Dienstag, 13.04.2021

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Vor 55 Jahren: Panzer zerstört Güterzug bei Burgbernheim

Ein havariertes US-Militärfahrzeug sorgte für einen Millionenschaden - 28.01.2021 06:00 Uhr

Der Panzer, begraben von Kohle und den Wagen des Güterzuges.

27.01.2021 © Foto: Alt-Bernemer Bilderbüchla/Hermann Emmert


Ohrenbetäubender Lärm, kreischendes Eisen. Verbogene Schienen, ineinander verkeilte Eisenbahnwaggons, ein Panzer, fast unter Kohlenhaufen begraben. Danach: unheimliche Stille. Eine apokalyptische Szene. Und doch auch unglaubliches Glück.

Hätte an diesem Januarmorgen des Jahres 1966 unweit des sogenannten Oberen Bahnhofes in Burgbernheim statt eines Güterzuges ein Personenzug die Strecke nach Ansbach befahren, wären die Folgen ungleich dramatischer gewesen. So beschränkte sich das Zugunglück, das ein amerikanischer Panzer während des Wintermanövers Silberkralle (Silver Talon) verursacht hatte, "nur" auf Verletzte (verschiedene Quellen nennen zwei schwer- oder drei leichtverletzte Soldaten und den Lokführer) sowie einen immensen Sachschaden.

Das Nato-Manöver dauerte bereits einige Tage, im Übungsraum im Dreieck Würzburg, Hohenlohe-Franken und der hiesigen Gegend war es bereits zu Unfällen mit Todesopfern gekommen. An diesem 11. Januar, einem winterlichen Dienstagmorgen mit Schneefall, bewegte sich eine amerikanische Panzerkolonne aus dem Raum Nordenberg/Wildbad kommend die vereiste Steige hinab Richtung Burgbernheim.

Oben von der Straße rutschte der Panzer nach unten aufs Gleisbett.

27.01.2021 © Repro: Hans-Bernd Glanz


Nahezu an der gleichen Stelle, an der im August 1926 ein vollbesetztes Auto auf die Gleise stürzte, wobei sieben junge Menschen ums Leben kamen, schlitterte in einer scharfen Linkskurve der Kampfwagen über die Fahrbahn, durchbrach den hölzernen Fahrbahn-Begrenzungszaun wie ein Streichholz und rutschte auf dem rund 25 Meter steilen Gelände-Einschnitt hinunter auf den Bahnkörper. Durch die Wucht des Aufpralls verschoben sich die Schienen der Fahrtrichtung Ansbach, das Unglück nahm seinen Lauf.

Laut damaligen Zeugenaussagen wollten wohl eine Frau, die das Geschehen beobachtetet hatte, und ein leichtverletzter Soldat den Lokführer eines aus Richtung Steinach herannahenden Zuges noch warnen. Trotz der eingeleiteten Schnellbremsung erfasste die Lok das Hindernis, sprang aus den Schienen und kam wenige Meter hinter der sogenannten Schießhausbrücke aufrecht im Gleisbett zu stehen. Ein glücklicher Umstand für den Lokführer, der leichtverletzt seine E-Lok verlassen konnte.

Weniger glimpflich ging es für 22 des aus 40 Waggons bestehenden Güterzuges aus. Ein Teil der Wagen wurde beim Auftreffen auf den Panzer aus dem Gleis gehoben, andere entgleisten wegen der verschobenen Schienen, liefen teils aufeinander auf und schoben sich wie eine Ziehharmonika ineinander. Riesige Mengen der Ladungen aus den zerstörten Waggons türmten sich auf und begruben den Panzer nahezu vollständig. Lediglich die Heckpartie und das Kanonenrohr lugten noch aus der schwarzen Masse hervor.

Nur noch Schrott

Verkeilte Güterwagen, nur noch Schrott, auf hunderte Meter ein zerstörter Bahnkörper – ein Bild totaler Verwüstung. Die WZ vom 12. Januar 1966 schrieb von rund drei Millionen D-Mark Schaden für die Deutsche Bundesbahn und rund einer Million D-Mark für die US-Armee, noch ohne die Bergungskosten der zerstörten Güterwagen und großräumige Umleitungen vieler Züge während der tagelangen Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten an der Strecke.


Zugunglück: 1928 kam es zur Tragödie in Siegelsdorf


Nachdem die Landpolizeistationen Bad Windsheim und Uffenheim sowie Bahn- und amerikanische Militärpolizei ihre Ermittlungen aufgenommen hatten, wurde mit der Bergung der verunglückten Wagen und des Panzers begonnen. Riesige Flutlichtstrahler erhellten die Unglücksstelle. Mitarbeiter der Deutschen Bundesbahn hatten unter dem künstlichen Licht noch in den folgenden Nachtstunden die Lok der Baureihe E50 mittels eines angeforderten Spezialkranes zurück ins Gleis gehoben und abtransportiert.

Viele Wagen rutschten nach dem Zusammenprall von den Gleisen.

27.01.2021 © Foto: Alt-Bernemer Bilderbüchla/Hermann Emmert


Wegen des tiefen Geländeeinschnittes gestalteten sich die Aufräumarbeiten der Wagen ungleich schwieriger, bis zum Mittwochmittag wurde erst ein Güterwagen von zeitweise vier amerikanischen Bergepanzern mit Seilwinden die steile Böschung hochgezogen. Dass der US-Panzer einer Einheit aus dem hessischen Friedberg im Manöver scharfe Munition an Bord hatte, erschwerte die aufwendigen Arbeiten wegen der Explosionsgefahr zusätzlich. US-Soldaten mussten sich erst mühselig einen Weg durch den Kohlehaufen bahnen und dann per Hand die Granaten aus dem Gefechtsfahrzeug bergen. Der stark zerstörte Panzer wurde nach Steinach gebracht und Wochen später per Bahntransport nach Friedberg gefahren.

Erst Tage nach dem Unglück, nach Räumung der Unfallstelle, begannen Bautrupps der Deutschen Bundesbahn, ein neues Schotterbett zu schaffen, Gleise zu verlegen, die gerissene Oberleitung instand zu setzen und letztlich die Bahnstrecke für den Zugverkehr wieder herzurichten. Viele der Waggons wurden vor Ort zerlegt. Monate später noch, bis Mitte Mai 1966, waren Wrackteile des Zuges auf einer Wiese oberhalb der Bahngleise gelagert, ehe auch die letzten Reste des Unglückes in der Schrottpresse landeten.

HANS-BERND GLANZ

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