Spontan und ohne Ahnung, was passieren würde

28.2.2019, 13:30 Uhr
An die Wiederbelebung des Weiberfaschings in Bad Windsheim vor mehr als 20 Jahren und an eine lange Nacht erinnern sich die Frauen noch heute gerne.

An die Wiederbelebung des Weiberfaschings in Bad Windsheim vor mehr als 20 Jahren und an eine lange Nacht erinnern sich die Frauen noch heute gerne. © Foto: Privat

"Das hatte es vor Ewigkeiten schon einmal gegeben. Wir haben uns damals gedacht, das könnten wir doch wieder mal machen", erzählt Anna-Maria Seiboth, die zwar beim Debüt 1998 nicht mitgegangen ist, seitdem aber jedes Jahr dabei war. Damals mittendrin – sogar als Faschingsprinzessin der Session – war ihre Schwester Rita Seiboth. Sie erinnert sich noch gut ans gemeinsame Frühstück in Külsheim morgens, wo es schon den ersten Sekt gab. Man hat sich verkleidet und dann ging es einfach los.

Um die zehn junge Damen waren es, die meisten aus der Prinzengarde, erinnert sich Michaela Glaser. Nachmittags kam wohl noch die eine oder andere dazu, unter anderem eine unruhige Nicole Schmidt, die damals als Jüngste der Truppe noch zur Schule ging und seitdem fester Bestandteil der Weiber ist. "Die hat unsere Trillerpfeifen gehört und konnte es gar nicht erwarten dazuzukommen", erzählt Glaser und lacht.

Was auf sie zukommen würde, wussten die Frauen 1998 nicht wirklich. Sie haben einfach ein paar alte Klamotten aus dem Schrank geholt und hatten ihren Spaß. Damals übrigens noch ohne die knallbunten Haare, die mittlerweile das Markenzeichen der Truppe sind. Einen Leiterwagen für die Getränke gab es auch noch nicht. Aber gut drauf waren sie allemal schon. "Die Leute waren da überhaupt nicht darauf vorbereitet", sagt Rita Seiboth. Plötzlich stand eine Horde wild gewordener Frauen in Hexen-Kostümen im Laden. So mancher sei dann kurzerhand losgegangen, um ein Fläschchen Sekt oder Häppchen zu besorgen und die Damen zu versorgen, erzählt Glaser. "Alle haben echt gut mitgemacht", sagt sie.

Da aber nicht ganz so klar war, wie vor allem die Männer auf das Abschneiden ihrer Krawatten reagieren würden, habe man sich hauptsächlich "Windshemia-Geschäfte" ausgesucht, sagt Glaser: "Das waren lauter Stationen, wo wir wussten, dass da Leute von der Windshemia dort sind." Auch in der WZ-Redaktion schauten sie damals vorbei. Allerdings ohne Beute zu machen, wie in der Ausgabe des 21. Februar 1998 zu lesen war.

Besser lief es im Rathaus. Das war auch die einzige Station, wo man das Kommen angekündigt hatte, um auch ja dem damaligen Bürgermeister Wolfgang Eckardt den Schlips abschneiden zu können. Insgesamt seien wohl 25 bis 30 Krawatten zusammengekommen, glaubt Michaela Glaser: "Wir haben die mehr oder weniger zerstückelt, damit jeder ein Stück von möglichst allen Krawatten bekommt."

Den Abschluss des wilden Donnerstags bildete schon damals ein Kneipenbesuch, damals noch in der Schüssel. Mittlerweile wird immer im Ofenbänkla gefeiert. Es wurde ein lange Nacht, was die Weiber damals büßen mussten. Sie wussten ja nicht, wie es letztlich laufen und dann enden würde – und mussten am Freitag alle arbeiten oder in die Schule. Aber an der Weiberfastnacht 1998 haben nicht nur die Frauen dazugelernt: "Freitag – da brauchst du Urlaub", wie Glaser erklärt. Über die Männer sagt sie: "Die waren im nächsten Jahr alle vorbereitet." Am morgigen Donnerstag werden also wieder rund 30 Frauen losziehen und einen Tag über die Kurstadt herrschen. Sie sind die Erben eines einmaligen Tages, den Michaela Glaser so beschreibt: "Es war so was von spontan und lustig. Das hätten wir nie gedacht." Und in den Worten von Rita Seiboth: "Ja, das war einfach schön."

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