Zwei Spiele am Wochenende

TV-Volleyballer Bad Windsheim: „Richtig Bock“ auf die Regionalliga-Premiere

Stefan Blank

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6.11.2021, 10:00 Uhr
Die Sechziger sind bereit.

Die Sechziger sind bereit. © Privat, NN

Viermal schlugen die Sechziger bisher im bayerischen Oberhaus auf, viermal an fremden Netzen. Doch ein wesentliches Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Hyänen sind die Feste in der eigenen Halle, wenn der Brigade genannte Fanclub den TVW zu Punkten peitscht, Gegner beeindruckt. Am Samstag ab 18.30 Uhr soll das die Reserve des Zweitligisten TSV Grafing spüren. Nicht nur Coach Robert Auerochs ist heiß: „Wir haben richtig Bock.“ Kurios: Sonntag geht es direkt weiter, ab 15.30 Uhr geht es beim TB/ASV Regenstauf gleich noch einmal um Zähler. „Der Fokus liegt aber klar auf Samstag“, sagt Auerochs. „Sonntag müssen wir schauen, wie voll der Tank noch ist.“

Auf der Tribüne, mitten in der Klatsch-Fraktion, wird ziemlich sicher auch Hans Schmidt sitzen. „Regionalliga in Windsheim“, sagt der 67-Jährige immer noch etwas ungläubig und schmunzelt. „Das hätte ich nie gedacht, Bayernliga war schon ne Wucht, aber das ist jetzt wohl das Optimum.“ Mitte April 1984 war Hans Schmidt eines der Gründungsmitglieder der Abteilung, stieg knapp ein Jahr später mit dem TVW als Trainer erstmals auf, in die Kreisliga. Damals ging ein Satz übrigens noch bis 15, „Wir haben Null-acht-15-Volleyball gespielt“, erzählt Schmidt. „Annahme irgendwie zum Zuspieler und dann haben die Außen versucht anzugreifen – am Samstag ist das viel athletischer.“ Die Idee einer Abteilung sei gekommen, „als wir noch mit der DLRG im Stellergymnasium Volleyball spielten“, erinnert sich Schmidt. Am Samstag sind die Sechziger das sportliche Aushängeschild der Kurstadt.

Ein Schub aus Uffenheim

Schmidt war 24 Jahre Abteilungsleiter, ihm zur Seite stand immer Jürgen Schlosser. „Ein Schub“ kam, als aus Uffenheim sich Spieler den Sechzigern anschlossen, unter anderem Matthias Kienzle, der den Erfolgsweg durch sein Engagement im Jugendbereich entscheidend mitgeprägt hat. „Die beeindruckende Jugendarbeit hat den TVW immer ausgezeichnet“, sagt auch Henning Braunsdorf. Ausgezeichnet habe die Abteilung schon immer „die tolle Gemeinschaft“, der Zusammenhalt, der in der jüngsten Zeit auch dafür sorgte, dass große Talente wie Kapitän Marcel Geißbarth dem TVW stets Treu blieben.


So steht Hans Schmidt, der sich selbst als „begeisterten Mitklatscher“ bezeichnet und Volleyball als seine „absolute Leidenschaft“, am Samstag auf der Tribüne und feuert viele Spieler an, die er schon lange kennt. Unten auf der Platte, hinten im Eck der Halle, an einem Turnkasten, ist seit Jahren Henning Braunsdorf bei Heimspielen zu finden. Ihm ist es eine Herzensangelegenheit, dass „Randsportarten, wie Volleyball leider immer noch eine ist, mehr in den Fokus rücken“. Zum Hallen-Einheizer wurde der 40-Jährige „aus einer Bierlaune heraus“. Braunsdorf, den sein Lehrerkollege Schmidt zum TVW mitgeschleift hatte, sagte: „Wenn ihr in die Bayernliga aufsteigt, mache ich den Hallensprecher.“


Die Sechziger feierten kurz darauf, Braunsdorf hatte einen neuen Job. Die Stimmungs-Kombination aus Fans und Musik sei „bayernweit bekannt“, sagt Braunsdorf und soll am Samstag dem jungen Team aus Grafing auch ein bisschen Angst einjagen. Wenn die Jungs mit Seak & Destroy von Metallica einlaufen und oben die Tribüne voll ist, mache das schon was mit einem jungen Spieler. Danach will Braunsdorf bei der Heimpremiere auch „ein bisschen improvisieren“. Es komme auch darauf an, was von den Corona-Bestimmungen her erlaubt sei. Der Hallensprecher, der vor mehr als 20 Jahren als selbst ernannter „SG-Quelle-Fürth-Ultra“ an Rasenplätzen stand, verrät aber: „Ich habe ein bisschen was Verrücktes im Kopf.“


Wie die Corona-Regelungen Samstagabend sind, war Freitagnachmittag noch nicht endgültig sicher. Geplant wird mit 3G, Maskenpflicht am Platz und Alkoholverbot in der Halle. Von den Verantwortlichen heißt es, man könne die Maßnahmen des Landratsamt nachvollziehen und trage diese voll mit, auch wenn sie sich bei abschwächender Pandemie-Lage eine Lösung mit 3G plus und dafür Verkauf auch von Bier und Essen wünschen würden, wie sie in Nachbarlandkreisen gehandhabt würde.


Dünner Kader am Sonntag

Doch zurück ans Netz: Für die Bad Windsheimer gilt es, nach der Euphorie über den Auftaktsieg in Schwabing und der Landung auf dem harten Regionalliga-Boden beim 0:3 in Türkheim, am Wochenende zu punkten. „Wenn man sich die Tabelle anschaut ist es alles bissle wild grad“, sagt Coach Auerochs. „Jeder kann gefühlt gegen jeden punkten.“ Die Pleite in Türkheim nennt der „nicht so gravierend schlimm“. Knackpunkt sei Satz Nummer zwei gewesen. „Der ist im Kopf geblieben, da haben wir gemerkt, dass wir mithalten können. Niveautechnisch hat es an dem Tag aber nicht gereicht.“


Nach einem spielfreien Wochenende steht nun eine Doppelschicht an. Grafing hält der Trainer durchaus für schlagbar. Auerochs erwartet eine junge Mannschaft. „Ein Dreier wäre super, zwei auch okay.“ Wichtig sei es, selbstbewusst aufzutreten. Während beim Heimauftritt elf Spieler im Kader stehen, reist der TVW nur zu acht nach Regenstauf. „Dort gab es schon immer umkämpfte Spiele, wir können die grad schlecht einschätzen“, sagt Robert Auerochs. Die Devise ist klar: Samstag mit viel Lärm, auch von Hans Schmidt und Henning Braunsdorf, zu einem Sieg und dann geht es Sonntag um Bonuspunkte.


TV Bad Windsheim: Wolff, Marr, Acosta, Küffner, Geißbarth, Dachlauer, Baltrusch, Markus, Meyerhöfer, Hampel, Hofmann.

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