Dienstag, 20.04.2021

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Trotz Corona: Im Fränkischen Freilandmuseum wird fleißig restauriert

Bauunterhalt an den Gebäuden ist für das Freilandmuseum von immenser Bedeutung - 27.02.2021 06:00 Uhr

Das Amtshaus aus Obernbreit ist aufgrund von Schädlingen aktuell eine der großen Baustellen des Freilandmuseums, mit dem sich Museumsbauhofleiter Ernst Baßler (links) und Museumsleiter Dr. Herbert May beschäftigen müssen.

26.02.2021 © Foto: Stefan Blank


"Wo ist der Unterschied, ob jemand über den Windsheimer Marktplatz spaziert oder über unser wunderbares, weitläufiges Gelände des Freilandmuseums?" Dr. Herbert May wartet auf Signal, hofft. Doch so wirklich rechnet der Leiter der Fränkischen Freilandmuseums nicht damit, dass er und sein Team schon bald die Tore für Besucher öffnen dürfen.

Betrieb ist auf dem knapp 45 Hektar großen Areal dennoch reichlich. "Bauunterhalt hat eine extrem hohe Bedeutung für uns", sagt May. Mit der Synagoge aus Allersheim und dem Badhaus aus Wendelstein werden auch zwei Gebäude gerade aufgebaut, unter anderem im Weinbergshof und dem Amtshaus aus Obernbreit werden aktuell aber "kolossale Schäden" behandelt – hervorgerufen vor allem durch Feuchte und Schädlinge.

Ernst Baßler zeigt auf einen Holzbalken unterhalb des Daches der sogenannten Schank- und Zapfenwirtschaft Weinbergshof. "Vor allem der Hausbock hat dem Holz zugesetzt, wir mussten eine Begasung machen lassen und alles austauschen, was wir nicht mehr erhalten konnten – und das war leider sehr viel."


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Wie May erzählt wurde das Haus 1586 in Treuchtlingen erbaut, vor allem im 19. Jahrhundert umgebaut. Über der Tür stehe die Jahreszahl 1898, die einen Besitzerwechsel markiere. Annähernd 400 Jahre nach der Erbauung wurde es im Freilandmuseum wiederaufgebaut und ist jetzt eines der Sorgenkinder des 55-jährigen neuen Leiters des Museumsbauhofes.

Gut ein Jahr wird an dem Haus, dessen Biergarten im Sommer die Gäste anzieht, schon gewerkelt. "Am Anfang denkt man, die Schäden sind überschaubar, schaut man aber genauer hin, zeigen sich kolossale Schädlingsprobleme", erklärt Herbert May. Fast alle Deckenbalken mussten erneuert werden, "Gott sei Dank gibt es kaum Schäden am Rofendach. Das wäre ein Supergau gewesen." So wurde das zirka 50 Tonnen schwere Dach an unterschiedlichen Stellen angehoben, wie Baßler erklärt, zerstörte Balken abgesägt, neue eingebaut und verschraubt.

Weitere Restaurierung

Neben dem Weinbergshof gibt es aktuell eine weitere Restaurierung großen Ausmaßes: das Amtshaus aus Obernbreit. "Da steht das Gerüst schon seit 2019", sagt May. Insgesamt seien an rund einem Dutzend Häusern – insgesamt sind es mehr als 100 – schwerwiegende Schadensbilder zu verzeichnen.

Vor allem betroffen sei "die erste Aufbaugeneration". Zur Eröffnung 1982 standen auf dem Museumsgelände 14 Gebäude, wie May erklärt. Das Obernbreiter Haus, erbaut um 1554, soll sich aber bis Sommer wieder "mit seiner prallen Schönheit präsentieren können".

Das Bauunterhalts-Team um Baßler, seine Handwerker, Restaurator Dieter Gottschalk und Rolf Wägner vom Liegenschaftsreferat des Bezirks hat in den nächsten Jahren "unfassbar viel zu tun", wie May erklärt, und muss sich auch vermehrt mit Dächern beschäftigen. Im Laufe des Jahres soll unter anderem die Scheune aus Oberampfrach, die direkt am Wirtshaus im Eingangsbereich steht, neu gedeckt werden, "demnächst" auch die Nordseite der Ausstellungsscheune aus Betzmannsdorf.


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Eine besondere Herausforderung werden jedoch die Strohdächer, die vor allem in der Baugruppe Mittelalter zu finden sind. "Da ist vor allem der Rohstoff, langhalmiger Roggen, das Problem", erklärt Ernst Baßler. Die Nordseiten der Strohdächer sind zudem extrem moosbewachsen. Ob das gut oder schlecht ist, "da scheiden sich die Geister", sagt May, der aber hofft, die Maßnahmen an den Strohdächern noch "ein bisschen rauszögern zu können". Für kuriose Schadensbilder an einigen Häusern sorgen übrigens auch Spechte.

Wann Herbert May wieder Gäste in den Gebäuden begrüßen darf, dazu habe er noch keinerlei Signal erhalten. Dafür erklärt der Museumsleiter, dass der aktuell stellvertretende Verwaltungsleiter Reinhold Werner zum 1. September Verwaltungsleiter und Nachfolger von Jürgen Müller werde, sowie Dr. Markus Rodenberg künftig als stellvertretender Museumsleiter fungiere. "Wir stehen in den Startlöchern", sagt Herbert May. Am 6. März hätte Saisonbeginn sein sollen. "Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass die Häuser noch zu bleiben und nur das Gelände offen wäre". Hauptsache es kommt wieder mehr Leben ins Freilandmuseum.

STEFAN BLANK

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