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"Tägliche Komplikationen": Homeschooling bleibt eine Herausforderung

Beim Homeschooling spielen sich die Abläufe langsam ein, eine Belastung bleibt es jedoch, besonders für die Familien. - 27.01.2021 06:00 Uhr

Begleitet und unterstützt von ihrer Mutter brüten Philip und Nayla zuhause über ihren schulischen Aufgaben.

26.01.2021 © Foto: Claudia Lehner


Schulsachen sind auf dem Tisch ausgebreitet. Der Laptop ist aufgeklappt. Um 7.30 Uhr beginnt für den zwölfjährigen Philip der Online-Unterricht an der Wirtschaftsschule per Videokonferenz. Seine Schwester Nayla ist zehn Jahre alt und besucht die vierte Klasse der Pastorius-Grundschule. Sie arbeitet vorwiegend analog, mit Arbeitsblättern. Für Besprechungen mit der Klasse gibt es aber ebenfalls gelegentlich Videokonferenzen. Unterlagen kann sie zu einem festgelegten Zeitpunkt am Fenster ihres Klassenzimmers an der Schule abholen und wieder abgeben.

Nayla und ihr Bruder würden lieber wieder an der Schule sein, sie fehlt ihnen. Pausen kommen im neuen Alltag für den Zwölfjährigen etwas zu kurz. Kaum hat er seine Unterlagen für das nächste Fach vorbereitet, geht es manchmal schon mit der Konferenz los. Und dann sind ja immer wieder auch Probleme, oft technischer Natur, aber auch mal zwischenmenschliche, zu lösen.

"Täglich Komplikationen"

"Es gibt täglich Komplikationen", sagt seine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Wenn beide Elternteile arbeiten, ist es schwierig, die Betreuung zu organisieren. Im ersten Lockdown war ihr Mann um 5 Uhr im Büro, damit er vormittags wieder daheim war, um die Kinder zu betreuen, sie ging einige Stunden zur Arbeit. Nachmittags übernahm sie für die Hausaufgaben, um abends noch einmal ins Geschäft zu gehen. "Wir haben uns die Klinke in die Hand gegeben", sagt sie über diese schwierige Zeit. "Das hatte es echt in sich." Aktuell ist es etwas leichter, weil die Schulbegleitung des Sohnes vormittags aushelfen kann.

Die Situation ist vergleichsweise gut. Beide Kinder haben ihre eigenen digitalen Geräte, der eine einen Laptop, die andere ein Tablet. Weihnachten habe man nochmal aufgerüstet, erzählt die Mutter. In Kürze nimmt sie selbst an einer Online-Schulung teil. Dann müssen drei gleichzeitig ins Netz. Aber: Andere Familien haben da größere Probleme.

Trotz aller Mühe und Betreuung sind die Sorgen groß. "Ich habe Angst, dass sie auf der Strecke bleibt", sagt die Mutter angesichts des wichtigen vierten Schuljahres ihrer Tochter vor dem Übertritt in eine weiterführende Schule. "Ich bin nicht geschult", beschreibt sie, dass sie sich manchmal überfordert fühlt. "Die Lehrer bemühen sich", betont sie aber auch. Und sie seien immer ansprechbar. Als es das Erklären des Mathestoffs daheim nicht so klappte, habe sie die Lehrerin angerufen, die half auch nach der Schulzeit.

Besser eingespielt aus Sicht der Schulen

Nach technischen Problemen in der ersten Woche nach den Ferien, wie eine Überlastung des Servers, hat sich das Homeschooling aus Sicht der Schulen nun besser eingespielt. "Damit war fast zu rechnen", sagt der Schulleiter des Bad Windsheimer Gymnasiums, Uwe Nickel, zu den Problemen. "Es funktioniert. Ich habe es mir viel gruseliger vorgestellt", sagt Petra Fink, Leiterin der Zenngrund-Grundschule in Obernzenn.

Dass es eine Herausforderung für die Familien ist, dessen sind sich auch die Lehrer bewusst. Nickel hat selbst zwei Kinder. "Nach sechs Stunden Videokonferenz ist man durch", sagt er und meint damit sowohl Schüler als auch Lehrer. Nickel bevorzugt einen Methodenmix. An der Pastoriusschule haben die meisten Grundschüler schon vor dem zweiten Lockdown mit Tablets und Teams geübt. Je nach Alter wird mehr oder weniger digital gearbeitet. Komplett nur Videokonferenzen wäre viel zu anstrengend für die Kinder, sagt Rektorin Lydia Stoll. Ein Referat könne beispielsweise über eine Plattform präsentiert werden. Arbeitsblätter gibt es aber weiterhin analog.

Beim Online-Unterricht ist manches komplizierter, dauert länger, wie Michaela Müller, stellvertretende Leiterin der Wirtschaftsschule, erklärt, zum Beispiel die Anwesenheit zu prüfen. Darauf legen alle Schulen Wert und wenn jemand fehlt, dann wird angerufen. Es wird versucht, auch die mitzunehmen, die sich nicht so leicht tun, auszugleichen, soweit es unter den erschwerten Bedingungen möglich ist, wenn es beispielsweise mit der Sprache hapert.

Schulsozialarbeiter zur Unterstützung

Müller wünscht sich deshalb einen Schulsozialarbeiter, der aber für Wirtschaftsschulen nicht vorgesehen ist. Eine solche Kraft könnte gerade bei Problemfällen unterstützen. Die Mittelschule hat eine Schulsozialarbeiterin, worüber Rektor Franz Stegner sehr froh ist. Jedoch bedauert er, dass sie zu Corona-Zeiten nicht zu den Schülern nach Hause darf. In der Mittelschule bereitet man sich außerdem auf eine besondere Aufgabe vor: Die Abschlussprüfungen stehen mittelfristig an und werden vorbereitet, mit einem Probeprojekt und einer Präsentation der Schüler online.

Wie die Eltern und wohl auch die meisten Lehrer hätte sich Petra Fink gewünscht, dass das Homeschooling am 31. Januar wieder beendet worden wäre. "Wir machen das Beste draus", sagt sie. Dass es schnell vorbeit ist mit dem Lernen daheim, damit rechnet keiner.

Und damit bleibt es auch bei der Mehrbelastung. "Man ist den ganzen Tag unter Strom", erklärt die Mutter von Philip und Nayla. Ihren Kindern fehlen vor allem die sozialen Kontakte, die Klassenkameraden, wie Nayla erzählt. Gemeinsame Pausen, in denen man sich mal unterhalten kann. Denn auch sonst sind die Kontakte zu Gleichaltrigen ja eingeschränkt.

CLAUDIA LEHNER

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