10°

Montag, 16.09.2019

|

Wider den Verfall: Windsheimer Weinturm ist Sanierungsfall

Das 331 Jahre alte Gebäude hat große Risse bekommen - 18.02.2015 08:48 Uhr

Risse im Mauerwerk und allgemeine Schäden durch sein Alter: Der Weinturm muss saniert werden. Schließlich ist er schon 331 Jahre alt. © Günter Blank


Wie berichtet sind im Entwurf des städtischen Investitionsplans Mittel für die Sanierung des Turmes vorge­sehen – 10.000 Euro in diesem, 60.000 Euro im nächsten Jahr. Derzeit ist der Turm mit einem Bauzaun um­stellt, weil bereits Ziegel vom Dach fielen und sich gewaltige Risse in Putz und Mauerwerk auftun. Nun soll der Namensge­ber für das Wein­turmfestival und den Weinturmlauf vor dem Verfall ge­rettet werden.

Laut Ralf Spyra vom Stadtbauamt werden in einem ersten Schritt die Statik und der bauliche Zustand des Turmes geprüft. Sodann sollen ein Maßnahmen-Konzept erstellt und die voraussichtlichen Kosten der Sanie­rung berechnet werden.

In all diese Arbeiten eingebunden wird das Landesamt für Denkmal­pflege. Nicht nur deshalb hält Ralf Spyra es für unwahrscheinlich, das Obergeschoss des Bauwerks dauer­haft als Aussichtsturm zugänglich machen zu können. Der hierzu erfor­derliche Eingriff in die historische Substanz wäre nach seiner Einschät­zung erheblich, da es im Innern des Turms nie eine Treppe gab. Der Zu­gang zu dem einzigen kleinen Fenster und den zwei weiteren, schießschar­tenartigen Öffnungen erfolgte in all den Jahrhunderten über eine steil ge­stellte Leiter. Wer ins Obergeschoss wollte, musste sich durch einen engen Durchschlupf in der in dreieinhalb Metern Höhe eingezogenen Balken­decke zwängen. „Der Zugang ist min­destens mühsam“, beschreibt Spyra die Gegebenheiten. Ausschließen will er hinsichtlich einer möglichen künftigen Nutzung zum jetzigen Zeit­punkt freilich auch nichts.

Ein ganz schön großer Riss im Mauerwerk hat sich am Weinturm aufgetan. © Manfred Gößwein


Der Bad Windsheimer Manfred Gößwein hat sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der knapp 600­jährigen Geschichte des Weinturms befasst und hat dabei aus der Stadt­chronik und anderen Quellen ge­schöpft. Demnach ließ der Rat der Stadt Windsheim bereits im Jahr 1428 einen hölzer­nen Wartturm auf dem Weinberghü­gel errichten. Ur­sprünglich diente er zum Schutz der Weinberge und der außerhalb der Stadtmauern arbeitenden Bevölke­rung – 545 Einwohner zählte Winds­heim laut dem Stadtbuch von Alfred Estermann im Jahr 1432. Zugleich er­öffnete der Turm den Blick in den Oberen Aischgrund und auf den Wie­belsheimer Weg, sodass auch heran­rückende Heere frühzeitig entdeckt werden konnten.

Im Sommer 1489 ließ ein ehrsamer Rat, wie es in der Chronik heißt, „ei­nen ziemlich steinernen Wartturm auf dem Weinberg bauen mit einen Stock aus Fachwerk obendrauf“. Dies wiederum missfiel Markgraf Frie­drich IV. von Brandenburg. Weil sein Brief an die Windsheimer, in dem er zum Abbruch des Turmes aufgefor­dert hatte, ungehört geblieben war, entsandte er 400 Soldaten, welche am Abend des St.-Martin-Tages in Windsheim eintrafen. Anderntags zerstörten sie den Turm mit Waffen­gewalt und Feuer. „Sie warfen den Turm in die Weingärten am Wein­berg, zertraten die Weinberge und verbrannten Pfähle dabei und zur Nacht zogen sie wieder ab“, ist in der Chronik festgehalten.

Zwei Mal niedergebrannt

Fortan schwelte zwischen Winds­heim und Brandenburg ein Streit um einen etwaigen Neubau, welcher erst unter der Verhandlungsführung von Dietrich von Harras geschlichtet wurde. Der Ritter, ein Vertrauter des Kaisers, handelte den nach ihm be­nannten Harrasischen Vertrag zwi­schen der Reichsstadt Nürnberg und dem Markgrafen von Brandenburg-Ansbach aus. Lange währende Strei­tigkeiten um Art und Umfang der Nutzungsrechte an den Nürnberger Wäldern wie auch um die Hochge­richtsbarkeit wurden so beendet. Das Ergebnis für Windsheim: Ein neuer Turm darf gebaut werden, aber nur aus Holz bestehen und nicht höher als zehn Werkschuh, also rund drei Meter, sein. Die Mauern dürfen nicht dicker als 30 Zentimeter sein. Ein solcher Turm stand bis ins Jahr 1634, dann brannten ihn kaiser­liche Soldaten auf ihrem Marsch nach Illesheim nieder.

Später wurde auf dessen Mauern ein Schilderhäus­lein aus Brettern gebaut. Ein hölzer­nes Fässchen wurde an eine lange Stange gehängt, welches man auf­ und nieder ziehen konnte, damit man die Leute bei anstehender Waldarbeit und auch sonst während jener unsi­cheren Zeiten – es herrschte der Drei­ßigjährige Krieg – warnen konnte. Nicht nur auf dem Wartturm, auch auf dem Galgenbuck wurde ständig eine Wacht gehalten. Erst 1674 wurde der Weinturm in seiner heutigen Form erbaut, der obere Teil in Form eines verputzten Fachwerks. Lange Zeit wurde er mit einem Turmwart besetzt, um die Weinberge zu schützen, was aber in späterer Zeit nicht mehr notwendig war. Hunderte von Jahren hielt der Turm Wind und Wetter stand.

Nun liegt es nicht zuletzt am Windsheimer Rat der Neuzeit, den Turm als eines der Wahrzeichen der Stadt zu erhal­ten. Die Weichen dafür werden der­zeit gestellt. 

Günter Blank

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim