Versuch: So funktioniert der Corona-Selbsttest

17.3.2021, 05:59 Uhr
Der Mix aus Speichel und Extraktionsreagenz kommt auf den Teststreifen.

Der Mix aus Speichel und Extraktionsreagenz kommt auf den Teststreifen. © Foto: Stefan Blank

In ein Röhrchen spucken oder mit einem Stäbchen in der Nase bohren, das derart hervorgeholte mit einer Flüssigkeit mischen und auf einen Teststreifen träufeln. Kurz warten, fertig ist der Corona-Selbsttest, der nach wenigen Minuten ein Ergebnis offenbart. Klingt einfach, ist es im Grunde auch. Als durchaus wertvoll stuft Apotheker Dr. Philipp Hohnstein diese Testmöglichkeit ein, warnt aber gleichzeitig vor falscher Sicherheit.

Um eine akute Infektion mit dem Coronavirus nachzuweisen, sind derzeit drei Methoden zugelassen. Sie unterscheiden sich in der Anwendung und auch in der Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Der PCR-Test gilt als Goldstandard, ist auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums zu lesen, medizinisches Personal entnimmt die Probe, die im Labor ausgewertet wird.

Antigen-Schnelltests führt geschultes Personal durch, die Auswertung erfolgt vor Ort. Selbsttests werden dagegen, wie der Name verrät, von Privatpersonen durch einen Nasenabstrich oder mit Speichel zuhause angewendet. Sie sind zum Beispiel in Apotheken erhältlich. Die Nachfrage ist laut Hohnsteins Erfahrungen zwar da, dennoch gebe es keinen Run wie bei den FFP2-Masken.


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Im Allgemeinen weisen Antigentests Eiweißstrukturen des Coronavirus nach, es greife das sogenannte Schlüssel-Schloss-Prinzip, erklärt Apotheker Hohnstein. Der Test reagiert auf Eiweißbestandteile des Virus und zeigt diese nach etwa 15 Minuten mit einer Verfärbung an. Doch wie funktioniert es genau?

So funktioniert der Selbsttest

Hohnstein hält eine weiße Papiertüte in der Hand, darin befindet sich ein Spuck-Selbsttest, bestehend aus Pipette, Sammelröhrchen, trichterförmigem Speichelsammler und separat versiegelter Testkassette. Das Paket kostet beispielsweise in der Einhorn-Apotheke 7,95 Euro. Ein Blick in die Anleitung lohnt, um Fehler und damit ein möglicherweise falsches Ergebnis zu vermeiden.

Den Trichter fix auf das Röhrchen gesteckt, dann heißt es auch schon: Spucken. "Aber nicht zu viel, nur bis zur Markierung", erklärt Hohnstein, sonst muss man mit der Pipette wieder etwas absaugen. Schäumender Speichel fließt in das Röhrchen, der Mund wird trocken. War das schon zu viel?

Durchsichtige Flüssigkeit dazu

Die Markierung ist jetzt nur noch schlecht erkennbar, ein bisschen absaugen - "das ist okay", befindet Hohnstein. Eine durchsichtige Flüssigkeit, das sogenannte Extraktionsreagenz, ins Röhrchen dazuträufeln, den Trichter entfernen, das Röhrchen mit einem seitlich abstehenden Stöpsel verschließen und gut durchmischen. "Kneten und rollen", sagt Hohnstein.

Die Testkassette aus dem Beutel befreit, muss der Tester das Röhrchen drehen und ebenfalls wie bei einer Pipette drei Tropfen langsam in die Vertiefung träufeln, die mit dem Buchstaben S gekennzeichnet ist. Nach 15 Minuten offenbart der Test ein Ergebnis. Bezüglich der Entsorgung des benutzten Tests empfiehlt Hohnstein den Umgang wie mit allen Hygieneartikeln: in einer Tüte in der Restmülltonne.

Ungültig, positiv oder negativ?

Der Buchstabe C steht auf der Kassette für Kontrollbereich, T für Testbereich. Das Ergebnis fällt positiv aus, wenn in beiden Bereichen Linien entstehen - unabhängig von deren Intensität. Negativ ist es, sofern nur eine Linie im C-Bereich entsteht. Erscheint gar keine Linie oder nur eine im T-Bereich ist der Test ungültig. Anders als beim positiven Ergebnis eines Schnelltests besteht beim Selbsttest keine Meldepflicht, ein PCR-Test sollte laut Gesundheitsministerium dennoch folgen.

 

Apotheker warnt vor falscher Sicherheit

"Auch der Selbsttest ist eine Momentaufnahme", erklärt Hohnstein und warnt vor falscher Sicherheit. Ein positives Ergebnis stellt laut Robert-Koch-Institut (RKI) einen Verdacht auf eine Infektion, nicht aber eine Diagnose dar. Genauso gilt andersrum: Ein negatives Testergebnis schließt eine Infektion nicht aus. Auch bei korrekter Durchführung ist es laut RKI lediglich weniger wahrscheinlich, zum Zeitpunkt der Testung für andere ansteckend zu sein.


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Schon wenige Stunden nach einem negativen Test könne dieser, sagt Hohnstein, nicht mehr aussagekräftig sein. Wer bereits infiziert ist, hat zunächst eine geringe Virenlast - diese steige mit der Zeit an und würde bei einem späteren Test möglicherweise schon erkannt werden, auch die Inkubationszeit oder eine zu geringe in der Probe befindliche Menge Antigene können eine Rolle spielen. Der Selbsttest ist also kein Freifahrtschein für wilde Party-Nächte, aber zumindest ein Sicherheitsplus vor dem Besuch bei den Großeltern.