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Urteil zum Brand in Oberntief: Tatverdächtiger gesteht nicht und muss ins Gefängnis

Für zwei Jahre und sechs Monate muss der 33-Jährige hinter Gitter - 30.04.2021 06:00 Uhr

In diesem Anwesen brachen am Morgen des 27. Juni 2020 zwei Feuer aus.

29.04.2021 © Foto: Bastian Lauer


Bogdan P. bleibt im Gefängnis. Ein Schöffengericht am Amtsgericht in Fürth sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 27. Juni 2020 ein Wohnhaus und eine angrenzende Scheune in Oberntief in Brand gesteckt und damit Menschenleben gefährdet hat. Er wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Bei der Verhandlungsfortsetzung am Donnerstag, 29. April, war zum Abschluss ein 24-Jähriger als Zeuge geladen. Er war "Vorarbeiter" einer Schichtgruppe bei einer Firma, zu der zum Tatzeitpunkt neben dem Angeklagten auch dessen sieben Mitbewohner – alles rumänische Staatsbürger – in der Arbeiterunterkunft in Oberntief gehört hatten. Der Zeuge bestätigte einige Erkenntnisse vom ersten Verhandlungstag: Streit habe es innerhalb der Gruppe nicht gegeben und keiner der Bewohner habe Bogdan P. (Name geändert) je der Tat bezichtigt.

Allerdings erklärte er auch noch einmal, dass der 33-jährige Angeklagte nach zwei Arbeitsunfällen offensichtlich frustriert von der Beschäftigung war und deshalb "gehen" wollte – wohin auch immer. Außerdem habe er über Anrufe und Nachrichten vom Angeklagten in der Tatnacht erfahren, dass dieser von einem Mitbewohner alleine in einer Spielothek in Bad Windsheim zurückgelassen worden war und auch darüber verärgert gewesen sei.


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Diese beiden Faktoren ließen die Staatsanwältin zu dem Schluss kommen, dass Bogdan P. sich in jener Nacht "in einer psychischen Ausnahmesituation" befunden habe. Nachdem er zu Fuß nach Oberntief gelaufen war, habe er deshalb jenen Mitbewohner, der ihn sitzen gelassen hatte, in dessen Zimmer mit Messern bedroht – und "in einem nächsten Schritt" die Brände gelegt, "um seiner Wut Ausdruck zu verleihen".

Auch wenn die Staatsanwältin zugab, dass keine stichhaltigen Beweise vorlägen, habe man "in der Summe sehr viele einzelne Indizien", die für die Täterschaft des Angeklagten sprechen. Hinweise auf andere Tatverdächtige – beispielsweise die Mitbewohner – hätten sich zu keinem Zeitpunkt ergeben. Außerdem spräche das "Nachtatverhalten" – Bogdan P. hatte sich morgens während des Feuerwehr- und Polizeieinsatzes nach Ergersheim abgesetzt – für eine Täterschaft. Eine Tötungsabsicht unterstellte die Staatsanwältin ihm nicht. Sie forderte drei Jahre Haft.

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In Oberntief bei Bad Windsheim stand am Samstagmorgen eine Lagerhalle in Flammen. Der Brand breitete sich auch auf das angrenzende Wohnhaus aus. Das in dem landwirtschaftlichen Anwesen Heu und Stroh gelagert war, entwickelte sich schnell ein großes Feuer. Eine Person musste wegen einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Die Kriminalpolizei ermittelt.


Der Verteidiger gab zu: "Die Puzzlestücke fügen sich zusammen", der Angeklagte sei "aus dem Kreis der Verdächtigen nicht auszuschließen". Allerdings hegte er Zweifel an der Messer-Geschichte, die vor allem belegen soll, dass Bogdan P. in der Tatnacht tatsächlich zuhause – und nicht irgendwo anders – war, die jener Mitbewohner aber erst bei seiner zweiten Vernehmung bei der Polizei erzählt hatte. Außerdem vermisste er die Nachermittlung zu einer Zeugenaussage, wonach die vier Bewohner der Unterkunft, die durch den Brand gefährdet wurden, am Vorabend in der Gastwirtschaft in Oberntief gestritten haben sollen. Und für das Motiv hätten die Ermittler "eine Konstruktion bemühen" müssen.


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Am deutlichsten hob der Verteidiger – der einen Freispruch forderte – jedoch hervor, dass dem Angeklagten vor zwei Wochen in einem Gespräch direkt vor Verhandlungsbeginn von Richter und Staatsanwältin klar gemacht worden war, dass er bei einem Geständnis eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung erhalten und an jenem Tag den Gerichtssaal als freier Mann verlassen hätte. Bogdan P. – seit neun Monaten in Untersuchungshaft – lehnte dies ab, da er keinerlei Erinnerung an die Tatnacht hätte und nichts zugeben wollte, was er nicht getan habe. Am Donnerstag wiederholte er: "Ich bin unschuldig."


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Das Gericht hatte jedoch "unterm Strich keinen Zweifel" an der Täterschaft von Bogdan P., sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Aufgrund des Alkoholkonsums in der Tatnacht und bestehender psychischer Auffälligkeiten räumte man ihm eine vermindernde Schuldfähigkeit ein, sodass man am Ende bei zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis landete. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

BASTIAN LAUER

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