Schock und ohnmächtige Wut

Wieder keine Weihnachtsmärkte: Die Schausteller sind verzweifelt

Claudia Lehner

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22.11.2021, 18:06 Uhr
Vereinzelte Buden stehen – mit viel Abstand – bereit. Einen echten Weihnachtsmarkt wird es aber heuer in Bad Windsheim nicht geben.<QM>Foto: Claudia Lehner
 

Vereinzelte Buden stehen – mit viel Abstand – bereit. Einen echten Weihnachtsmarkt wird es aber heuer in Bad Windsheim nicht geben.<QM>Foto: Claudia Lehner   © Claudia Lehner

Alles war aufgeladen, hintransportiert worden, nun sollte abgeladen und aufgebaut werden. „Wartet nochmal bis eins“, hieß es, erinnert sich Melanie Hoech noch gut an vergangenen Freitag. Ministerpräsident Markus Söder verkündete dann das Aus für Weihnachtsmärkte. Auch der in Ansbach wurde als einer der letzten abgesagt und Hoech fuhr wieder nach Hause. Für Bad Windsheim und auch alle anderen Adventsmärkte im Landkreis hatte es bereits zuvor eine Absage gegeben. Wieder drohen Monate ohne Einnahmen. Die Schausteller sind nach gut zwei Jahren Pandemie verzweifelt.

So spät bestellt wie möglich

Lange hatte es geheißen, Weihnachtsmärkte würden stattfinden. So ganz hatte Schausteller Denis Krzenck dem Frieden nicht getraut. Waren für seine Glühwein- und Süßigkeiten-Bude habe er so spät bestellt wie möglich. Der Großhändler habe schon gedrängelt. Irgendwann musste er entscheiden, orderte, wenige Tage später: die Absage. „Der Schock sitzt tief“, sagt Krzenck. Das bestätigt Melanie Hoech, die ebenso auf vielen Waren sitzen bleibt. Seit Jahren ist sie mit ihrem runden Grill-Pavillon eine feste Größe am Reichsstädtischen Weihnachtsmarkt. Sie versteht die Ungleichbehandlung nicht, in Nürnberg werde als Fenstergeschäft Glühwein to go verkauft, aber aus Buden am Weihnachtsmarkt ist es nicht möglich. Das sieht Krzenck ähnlich. Fußballspiele sind mit Zuschauern erlaubt, ein Weihnachtsmarkt selbst mit ausgeklügeltem Hygienekonzept nicht und das, obwohl es doch draußen sei und in Bad Windsheim sich ohnehin keine Massen drängeln würden.


Das Hin und Her der vergangenen Wochen, die „Achterbahnfahrt“ und dass es eben nun fast schon zwei Jahre sind, in denen sie kaum etwas verdienen konnte, geht Melanie Hoech an die Nieren. Irgendwann stehe die Existenz auf dem Spiel, sagt sie.
Die staatlichen Hilfen können das nicht ausgleichen, wenn sie denn überhaupt fließen. Noch keinen Cent habe er dieses Jahr erhalten, sagt Denis Krzenck. Kosten fallen ja trotzdem an. Reparaturen am ungenutzten Fuhrpark, Versicherungen, Vorleistungen und so manches mehr. Er musste Schulden machen, sich auch privat Geld leihen.
Besonders bitter war die Kurzfristigkeit. „Auf den letzten Pfiff“, nennt das Melanie Hoech. Im vergangenen Jahr habe man es wenigstens schon vorher gewusst. Auch Ellen Kern hat für ihre Imbissbude Fleisch eingekauft, so spät wie möglich, aber nun wird sie es nicht los. Und einen alternativen Stellplatz hat sie noch keinen gefunden.

Alternativprogramm: Nur wenige Buden

„Das ist schrecklich“, sagt auch Sabine Hahn, die bei der Kur-, Kongress- und Touristik GmbH für den Weihnachtsmarkt zuständig ist. Sie fühlt mit den Schaustellern und langjährigen Geschäftspartnern. „Da gibt es keine Worte dafür.“ Für viele der Fieranten des Weihnachtsmarktes hat Hahn Möglichkeiten gefunden, so dass sie ihre Waren, von Dekoartikeln bis zu Schmuck, verkaufen können. Anders sieht es bei den kulinarischen Angeboten aus. Sonja Straetemans und Denis Krzenck haben sich selbst eine Alternative gesucht, auch wenn das den Markt nicht ersetzt. Sie werden ihre Knuspernuss wieder am Kaufland-Parkplatz aufbauen. Krzenck überlegt noch, ob er Glühwein dort zum Abholen für daheim anbietet. Das dürfe er.
Auch wenn es keinen Weihnachtsmarkt gibt, einige Buden werden – mit viel Abstand – doch stehen, vom Marktplatz bis zum Klosterchor, wo die Krippe aufgebaut wird. Dort gibt es teils wechselndes, teils festes Angebot an den Wochenenden: Die Mittelschule, das Hundehaus, Carola Alt mit Dekoartikeln sind vertreten. Es gibt Schmuck, Krippen, Essig und Öle aus Direktvermarktung. Als Minimalangebot statt Weihnachtsmarkt.
Wie es im kommenden Jahr weitergeht? Da sehen die Schausteller ganz viele und große Fragezeichen. Langfristige, verlässliche Planung wäre nötig. Denis Krzenck wünscht sich auch, dass ihre Nöte endlich von der Politik gehört werden, dass sich jemand meldet, „der Landrat oder auch höhere Ebenen“.

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