Donnerstag, 17.10.2019

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Synagoge birgt so manches Rätsel

Symposium beschäftigt sich mit Bauforschung und dem künftigen Innenleben. - 13.09.2019 09:00 Uhr

Museumsleiter Dr. Herbert May (links) und Restaurator Dieter Gottschalk (Zweiter von links) zeigen den Symposiumsteilnehmern einige der Balken der früheren Synagoge aus Allersheim. © Foto: Gerhard Krämer


Für Planung und Konzepterstellung zum Wiederaufbau hatte der Bezirkstag für heuer 100 000 Euro bereitgestellt. Die meisten Teile der früheren Synagoge sind noch eingehaust. Auf der Grünfläche des Depot-Areals liegen aber etliche Balken, nicht zum Begutachten durch die Symposiumsteilnehmer, sondern für den Statiker. Zu schlechtes Material soll nicht wieder verbaut werden, erklärt Restaurator Dieter Gottschalk. Viel ist über die Allersheimer Synagoge schon bekannt, doch Museumsdirektor Dr. Herbert May weiß auch um viele offene Fragen rund um das Gebäude, das dendrochronologisch auf 1740/41 datiert und 1911 an einen Landwirt verkauft wurde.

So befassten sich die Teilnehmer, darunter Vertreter des Jüdischen Museums in Franken in Fürth, der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, des Jüdischen Museums München und des Germanischen Nationalmuseums, am gestrigen Donnerstag auch mit Bauforschung. Denn zum Beispiel zur Frauenabteilung gibt es nur spärliche Befunde. Dabei geht es um die Lage, Größe und deren Zugang.

Ebenso muss noch erforscht werden, ob ein Zusammenhang mit der unsymmetrisch nach Süden abgerückten Thoraschreinposition besteht. Möglicherweise hat hier eine Trennwand zur Frauenabteilung wie in der Synagoge im benachbarten Kirchheim bestanden. Wäre dies der Fall, wäre die Symmetrie wiederhergestellt. Daneben geht es um den Zugang zur Mikwe, einem von Grundwasser gespeisten Ritualbad, welches wohl bis 1829 benutzt wurde.

Interaktion zeigen

Eine Synagoge habe dem Museum noch gefehlt, da Protestantismus und Katholische Volksfrömmigkeit dort schon ihren Platz hätten, erläutert Herbert May. Mit dem Aufbau der Synagoge betrete das Museum Neuland. Ein Grund mehr für May, sich mit Fachleuten wie jetzt beim Symposium zusammenzusetzen. Denn es gehe um Fragen, wie das Gebäude eingerichtet, wie die Dauerausstellung zu jüdischen Landgemeinden gestaltet werden soll. Die bäuerliche Nutzung seit 1911 soll nicht verschwiegen werden, aber man möchte das Gebäude in die Zeit der Synagogennutzung zurückführen.

Dr. Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums München, ist von dem Projekt in Bad Windsheim sehr angetan. Hier könne man die Interaktion zwischen Juden und Nichtjuden zeigen. Die Besucher "stolpern beim Besuch über die Synagoge". Hier gebe sich eine gute Chance, Informationen zu vermitteln. Dass dieses Synagoge für das Freilandmuseum ausgewählt wurde, freut Daniela Eisenstein, Direktorin des Jüdischen Museums Franken. In dieser sei alles enthalten, vom Wohnhaus bis zum Betraum.

Dr. Martina Edelmann, Leiterin des Kulturamtes und des Jüdischen Kulturzentrums Veitshöchheim, freut sich, dass die Synagoge, die früher zu einem Dorf gehörte, hier einen würdigen Platz findet. Darauf hat auch Museumsleiter May Wert gelegt. Denn der Wiederaufbau erfolgt in der Baugruppe West neben dem Schulhaus aus Pfaffenhofen.

GERHARD KRÄMER

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