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Dienstag, 20.08.2019

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Turnhallen-Neubau sorgt in Bad Windsheim für Streit

Georg Gerhäuser fordert Massiv- statt Holzbauweise - Vorwurf der Interessenkollision - 19.07.2019 08:27 Uhr

Die Turnhalle der Delpschule, hier ein Blick vom Pausenhof aus auf den Zugang, soll neu gebaut werden. Archiv-Foto: Stefan Blank © Foto: sb


Hintergrund waren die Planungen für den Turnhallen-Neubau der Delpschule. Es sollte entschieden werden, ob dieser in Holz- oder Massivbauweise ausgeführt werden soll. Walter Schwarz vom ausführenden Planungsbüro hielt einen Vortrag über die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Bereits der Anlass für die Zusammenkunft warf Fragen auf. Deshalb ein Blick weiter zurück: In der Mai-Sitzung des Bauausschusses war vom Büro Liebberger & Schwarz eine Entwurfsplanung für das Projekt vorgestellt worden. Der Entwurf sah eine Turnhalle zum Großteil in Holzbauweise vor, dabei geht es vor allem um die Seitenwände des Gebäudes.

Es gab damals viel Zuspruch für die Planung. Einziger, auch im Protokoll vermerkter Kritiker in jener Mai-Sitzung war Georg Gerhäuser, der sich "im Interesse des Schallschutzes strikt gegen die geplante Holzkonstruktion" aussprach. Letztlich wurde einstimmig dieser Beschluss gefasst: "Der Bau- und Umweltausschuss billigt die vorgelegte Entwurfsplanung. Sie ist Grundlage für das bauordnungsrechtliche Genehmigungsverfahren."

Die Formulierung nahm Reichenberg am Dienstag noch vor dem Referat von Schwarz zum Anlass zur Nachfrage, ob über die Art der Ausführung – Holz- oder Massivbau – nicht schon im Mai abgestimmt worden sei. Gerhäuser warf ein, dass dies aufgrund seines Einwands noch offen geblieben sei. Stadtbaumeister Ludwig Knoblach ergänzte, es sei nur über das "Raumkonzept", nicht die Bauweise abgestimmt worden.

Nach dem Referat von Schwarz legte Gerhäuser süffisant los: "Ich werde wohl auf Holzbau umsteigen müssen." Er antwortete ausführlich und argumentierte pro Massivbau. Als er abschloss, blieb Raum für Fragen. Die FWGler Alexandra Horst und Werner Spieler pochten auf einen Vergleich der Kosten als Grundlage für eine Entscheidung. Reichenberg erklärte, er könne nicht sagen, was letztlich besser ist, da er kein Experte sei. Aber: "Ich fühle mich beeinflusst", sagte er mit Blick auf Gerhäusers Handzettel. Darin ginge es um einen aktuellen Situationsbericht zu Turnhallen in Holzbauweise, die wegen großer Formaldehyd-Belastungen geschlossen werden mussten, wie Gerhäuser schon zuvor erläutert hatte. Reichenberg bat Bürgermeister Bernhard Kisch, prüfen zu lassen, "wer hier Vorteile hat", wenn es um die Frage Holz- oder Massivbau geht. Reichenberg fügte an: "Ich darf als Krankenhaus-Angestellter auch in keinem Klinik-Ausschuss sitzen."

Kisch: "Dieser Vorwurf ist doch alt." Jeder könne jederzeit selbst in der Gemeindeordnung nachschauen, was erlaubt ist und was nicht. Alle Stadträte hätten einen Eid geleistet. Er könne "keine Vor- oder Nachteile für irgendjemanden erkennen".

Schwarz ging in Verteidigungshaltung über. "Ich bin jetzt nicht als Lobbyist für Holzbauweise da", sagte er. Die Entscheidung für den Baustoff sei vom Team wegen all der genannten Gründe getroffen worden.

"Das alles ist nicht gut hier, gerade – generell", sagte an dieser Stelle Jürgen Heckel (WiR) nicht für alle im Saal hörbar. Deutlicher wurde Dieter Hummel (CSU): "Wir sind jetzt soweit, dass ich sage: Cut!" Er regte einen baubegleitenden Ausschuss an. "Ich fühle mich hier überfordert."

Ehe es zu einer Abstimmung kommen sollte, meldete sich Architekt Karlheinz Liebberger. Er sei seit Mai von einer Holzbauweise ausgegangen und würde von den Stadträten nun gerne "eine Richtung" vorgegeben bekommen, wie gebaut werden soll. Finanziell würden sich Holz- und Massivbau nicht viel geben, aber er könne keine fundierte Summe für einen Massivbau nennen, ohne eine Planung dafür gemacht zu haben. Wenn der Ausschuss das wünscht, so würde sein Büro das tun. Das koste aber Zeit. "Das ist jetzt nicht unverschämt von mir, das so zu sagen."

Bei der Abstimmung stimmten FWG und CSU – mit Ausnahme von Hummel – gegen die Holzbauweise. Hummel, Heckel, Liste Land und SPD stimmten für einen Holzbau. Sechs zu sechs. Und nun? Der geschäftsleitende Beamte Jürgen Boier erläuterte: Das heißt nun nicht, dass "automatisch" ein Massivbau entstehen soll.

Auf Nachfrage erklärte Knoblach gestern zwei Dinge. Erstens: Genau genommen, hätte der Ausschuss im Mai "indirekt die Holzbauweise beschlossen", aber man habe den Einwand von Gerhäuser noch einmal erörtern wollen. Und: Wie es nun weitergeht, müsse man erst mal verwaltungsintern abstimmen, denn die Zeit dränge. Kisch blies ins gleiche Horn und ergänzte, er glaube fest daran, von Liebberger & Schwarz belastbare Zahlen für beide Bauweisen zu bekommen, die der Stadtrat am 25. Juli vergleichen kann. Dann soll eine endgültige Entscheidung fallen. 

Bastian Lauer

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