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Sonntag, 21.07.2019

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Wenn es Nacht wird über Ickelheim

Vertreter von US-Armee, Bundeswehr und Staatskanzlei sprechen mit dem Stadtrat über den Flugbetrieb. - 27.06.2019 10:36 Uhr

Für die einen zur Sicherung des Friedens unabdingbar, für die anderen ein stetes Ärgernis: Übungsflüge von Apache-Kampfhubschraubern in der Nähe von bewohntem Gebiet. © Archiv-Foto: Hans-Bernd Glanz


Stellen sich im Ickelheimer Schützenhaus den Fragen des Stadtrats (von links): Oberst Kenneth C. Cole und die Flugausbilder John Bilton und Eugene Santos. © Foto: Günter Blank


Wirklich neue Erkenntnisse oder gar Beschlüsse waren nicht zu erwarten und hat es auch nicht gegeben an dem Abend im Schützenhaus. 15 der 24 Ratsmitglieder und zirka 70 Besucher waren gekommen, um sich anzuhören, was die Gäste zu all den Fragen zu sagen hatten, die im Vorfeld vor allem von der Dorfgemeinschaft Ickelheim und der SPD-Ratsfraktion ersonnen und von der Stadtverwaltung zusammengefasst worden waren. Wie berichtet war diese Form der Sitzung Ausfluss einer vom Stadtrat Ende 2017 beschlossenen Resolution, die unter dem Eindruck von Aktivitäten und Unterschriftensammlungen der Dorfgemeinschaft sowie der Initiative Unerhört! zustande kam.

Und so sind sie nun aufmarschiert. Allen voran der Kommandeur der 12. US-Heeresfliegerbrigade, Oberst Kenneth C. Cole, mit großem Gefolge, darunter der Chef-Flugausbilder vom Brigadestab in Katterbach, John Bilton. Auch gekommen waren Oberregierungsrat Dr. Maximilian Engelbrecht vom Referat für Streitkräfteangelegeheiten, Bundesverfassungsrecht und Normprüfung in der Bayerischen Staatskanzlei sowie Oberst Walter Ludwig vom Luftfahrtamt der Bundeswehr.

Luft und Lärm

Die Sorge um die Luftqualität und die aus dem Flugbetrieb resultierende Lärmbelästigung nannte Bürgermeister Kisch eingangs als zwei wesentliche Themen des Abends. In der Tat drehte sich einmal mehr vieles um Flugrouten, Überflüge über bewohntes Gebiet, Nachtflüge und Landeübungen außerhalb des militärischen Areals – all die Dinge eben, welche die Betroffenen im Umfeld des Illesheimer Flugplatzes belasten.

Wie so oft bei diesen Themen, waren die Antworten der Militärs und Behördenvertreter nur bedingt konkreter Art beziehungsweise sehr allgemein gehalten, die letztendlichen Verantwortlichkeiten für Flugzonen und -zeiten etwa wurden nicht abschließend deutlich, sodass sich Petra Negendank von der SPD schon mal "wirklich verarscht" vorkam. Mitunter kam es auch zu Missverständnissen, bedingt durch die Sprachbarriere und die in Teilen etwas eigenwillige Übersetzung von Helga Moser. So antwortete Oberst Cole auf die Frage, ob den Bürgern die Teilnahme an den Sitzungen der Fluglärmkommission grundsätzlich möglich sei, mit einem klar vernehmbaren "itʼs possible", was hernach als Übersetzungsfehler sodann von Maximilian Engelbrecht dahingehend korrigiert wurde, dass betroffene Bürger "nicht persönlich" teilnehmen könnten, sondern durch gewählte Vertreter wie Bürgermeister. Im Gegensatz zu dieser Praxis in Ansbach wird die Öffentlichkeit laut Negendank andernorts zugelassen.

Gerhard Koslowski von der WiR-Fraktion will erfahren haben, dass die Innenminister der Länder Lärmschutzbereiche festlegen könnten. Da dies in Bayern bislang nicht geschehen sei, kam er zu dem Schluss, diesbezügliche Vorwürfe seien "nicht an die Illesheimer, sondern an die eigene Regierung zu richten". Engelbrecht konnte dazu nichts sagen, weil er diese Frage nicht vorab erhalten habe. Gerne liefere er aber diesbezügliche Informationen nach.

Grundsätzlich, so erläuterte es Walter Ludwig, sei das Militärische Luftfahrthandbuch die "Grundlage für jeglichen militärischen Flugbetrieb". Nachzulesen sei dieses im Internet (www.milais.org).

Ein paar neue Erkenntnisse konnten die Anwesenden dann doch mit nach Hause nehmen. So hat die US Army nach Aussage von Kenneth Cole die Flugroute zwischen den Standorten Illesheim und Katterbach geändert. Wie Helga Moser auf Nachfrage erläuterte, betrifft die Änderung die Einflugroute zum Übungsplatz Wessachhof. Dadurch soll die Lärmbelastung für Bewohner der Gemeinden Obernzenn und Flachslanden reduziert werden.

Einen Lacherfolg im Publikum erzielte John Bilton, sagte er doch (in der Übersetzung von Helga Moser): "Falls ein Überfliegen von Ickelheim stattfindet, ist das nicht absichtlich durchgeführt." Doch auch Kenneth Cole hatte eingangs gesagt: "Manchmal machen wir Fehler, und wenn ich darüber informiert werde, dann ist es meine Aufgabe, meine Piloten zur Rechenschaft zu ziehen".

Zugleich bat Cole darum, unliebsame Zwischenfälle mitzuteilen. Eine Adresse hierfür ist Helga Moser, die per Telefon unter 0152/09 11 43 69 zu erreichen ist. Sie nimmt auch jederzeit Hinweise zu öffentlichen oder privaten Veranstaltungen an, auf welche die Piloten Rücksicht nehmen würden. Dazu gehören Beerdigungen und Feste.

Schon mal ein Erfolg

Engelbrecht sieht sich und die Staatskanzlei in der Rolle des Vermittlers zwischen betroffenen Bürgern auf der einen, Bundeswehr und US-Armee auf der anderen Seite. Veranstaltungen wie diese dienten dazu, gegenseitiges Verständnis aufzubauen, und zeigten, dass die Sorgen der Bürger ernst genommen würden. "Es ist uns bekannt, dass Sie hier von dieser Stationierung besonders betroffen sind", sagte er. "Die Botschaft der Überflüge in Ickelheim ist sicher bei der Army angekommen", glaubt er und meinte in gütigem Resümee, "diese Sensibilisierung" und "die Möglichkeit, dies mitzuteilen", seien "doch schon mal ein Erfolg".

Für Bürgermeister Kisch war nicht erst nach dem Abend klar, dass der Stadtrat "nicht irgendwelche Gesetze machen kann, die die Flugbewegungen um Ickelheim regulieren". Jedoch nehme er mit, dass man "durchaus bemüht ist, zu schauen, was geht". Die mit Lärm verbundenen "Platzrunden im Sommer" zu regulieren etwa wäre wünschenswert. 

GÜNTER BLANK

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