Sonntag, 05.04.2020

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Widerstand gegen geplanten Gipsabbau bei Bad Windsheim

Bau- und Umweltausschuss fordert weitreichende Untersuchungen - 12.03.2020 13:15 Uhr

Zwischen Külsheim und Ipsheim, nördlich der Bahnlinie, soll in einigen Jahren Gips abgebaut werden. © Claudia Lehner


Noch steht man am Anfang eines langwierigen Verfahrens. Wie Bürgermeister Bernhard Kisch erklärte, gilt es nun, Bedenken zu formulieren und vor allem weitreichende Untersuchungen zu fordern. Als Erholungsschwerpunkt, als Kur- und Heilbad, wolle man sich nicht das Wasser und die Voraussetzungen "abgraben" lassen.

Abgebaut werden soll der Gips im Tagebau. Zunächst war von einer Fläche von etwa 84 Hektar die Rede gewesen, nun hat die Firma in ihrem Antrag beim Bergamt Nordbayern die Fläche auf 125,8 Hektar erweitert, was einem Quadrat mit Seitenlängen von 1,122 Kilometern entspricht. Der Größe des Gebiets wegen hatte die Verwaltung um Fristverlängerung für ihre Stellungnahme gebeten, um den Bau- und Umweltausschuss beteiligen zu können. Mit dem Markt Ipsheim hatte die Verwaltung ihre Stellungnahme bereits abgestimmt.

Diese fällt sehr kritisch aus: Die bei einem früheren Termin auf Verwaltungsebene geforderte Erweiterung des Untersuchungsgebietes wurde nicht so umgesetzt, wie gewünscht. Ein Untersuchungsgebiet, das sich nur an einem Ein-Kilometer-Abstand um die geplante Abbaufläche herum orientiert, würde den Auswirkungen nicht gerecht, heißt es im Entwurf der Stellungsnahme, der zur Sitzung vorlag. Die Mineralwasser- und Heilquellenschutzgebiete nördlich und südlich von Bad Windsheim sollten unbedingt mit aufgenommen werden, ebenso die Kläranlage der Kurstadt, die ihr Spülwasser aus einem eigenen Brunnen bezieht.

Die geologischen Lagerungsverhältnisse ließen erkennen, dass das Grundwasser von den Heilquellen weg und dem Gips-Nassabbau-Gebiet zugeleitet wird. So werde das Abbaugebiet zum Grundwassertrichter, dem die Wasserströme zufließen. Eingriffe ins Grundwasser könnten Setzungen hervorrufen, die sich auf die Oberfläche und auf Gebäude auswirken, beispielsweise in der denkmalgeschützten Altstadt oder in der Franken-Therme. Gefordert werden umfassende Bestandsaufnahmen und Beweissicherungen. Beteiligt werden sollten als mögliche Betroffene auch die Kurquellen GmbH und die Firma Franken Brunnen.

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Eine "Verkraterung" will die Stadt verhindern und fordert deshalb eine Begrenzung der jeweils aktiven Abbaufläche auf ein Hektar. Auch Lärm und andere Auswirkungen für die Bevölkerung durch Sprengungen und Lieferverkehr sollen klein gehalten werden. "Wir sehen den geplanten Abbau sehr kritisch", stellte Kisch klar. Er fügte nach der Diskussion noch eine Verschärfung in den Text ein: Nassabbau soll nun ganz ausgeschlossen werden.

"Wir sind vom Gips umzingelt", erklärte Kisch die Gesamtsituation der Kommune, in deren Umgebung es viele derartige Vorrang- beziehungsweise Vorbehaltsflächen gibt. Laut Georg Gerhäuser habe Kisch in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, diese zu reduzieren. Das Ratsgremium sieht das Vorhaben ebenso kritisch wie die Stadtverwaltung. Dieter Hummel und Rainer Volkert untermauerten die Argumente des Bürgermeisters. Möglichst weitreichende Untersuchungen und möglichst viele Betroffene mit einbinden war der Tenor der Wortmeldungen, wie beispielsweise von Ronald Reichenberg, gerade auch angesichts dessen, was sich an der Aischquelle gezeigt habe.

Petra Negendank fragte nach, ob man sich gegen die Pläne wehren könne. Widerspruch einzulegen sei erst dann möglich, wenn es an die Genehmigung der Betriebspläne durch das Bergamt geht, antwortete Stadtbaumeister Ludwig Knoblach. "Wir sollten es ihnen so schwer wie möglich machen", konstatierte Altbürgermeister Wolfgang Eckardt zum Ende der Diskussion.

Claudia Lehner

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