Denkmäler, Geschichten, Erlebnisse

Vom Atelier bis zur Tabaktrockenscheune: Der Tag der offenen Denkmals am Sonntag

8.9.2021, 06:00 Uhr
Viel Charme steckt in dem von Alexandra und Winfried Ulm (von rechts) zum Ferienhaus umgebauten denkmalgeschützten Gebäude, das die Organisatorin des Tags des offenen Denkmals in Bad Windsheim, Sabine Detsch, lobt.

Viel Charme steckt in dem von Alexandra und Winfried Ulm (von rechts) zum Ferienhaus umgebauten denkmalgeschützten Gebäude, das die Organisatorin des Tags des offenen Denkmals in Bad Windsheim, Sabine Detsch, lobt. © Stefan Blank, NN

Fränkischer Fachwerkgiebel, Belichtungsfenster nach Art der fränkischen Lüftungsgauben, historische Türen, Kachelofen, Wände aus den 1680er-Jahren – gepaart mit modernen Möbeln, Internetanschlüssen und schmucken Santärausstattungen: „Es ist ein wahnsinniges Schmuckstück“, schwärmt Sabine Detsch über das künftig als Ferienwohnung genutzte Baudenkmal in der Ickelheimer Weedgasse, das Teil des Programms zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, in Bad Windsheim ist. Daneben sind vielleicht einmalige Blicke unter anderem in die Restauratorenwerkstatt und eine Tabaktrockenscheune des Freilandmuseums, eine eingelagerte Scheune, die dort aufgebaut werden soll, ein ehemaliges Schlachthaus, eine neu entdeckte historische Kelleranlage und das zum Atelier umgebaute Kino möglich.

„Unser Programm ist wohl besser als das von Nürnberg, da brauchen wir uns nicht verstecken“, sagt Detsch, Vorsitzende im Förderverein Klosterchor und historische Stadtbibliothek, mit einem Lächeln. „Wir haben großes Glück, denn unsere Heimat ist mit einem solchen kulturellen Erbe gesegnet, viele wissen nicht, welch unfassbare Schätze wir haben, auch viele noch unentdeckte.“ Es gehe darum, den „Blick auf die historischen Schmuckstücke zu lenken, die Wahrnehmung zu schärfen.“

Sein und Schein ... in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege ist das Motto heuer, mit Illusionen, Täuschungen und der Originalität. Nicht täuschen lassen haben sich vor elf Jahren Alexandra und Winfried Ulm, als sie das „Haus mit dem schönen Giebel zur Straße hin, das ansonsten aber abgewirtschaftet war“, kauften.

Ein spannendes Objekt ist die Tabaktrockenscheune aus Unterreichenbach im Freilandmuseum, deren Funktionsweise Sonntag erklärt wird, im Inneren sind historische Türen gelagert.

Ein spannendes Objekt ist die Tabaktrockenscheune aus Unterreichenbach im Freilandmuseum, deren Funktionsweise Sonntag erklärt wird, im Inneren sind historische Türen gelagert. © Stefan Blank, NN

Damals habe das schöne Gartengrundstück eine Rolle gespielt, verrät der Architekt augenzwinkernd. „Das Gebäude bot einen hässlichen Anblick“, von der Originalsubstanz sei nicht mehr viel sichtbar gewesen. „Es ist beachtlich, was man aus einem Haus, das für viele völlig uninteressant scheint, machen kann, wenn man so viel Herzblut reinsteckt“, sagt Detsch.

Was in fünf Jahren daraus entstanden ist, sind 200 Quadratmeter Wohnfläche für bis zu 14 Personen, „ein Musterbeispiel für Leben im Denkmal, das nun sogar von jedem gebucht werden kann“, sagt Sabine Detsch. Historische Elemente kombiniert mit moderner Einrichtung, ein absolut außergewöhnliches Ferienhaus. „Außen haben wir uns an einem Foto aus der Jahrhundertwende orientiert“, erzählt Winfried Ulm. Für Details habe sich der erfahrene Denkmalexperte auch im Freilandmuseum umgesehen. „Es war klar, dass das Objekt viel Potenzial hat“, sagt Ulm, „jedes Haus hat seinen speziellen Charakter.“ Reichlich historische Bausubstanz aus der Region wurde wiederverwendet.

„Wir sind besonders stolz, dass heuer die Ortsteile dabei sind, nicht nur der historische Stadtkern“, sagt Sabine Detsch über das Programm für Sonntag, das von einem Auftakt- sowie Abschlusskonzert eingerahmt wird. Neben Ickelheim ist Külsheim mit dabei. „Es geht um Dinge, die sonst nicht zugänglich sind“, sagt sie und: „Jeder Windsheimer kann unfassbar viel erleben und lernen.“

Im Bad Windsheimer Hainserwall steht eine hölzerne Fachwerkschupfe aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die aktuell als Büro genutzt wird, die Kegelbahn (rechts) von 1863 ist ebenfalls gut zu erkennen.

Im Bad Windsheimer Hainserwall steht eine hölzerne Fachwerkschupfe aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die aktuell als Büro genutzt wird, die Kegelbahn (rechts) von 1863 ist ebenfalls gut zu erkennen. © Stefan Blank, NN

So haben Stadtführer passend zum Motto Rundgänge mit „speziellen Erlebnissen“ herausgearbeitet und mit dem Freilandmuseum um Leiter Dr. Herbert May ist ein wichtiger Partner mit im Boot. Das Netzwerk an Denkmalpflegern sei außergewöhnlich, sagt Detsch, auch dank Dr. Konrad Bedal, dem ehemaligen Chef des Freilandmuseums, der für eine Buchreihe zu zahlreichen historischen Häusern in der ehemaligen Freien Reichsstadt verantwortlich zeichnet. „Das ist fachlich höchstkompetent und mit vielen Daten und Fakten.“

Spannend findet Detsch auch die unterschiedlichen Nutzungen der zu bestaunenden Objekte, vom Atelier, Büro, Reichsstadtmuseum, Wohn- oder Ferienhaus bis zum Café – und was es alles darin zu erleben gebe. Übrigens, erstmals ist auch das FabLab in der Schneiderschuene mit 3D-Drucken von Rosetten dabei, die in der Denkmalpflege als Stuckdecken-Ersatz verwendet werden. Ganz nach dem Motto „Schein und Sein“ eben.

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