Mit Frischluft gegen Corona

Streitfall Luftfilter an Schulen: Die Front gegen den Einbau bröckelt

Bastian Lauer

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27.12.2021, 15:45 Uhr
Weiterhin umstritten: Luftfilter in Schulen im Landkreis.

Weiterhin umstritten: Luftfilter in Schulen im Landkreis. © Armin Weigel, dpa

Lange war man auf Landkreis-Ebene eisern, was die ablehnende Haltung gegenüber Luftfiltern angeht. Bei den mobilen Varianten blieb es größtenteils dabei, da es aber auch Zuschüsse für fest installierte Geräte als Baustein bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gibt, bröckelte die Front zusehends. Auch die Stadt Bad Windsheim hat mittlerweile entschieden, Luftreinigungsgeräte in ihren Schulen zu verbauen. Dies wurde nun auch Thema bei einer Sitzung des Schulverbandes Mittelschule. Mit brisanter Note: Denn hier steht eigentlich eine Sanierung ins Haus.

Zunächst räumte die Versammlung eine Formalie aus dem Weg. Da die Stadt ein Planungsbüro für die Hermann-Delp- und die Pastorius-Grundschulen gesucht hatte, habe es sich angeboten, wenn dieses die Mittelschule gleich mit untersucht, erläuterte Florian Engelhardt von der Stadtverwaltung. Jürgen Heckel, in seiner Funktion als Bad Windsheims Bürgermeister auch Verbandsvorsitzender, habe dies in einer „Eilentscheidung“ abgesegnet, obwohl er maximal 10 000 Euro ohne Beschluss vergeben kann. Hier waren es 11 867 Euro. Einstimmig segnete die Versammlung die Vergabe für diese Konzepterstellung nachträglich ab.

Das Gebäude der Mittelschule im Schulzentrum in Bad Windsheim ist weit über 30 Jahre alt – es besteht Sanierungsbedarf.

Das Gebäude der Mittelschule im Schulzentrum in Bad Windsheim ist weit über 30 Jahre alt – es besteht Sanierungsbedarf. © Bastian Lauer, NN

Engelhardt erläuterte die Überlegungen: In jedem Raum der Mittelschule solle, wo nötig, eine raumlufttechnische Anlage fest verbaut werden. Diese verfügen über Zu- und Abluft. Das Planungsbüro hat jeden Raum untersucht und geprüft, ob die Fenster zum Lüften reichen. 20 Räume müssten demnach umgerüstet werden.

Gerade das Obergeschoss sei betroffen, weil hier die Fenster aus Sicherheitsgründen – Kinder könnten rausspringen – nur gekippt werden dürfen, erläuterte Engelhardt. Dies reiche dann für einen sicheren Luftaustausch nicht aus. Schulleiter Franz Stegner war die Kipp-Regelung offenbar nicht bewusst, denn er plädierte für eine Umrüstung der Fenster im Obergeschoss, zumal die Fenster – Stichwort geplante Sanierung – sowieso ausgetauscht werden sollen. Zudem äußerte er Sorgen, da die Technik nicht nur in den Klassenräumen sondern auch außen, wo im Obergeschoss die Fluchtwege verlaufen, Platz verbrauche.

Im Sommer als Kühlung

Die Technik nähme in den Klassenräumen nur wenig Platz ein, meinte Engelhardt. Das Büro habe sogar schon auf einem Plan mögliche Standorte markiert. Er zeigte eine Karte. „Der Aufwand soll nicht allzu groß sein, so hat es die Firma mir versichert“, sagte Engelhardt auch mit Bezug auf nötige Baumaßnahmen. Da auch zwischendurch immer wieder Mobile Luftfilter in die Diskussion geworfen wurden, betonte Engelhardt, dass fest installierte Anlagen deutlich geräuschärmer wären und zudem im Sommer auch etwas Kühlung brächten. „Das hätte schon auch einen gewissen Mehrwert.“

80 Prozent Zuschuss

Angesichts von 80 Prozent Zuschüssen hätte das Projekt „Charme“, sagte Heckel, lenkte den Fokus dann aber auf eine längst ins Auge gefasste Sanierung des Gebäudes, das in den 1980er-Jahren errichtet wurde. Jennifer Münch vom städtischen Bauamt betonte, dass die neuen Luftfilteranlagen im Fall einer „Generalsanierung“ tatsächlich sofort wieder „rückgebaut“ werden müssten. Einerseits schätze sie den Aufwand als „nicht so kritisch“ ein, andererseits fehlten aber auch noch abschließende Untersuchungen, um den Sanierungsbedarf festlegen zu können. Ipsheims Bürgermeister Stefan Schmidt meinte, es dauere „eh noch einige Weihnachten“, bis die Sanierung stattfinden könnte. Münch sagte, sie hoffe im ersten Halbjahr 2022 zumindest erste Erkenntnisse zum Umfang der Sanierung präsentieren zu können.

Dann ging es auch um’s Geld: 483 000 Euro könnte die Umrüstung auf raumlufttechnische Filteranlagen kosten, erklärte Engelhardt. Ein Zuschuss über 386 000 Euro sei bereits bewilligt. Dies wiederum mache Heckel die Entscheidung „leicht“.

Wartung der Luftfilter extern vergeben

Rektor Stegner fragte nach dem Wartungsaufwand. Sein Hausmeister-Team hätte bereits Bedenken geäußert. Die Filter zu tauschen, sei im Vergleich zu mobilen Geräten relativ selten nötig, sagte Engelhardt. „Hundertprozentig kann ich Ihnen das auch nicht belegen.“ Die Wartung müsse man zur Not an eine externe Firma vergeben, meinte Heckel. Die Kosten seien natürlich entsprechend zu tragen.

Abschließend sollten die Planungsleistungen für das Projekt in der Mittelschule vergeben werden. Diese gingen an die gleiche Firma, die schon das eingangs genannte Konzept erstellt hatte. Kosten: 48 696 Euro. Der Beschluss fiel einstimmig.

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