14°

Samstag, 11.07.2020

|

Verbinden und Beatmen auch in Corona-Zeiten

Erste-Hilfe-Kurse starten unter Auflagen im Juni wieder. - 29.05.2020 13:00 Uhr

Erste-Hilfe-Kurse sollen wieder anlaufen, dafür sorgen (von links) Ralph Engelbrecht, Gerd Lunkmoss und Erich Matthis. © Foto: Claudia Lehner


"Es wird aufwendiger", erklärt Erich Matthis, Geschäftsführer des ASB-Regionalverbandes Bad Windsheim. Bei Lehrsälen von rund 50 Quadratmetern Größe dürfen nur mehr zehn Personen teilnehmen, zuvor waren es etwa 20. Der Abstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden. Mundschutz muss prinzipiell getragen werden, nicht aber am Platz. Dort steht es den Teilnehmern frei, ihn abzunehmen.

Wie Matthis erklärt, werden die Teilnehmer am Eingang empfangen – mit Maske. Sie müssen eine Selbsterklärung abgeben, dass sie gesund sind und in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt zu Erkrankten hatten. Danach wird ihnen ein Tisch zugewiesen, wie auch in der Gastronomie. Dort liegt das individuelle Material bereit. Das Lüften der Räume bekommt eine größere Bedeutung, ebenso die Pausen. "Alle raus", das ist verpflichtend erklärt Matthis.

Den Unterricht generell draußen stattfinden zu lassen, wegen des geringeren Ansteckungsrisikos, ist laut Ralph Engelbrecht, Kreisgeschäftsführer des BRK, allerdings keine Alternative. Gerade da mehr auf mediale Unterstützung und Frontalunterricht gesetzt werden muss, braucht es die entsprechende technische Ausstattung. Außerdem will er die Ablenkung draußen vermeiden.

Trotz der geänderten Bedingungen soll das Niveau der Ausbildung gleich bleiben. Ein Stationenlauf für die praktischen Übungen wie bisher sei allerdings nicht möglich, erklärt Gerd Lunkmoss, Ausbilder beim BRK. Früher hatten sich die Teilnehmer selbst korrigiert, jetzt muss auf Abstand geachtet werden. Das bedeutet mehr Visualisierung beispielsweise durch Videos. Das Anlegen von Verbänden wird nicht mehr an einem anderen Teilnehmer geübt, sondern beispielsweise am eigenen Oberschenkel oder einem Rohr, wie Lunkmoss erklärt. Das hat er sich als passende Variante überlegt. Beatmen kann – freiwillig – weiter an einem Phantom, einer Puppe, geübt werden, mit individuellem Mundstück und regelmäßiger Desinfektion.

Damit wird der Ernstfall trainiert. Dann geht es nicht um ein Rohr, das verbunden werden muss und es ist keine Kunststoffpuppe, die beatmet wird. Nur einfach die 112 anzurufen, reiche auf jeden Fall auch in Corona-Zeiten nicht, sagt Matthis. Mund-Nase-Beatmen sei der "worst case", betont er. Viel wahrscheinlicher seien Schnittwunden. Er empfiehlt, Handschuhe und Maske zu tragen. Da der Abstand nicht eingehalten werden kann, wird auch bei der Herz-Druck-Massage eine Maske aufgesetzt. Wenn Beatmen nötig ist, so sei es wie zuvor: Der Helfer kann nicht dazu gezwungen werde. Es sei eine individuelle Entscheidung. Doch gibt Matthis zu bedenken, dass die Opfer meist keine Unbekannten sind, sondern oft Familie und Freunde. Außerdem werde die Luft in den Patienten geblasen, nicht anders herum. Es gebe Beatmungshilfsmittel, aber deren Anwendung werde erst in Aufbaukursen erklärt.

Hygiene wird in den neuen Kursen eine noch größere Rolle spielen, darin sind sich die Experten aus den Rettungsdiensten einig. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen sei weiterhin entscheidend, erklärt Matthis. Die Kurse werden aufgrund der Auflagen teurer. Für einen Grundlehrgang von neun Unterrichtseinheiten, wie für den Führerschein nötig, sind nun 85 Euro zu zahlen. Zuvor waren es etwa 50 Euro. Gewinn wolle man nicht machen, erklären Matthis und Engelbrecht. Es gehe nur darum, die Kosten zu decken.

CLAUDIA LEHNER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim