Mittwoch, 20.01.2021

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Schloss Seehaus: Furioses Finale auf Augenhöhe

Das Abschlusskonzert zum Meisterkurs gerät zu einem fulminanten Musikereignis. - 12.09.2020 15:00 Uhr

Voll konzentriert musizieren die Studierenden und ihre Dozenten beim Abschlusskonzert auf Schloss Seehaus:

11.09.2020 © Foto: Elke Walter


Kammermusik als klein besetztes Format fordert die jeweiligen Instrumentalisten in besonderer Weise. Solistische Ausdruckskraft einerseits, vor allem aber auch ein aufmerksames Hören auf die Partner, um ein präzises Zusammenspiel möglich zu machen, ist die Basis. Verstecken mussten sich die fünf Musikerinnen und ihre beiden männlichen Kollegen, immer auf der Suche nach dem optimalen Klang, allerdings nicht. Die ausgewählten Werke hatten die jungen Instrumentalisten selbst mitgebracht. Solowerke und Kammermusik in unterschiedlichen Besetzungen waren zu hören.

Sieben Teilnehmer und drei Dozenten lassen ein sehr intensives Arbeiten zu. Pianist Hansjacob Staemmler, der zusammen mit seinem Bruder Peter-Philipp (Violoncello) und dessen Frau Johanna (Violine) den Kurs leitete, erzählte, dass neben dem Erarbeiten der Stücke auch viel Platz für anderes war, etwa das abendliche spontane "vom Blatt spielen" in unterschiedlichen Varianten. Schon allein dies lässt auf das hohe Basiskönnen der Musiker schließen.

Das Programm des kleinen Konzertes war mit Werken bekannter Komponisten vom Barock über Wiener Klassik bis in die Moderne bestückt. Zu hören war etwa Ludwig van Beethovens "Cellosonate g-Moll, op. 5,2", bei der Cellist Simon Napp, begleitet von Staemmler am Klavier, sich sehr gut präsentierte. Auch beim Adagio-Satz des Mozart-Duos in g-Moll, mit der Violinistin Sophia Eschenburg konnte er sich gut positionieren. Die junge Musikerin glänzte später bei Claude Debussys "Violinsonate g-Moll" aus dem Jahr 1915. Zusammen mit Staemmler am Flügel wagte sie den Zeitsprung in den musikalischen Impressionismus.

Einen deutlichen Anteil am Programm hatten Werke Beethovens, darunter auch die "Cellosonate Nr. 3, A-Dur" für Violoncello und Klavier. Hier empfahl sich die Cellistin Ülker Tümer als ausdrucksstarke Instrumentalistin. Sinnlich melodiös bis dramatisch temperamentvoll gestaltete sie ihr Spiel. Carla Winter widmete sich dem ersten Satz aus Bachs "Solosonate für Violine g-Moll". Nicht ganz einfach, aber gelungen. Pianistin Soojung Lee und ihre Duopartnerin Natsumi Nakamura an der Geige, ließen wieder Beethoven erklingen, den ersten Satz aus der "Violinsonate c-Moll op. 30,2": ausdrucksstark und voller Dynamik.

Zum Abschluss gab es einen Satz aus dem "Trio über irländische Volkslieder" des Schweizer Komponisten Frank Martin (1890 bis 1974), mit Tümer, dem Violinisten Thomas Schad, beide an der Musikhochschule Freiburg, und Hansjacob Staemmler am Flügel. Ein echter Ohrwurm, geprägt von der Lebensfreude der Grünen Insel sowie melancholisch anmutender Zwischenspielen. Trio-Genuss auf absoluter Augenhöhe.

ELKE WALTER

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