Vereinen bleibt nur die Absage

"Verbot durch die Hintertür": Fasching fällt erneut aus

5.1.2022, 06:00 Uhr
Faschingsveranstaltungen lassen sich in diesem Jahr kaum umsetzen.

Faschingsveranstaltungen lassen sich in diesem Jahr kaum umsetzen. © Daniel Peter/dpa

Die Windshemia hat ihre 1. Prunksitzung (15. Januar) abgesagt. Der Vorstand der Faschingsgesellschaft Illesheim (FGI) will heute Abend die Absage der Veranstaltungen beschließen. Der TSV Ipsheim tat das am Montagabend. Und beim TSV Obernzenn hat man mit der Planung der Prunksitzung erst gar nicht begonnen.


Ausschlaggebend, die erste von drei Prunksitzungen abzusagen, sei letztlich die aktuelle Rechtslage gewesen, erklärt Windshemia-Präsident Johannes Gerhäuser. Laut Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dürften die Vereine nur 25 Prozent der zu ihren Veranstaltungen üblichen Personenzahl in die Hallen lassen – inklusive der Aktiven. Ins Kur- und Kongress-Center in Bad Windsheim brächte man damit gerade so die Akteure auf und hinter der Bühne aber praktisch keine Zuschauer, meint Gerhäuser. Noch schlimmer wären die Folgen bei der FGI, wie Vorsitzender Sigmar Bär sagt: 60 Leute dürften etwa in die Gemeindehalle in Westheim, doch man habe schon 120 Aktive. „Das hat sich damit erledigt.“


Die Reaktionen der Vereine sind, auch wenn man auf Kreisebene untereinander in Kontakt steht und sich abstimmt, etwas unterschiedlich. „Für uns wird es dieses Jahr keinen Fasching geben, wir haben alle Veranstaltungen abgesagt“, sagt Stephan Kreuzer, Elferratspräsident des TSV Ipsheim, bei dem der gesamte Sportbetrieb schon vor einigen Wochen eingestellt worden war. Jeder hoffe zwar, dass doch etwas geht, „doch eigentlich ist jedem klar, dass es nicht machbar ist“.


Traurig blickt der Windshemia Faschingsorden drein.

Traurig blickt der Windshemia Faschingsorden drein. © Foto/Fotomontage: Bastian Lauer/Michael Heindel, NN

Rund 100 Leute dürfte man in die Ipsheimer Festhalle lassen, rund 100 Aktive hat laut Kreuzer die Gardeabteilung. Zeit und Geld, die man in die Organisation stecken würde, würden sich nicht rechnen. Die Eintrittspreise müssten wohl steigen, dann bleibe die Frage, ob überhaupt jemand kommt. Verboten seien die Veranstaltungen freilich nicht, doch die Regeln seien so gemacht, „dass es eigentlich nicht geht. Für Kreuzer eine Art „Verbot durch die Hintertür“.


„Weil’s so schwierig ist, alle viel zu unsicher ist, haben wir beschlossen keine Prunksitzung abzuhalten“, sagt Anne Geißendörfer, Gardetanz-Abteilungsleiterin beim TSV Obernzenn. Viel Aufwand sei es, so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Auch wolle man für einen Ernstfall einfach nicht verantwortlich sein, „keinen Hotspot erschaffen“.

Tanzen bei der 100-Jahr-Feier

Einige Ideen stünden aber im Raum, die sich spontan organisieren lassen würden. „Die kann man dann auch drei Wochen vorher planen“, sagt Geißendörfer. Außerdem hofft die Abteilung, bei der 100-Jahr-Feier des TSV Obernzenn im Sommer möglicherweise auftreten zu können. „Wir würden schon mal wieder gerne auf einer Bühne stehen“, sagt Anne Geißendörfer.


Auch Richtung Sommer blickt man bei der FGI. Der Verein ist alljährlich beim Altstadtfest in Bad windsheim dabei. Eine Idee wäre für Sigmar Bär, dass die Gruppen dort ihre Tänze aufführen könnten – allerdings ohne Kostüme, denn die seien außerhalb der Faschingszeit verboten. Ganz vorsichtig schiele Bär zudem noch auf den 26. Februar, an dem die Faschingsparty stattfinden könnte Das sei „im Moment die Hoffnung“, sagt er Bär persönlich bezweifle aber stark, dass es Lockerungen bis dahin gibt.

Es bleibt offen

Die Hoffnung nicht aufgegeben habe das Windshemia-Präsidium, betont Gerhäuser. Man halte sich offen, wie man mit den weiteren Terminen bis zur Rosenmontagssitzung (28. Februar) verfährt. Man wolle zunächst das Update der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Mitte Januar abwarten und dann weitersehen. „Man muss ja nicht gleich den ganzen Fasching absagen“, sagt Gerhäuser. Er hoffe, wenigstens eine oder zwei Veranstaltungen im Februar durchziehen zu können. „Die Termine sind auf jeden Fall geblockt.“


Schockstarre ist vielleicht zu viel gesagt, doch Bär spricht den Karnevalisten sicher aus der Seele: „Die Stimmung ist momentan sehr gedrückt.“ „Es blutet das Herz“, sagt Stephan Kreuzer, „aber es ist, wie es ist“.

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