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Ton und Technik: In Corona-Zeiten "komplett auf Null"

Neben Musikern und Künstlern hat die Corona-Pandemie auch Kulturschaffende hinter den Kulissen im Jahr 2020 ausgebremst. - 06.01.2021 06:00 Uhr

Am Mischpult sorgt Bastian Übler bei Konzerten und Festivals für den idealen Sounds der Künstler. Seit März steht auch seine Branche still.

05.01.2021 © Foto: Music-Event-Reports


Konzerte, Festivals, Tagungen. Heute hier, morgen dort. In Nicht-Corona-Zeiten sind Bastian Übler und Marco Studtrucker ständig unterwegs. Ihre Mission: Beispielsweise Bands oder DJs bei deren Auftritten unter anderem in Sachen Technik und Ton unterstützen. Die Pandemie legte 2020 die Kulturbranche weitestgehend lahm. Auch Bastian Übler und Marco Studtrucker bekamen das zu spüren.

"Ehrlich gesagt beschissen" sagt Marco Studtrucker auf die Frage, wie das Corona-Jahr 2020 für ihn und seine im Jahr 2007 gegründete Firma M-Pa-s war. Noch bis kurz vorm ersten Lockdown im März sei er mit der Deutsch-Rock-Band Viva in Österreich auf Tour gewesen, gerade so hätten sie es nach Hause geschafft. Und danach? "Stillstand, alles komplett auf Null", sagt Marco Studtrucker.

Kulturelle Veranstaltungen jeglicher Art

Kulturelle Veranstaltungen jeglicher Art stehen in normalen Zeiten auf der Agenda des Ipsheimer Unternehmens. "Wir bieten einen Fullservice, wir kommen in eine leere Halle und bestücken alles, was zum Beispiel eine Band braucht", sagt der 43-Jährige, vom Bühnenbau über Ton und Licht, auch professionelles Equipment ist vorhanden. Rund 800 000 Euro in Form technischer Ausrüstung stünden derzeit herum.

Besonders zu Beginn der Pandemie sei die Situation schwer für ihn gewesen, war er doch sonst ständig "in Action". Mittlerweile habe er sich mit der Lage arrangiert, Studtrucker hofft, dass es ab Juli wieder weitergehen kann, "früher glaub ich nicht". Finanzielle Hilfen hätte es keine gegeben, die Kosten dagegen seien weitergelaufen. Überbrücken sei möglich gewesen, man habe in den vergangenen Jahren "gut gewirtschaftet".

Marco Studtrucker in seinem Element.

05.01.2021 © Foto: Privat


Als zertifizierter Audio Engineer ist Bastian Übler mit seiner Firma Bastis Tonservice mit Standort in Ipsheim sonst deutschlandweit unterwegs. Auch von Verleihern wie M-Pa-s werde er als externer Dienstleister dazugebucht. Rund 50 Termine habe Übler durchschnittlich pro Jahr. "Auch 2020 wäre ein gutes Jahr gewesen", sagt der 33-Jährige. Die Würzburger Punkrock-Band Hazel The Nut, die regionale Coverrock-Band Monkey Business und eine Hochzeitsband zählen zu seinen Stammbands, für die er regelmäßig für den idealen Bühnensound sorgt. Auch mit der Coverband Lost Eden oder auf dem Bibertal-Festival ist er unterwegs.

Kurz vorm ersten Lockdown seien die ersten Termine abgesagt worden, "innerhalb von zwei Wochen waren 30 Veranstaltungen bis zum Sommer weg", andere wurden verschoben. Mittlerweile mache er sich keine Illusionen mehr, dass es so schnell kulturelle Veranstaltungen geben könne. "Man merkt, wie abhängig man eigentlich ist", findet Übler.

Früher selber Gitarrist

Der 33-Jährige hat zu früheren Zeiten selbst als Gitarrist in verschiedenen Bands gespielt, doch auch die Tontechnik interessierte ihn. Ein frisch gegründeter Verleiher fragte ihn damals, ob er nicht auf Konzerten am Pult mitarbeiten wolle, so sammelte Übler sein Wissen und nebenbei auch wertvolle Kontakte.

Wenngleich der 33-Jährige freiberuflich tätig ist, sei die Tontechnik kein Hobby für ihn und trage mit dazu bei seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. "Gewisse Einnahmen, die man sonst standardmäßig hat, brechen halt weg." Neben den finanziellen Aspekten fehlt Bastian Übler vor allem der Austausch mit Kollegen und Musikern, Freundschaften seien über die Jahre entstanden. "Tontechnik ist auch eine gewisse Leidenschaft. Ich mache das seit über 15 Jahren. Und dann von heute auf morgen gar nicht mehr", sagt Bastian Übler, das sei ein merkwürdiges Gefühl.

Trotz schwieriger Lage versucht der 33-Jährige auch das Positive zu sehen: Er hatte wieder mehr Zeit selbst Gitarre zu spielen, hatte freie Wochenenden und mehr Zeit mit seiner Verlobten. Nicht unterkriegen lassen sei die Devise. Übler: "Aber ich freu mich auch wie Sau, wenn ich wieder in meinen Bus einsteig, das ganze Zeug einlad und auf ein Festival rausfahren kann, das macht halt auch einfach unglaublich viel Spaß."

ANNA FRANCK

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