Tatort Natur: Hotspot der Tierschutzkriminalität im Landkreis Neustadt-Bad Windsheim

29.5.2021, 06:00 Uhr
Dieser Rotmilan wurde vor zwei Jahren im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vergiftet. Foto: Martina Widuch

© Foto: Landesbund für Vogelschutz Dieser Rotmilan wurde vor zwei Jahren im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vergiftet. Foto: Martina Widuch

Große Polizeieinsätze in Niederbayern sorgten vor einigen Wochen für Aufsehen. Die Beamten suchten nicht nach einem vermissten Menschen, es ging vielmehr um Hinweise zu Vergehen aus dem Bereich der Naturschutzkriminalität. Im Raum Straubing wurden zuletzt dutzende vergiftete Greifvögel gefunden. Einen Täter gibt es noch nicht. Ganz ähnlich ist die Lage zu einem Hotspot im Landkreis Neustadt-Bad Windsheim – der laut einer Erhebung in Bayern ganz vorne dabei ist, was Naturschutzkriminalität betrifft.

Der hiesige Landkreis kam in den Jahren 2019 und 2020 bayernweit auf Rang zwei im Report zum Projekt "Tatort Natur", das der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) initiiert hat. In der Berichtszeit wurden 75 Fälle in Bayern mit 121 getöteten Wildtieren aller Art, meistens Greifvögel oder Biber gelistet. Die Fälle gehen zum Großteil auf Meldungen von Bürgern zurück, auf die das Projekt setzt.

Im Kreis Neustadt-Bad Windsheim waren sieben Fälle mit zehn toten Tieren gelistet. Auffälligerweise spielte sich der Großteil im Raum Schauerheim ab, wo Anfang vergangenen Jahres mehrere tote Wildvögel gefunden worden waren, bei denen der Verdacht nahe gelegen hatte, dass diese vergiftet worden waren, erklärt Margarete Loscher, stellvertretende LBV-Kreisvorsitzende auf Nachfrage.

Einfach entsorgt

Wie in jenen Fällen auch, komme es laut Loscher leider viel zu oft vor, dass die Tiere einfach entsorgt werden, auch wenn die Hinweise eindeutig sind. Ein Beweis für eine Vergiftung kann nur durch eine Untersuchung im Labor erbracht werden. Gelungen war dies in einem Fall vom Juni 2020 – auch wieder im Raum Schauerheim – nur, weil sich Loscher dafür eingesetzt hatte. Eine tote Katze und ein auffällig platziertes Ei – wohl ein Köder – brachte sie ins Labor. Ergebnis: Spuren von Carbofuran, einem Nervengift, das als Insektizid eingesetzt wurde, aber seit Ende 2008 in der Europäischen Union verboten ist. Das Gift wurde in diesem Jahr auch mehrfach bei den Fällen in Niederbayern nachgewiesen.

Still ist es um Schauerheim seit Anfang 2020 nicht geworden. Im November war im Wald eine Falle mit Eiern als Köder gefunden worden. "Da hätte im Prinzip auch ein Kleinkind reingekonnt", sagt Loscher. Eine gefährliche Sache. Sie habe das der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt gemeldet. Dort habe man den Fall offenbar nicht klären können, sagt sie. Genauso wie den Fall der vergifteten Katze und des Eis, bestätigt die Pressestelle des Landratsamtes der WZ.

Plötzlich vom Himmel gefallen

Im März dann fand eine Spaziergängerin laut Loscher einen toten Rotmilan, der urplötzlich vom Himmel gefallen sein soll. Hasenlohe, wieder gleich bei Schauerheim. Loscher habe den Kadaver selbst nach Erlangen gefahren, zu einer ersten Untersuchung. Eine weitere toxikologische Untersuchung sei in München nötig gewesen.

Was da herauskam, wisse sie nicht. "Im Kalenderjahr 2021 erreichten das Landratsamt Mitteilungen über aufgefundene Tiere. Vorsätzliche Tötungen dieser Tiere, insbesondere durch Vergiftung, sind dem Landratsamt in diesen Fällen nicht bekannt", lautet die Antwort auf die WZ-Anfrage.

Loscher gibt aber nicht auf und will die Bürger dafür sensibilieren, tote Tiere, die sie unter auffälligen Umständen finden, dem LBV zu melden. Im Internet unter der Adresse www.tatort-natur.de gibt es Informationen zum Thema.

Keine Kommentare