechnung tragen."

BASTIAN LAUER

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