Dienstag, 24.11.2020

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Stimmen der Vergangenheit gelauscht: Einzigartiger Gottesdienst an Kapellen-Ruine

Knapp dreißig Besucherinnen und Besucher - 20.11.2020 13:58 Uhr

Für eine ganz besondere Stimmung war beim Gottesdienst des BDKJ an der Ruine der Kunigunden-Kapelle bei Bullenheim gesorgt- Foto: Lisa Spall

20.11.2020 © Lisa Spall


Die Mitarbeiterinnen der „AG Fromm“ des BDKJ Neustadt hatten den einzigartigen Gottesdienst an besonderem Ort inhaltlich und logistisch aufwendig vorbereitet und freuten sich deshalb sehr, dass sie bei Einbruch der Dunkelheit knapp dreißig Besucherinnen und Besucher vor der Weinparadiesscheune willkommen heißen konnten.

Nach der Begrüßung, die alle Anwesenden auch mit den Schutz- und Hygieneregeln für den Gottesdienst vertraut machte, wanderten die Mitfeiernden im Schein ihrer Laternen und Taschenlampen auf dem obersten Weinbergsweg bis zum Unterstand für Wanderer. Die beim Gehen erlebte Erfahrung von Dunkelheit, die den Menschen ebenso Angst machen kann wie Tiere, Gefühle, Situationen oder das aktuelle Weltgeschehen, wurde an der ersten Station aufgegriffen.

Weiter ging es über etwa dreißig Treppenstufen und anschließend auf einem schmalen Wanderpfad steil bergauf durch den Wald bis zu einer kleinen Lichtung. Auf diesem anstrengendsten Abschnitt des Weges waren die Teilnehmenden nicht nur auf das eigene vorsichtige Laufen konzentriert, sondern bei Taizé-Klängen auch aufgefordert, über die eigenen Ängste nachzudenken. Die Mitglieder der „AG Fromm“ brachten ihre Angst vor Terroranschlägen, ungewissen neuen Lebensabschnitten oder die Erfahrung, wenn das Telefon zu ungewöhnlichen Zeiten klingelt, stellvertretend für die Gottesdienstgemeinde zum Ausdruck – im Bewusstsein des christlichen Vertrauens, dass auch die individuellen Ängste ihren Platz vor Gott haben.

Auf dem nächsten Wegstück standen die Mittel und Wege im Fokus, mit denen die eigenen Ängste überwunden werden können. Die Mitfeiernden waren zum Gedankenaustausch eingeladen, denn weniger steil führte der Weg nun weiter bergauf und man konnte zwischen den Bäumen schon die ersten Lichter und die

Umrisse eines weißen Schattens erkennen. Als die Besucher/innen aus dem Wald heraustraten, verbreiteten die Mauerreste der Kunigundenkapelle, die mit über hundert Kerzen beleuchteten waren, eine heimelige und geheimnisvolle Stimmung. Die Ruine, das Ziel für diesen Gottesdienst an besonderem Ort, war erreicht und alle durften auf einem Bierkasten im „Innenhof“ der Ruine Platz nehmen und verschnaufen.

Der zwischen den Bäumen gesichtete weiße Schatten war tatsächlich ein „Gespenst“, das von einer Mitarbeiterin der „AG Fromm“ gefangen und zur Rede gestellt wurde. Das „Gespenst“ entpuppte sich als „Stimme der Vergangenheit“, die nicht Angst und Schrecken verbreiten, sondern an die schönen Momente im Leben erinnern möchte, und als Mitarbeiterin der „AG Fromm“.

Allzu leicht geraten im Alltag die schönen Augenblicke des Lebens in Vergessenheit: ein Sonnenuntergang am Meer, lobende Worte, gemeinsam verbrachte Zeit, etwas geschafft zu haben oder ernstgenommen zu werden. Bei Tee und Keksen waren auch die Gottesdienstbesucher/innen eingeladen, sich ihre eigenen schönen Erinnerungen ins Gedächtnis zu rufen. Diese positiven Erinnerungen können in Zeiten der Angst Kraft geben, wie es auch schon die Menschen vor tausenden von Jahren erfahren und in den Psalmen aufgeschrieben haben.

Nach Fürbitten und Vaterunser war es Zeit für den Rückweg. Langsam und vorsichtig ging es im fahlen Licht der Taschenlampen über den schmalen Waldpfad zurück auf den geteerten Weinbergsweg. Hier durften sich alle ein Stofftaschentuch von der Leine nehmen, um sich mit Hilfe eines Knotens in diesem Taschentuch auch später noch an einen besonders schönen Augenblick im eigenen Leben zu erinnern.

Mit dem Segen der Erinnerung und der Einladung zu den nächsten „Gottesdiensten an besonderen Orten“ im kommenden Jahr wurden die Mitfeiernden verabschiedet und zu ihren Autos auf dem Parkplatz neben der Weinparasiescheune zurückbegleitet.

nb

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