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Windsheimer Schauspieler zu #allesdichtmachen: "Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern"

Schauspieler Levent Özdil aus Bad Windsheim steht der Aktion positiv gegenüber - 02.05.2021 06:00 Uhr

Mit der Aktion #allesdichtmachen sorgten einige Schauspieler für Aufregung.

23.04.2021 © Foto-Screenshots: dpa


Die Aktion #allesdichtmachen hat in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen. Mehr als 50 bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler kritisierten vor über einer Woche in wenigen Minuten langen Videos mit den Mitteln von Satire und Ironie unter anderem die Corona-Politik. Es folgte ein Shitstorm samt übelsten Beleidigungen und Beschimpfungen auf der einen Seite. Auf der anderen sammelte sich Beifall – unter anderem von sogenannten Querdenkern und der rechten Szene. Der Bad Windsheimer Schauspieler Levent Özdil, beispielsweise bekannt durch das Freilandtheater, steht der Aktion positiv gegenüber.

Levent Özdil stellt sich hinter seine prominenten Schauspiel-Kollegen, wäre er gefragt, hätte auch er sich bei #allesdichtmachen beteiligt. Archiv-Foto: Elke Walter

29.04.2021 © Foto: ew


Große Namen der Schauspiel-Szene haben sich an #allesdichtmachen beteiligt, unter anderem Jan Josef Liefers, Wotan Wilke Möhring, Volker Bruch, Ulrich Tukur oder Ulrike Folkerts. Etliche Kollegen reagierten empört und machten ihrem Unverständnis Luft. Zuspruch zur Aktion gab es dagegen beispielsweise von der rechten Szene, von der sich die Akteure distanzierten. Nicht alle hielten an ihrer Überzeugung der Aktion fest, manche nahmen ihre Videoclips aus dem Netz, so etwa Ulrike Folkerts oder Heike Makatsch.


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"Ich finde den Shitstorm nicht gerechtfertigt", sagt Levent Özdil, der ohnehin kein Freund von Shitstorms im Allgemeinen sei. "Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern", zu schnell werde heutzutage Partei für oder gegen etwas ergriffen. Wichtig sei, so Özdil, dass die "Schauspieler auf ihre Art und Weise versucht haben, auf etwas aufmerksam zu machen", beispielsweise auf fehlende Transparenz seitens der Regierung bezüglich der Hintergründe von Entscheidungen. Die Aktion an sich finde er gut, dahin gestellt sei die Form oder Art und Weise.


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Jeder nutze das Mittel, das er persönlich gut kann oder kennt. Ironie und Satire sei auch während einer Pandemie erlaubt. "So darauf rumzuhacken", dafür fehle ihm das Verständnis. Das spalte noch mehr. Ganz schnell würden Schubladen aufgemacht, Menschen beispielsweise als Querdenker oder Systemkritiker benannt und so in Schwarz und Weiß gemalt. Das habe den Charakter: "Ihr seid falsch und wir sind richtig", sagt Ödzil. "Wenn man sich nicht traut, Selbstverständlichkeiten anzumahnen, weil man Applaus von der falschen Seite fürchtet, dann zeigt das allenfalls, daß der Diskurs in eine Schieflage geraten ist", schreibt die Gruppe auf ihrer Internetseite.


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Der Zuspruch aus der rechten Szene ist für den Schauspieler nicht verwunderlich. "Wenn alle anderen dagegen sind, vereinnahmen diejenigen die natürlich." Große Namen hätten an der Aktion mitgewirkt. Doch hätte die Möglichkeit für Levent Özdil bestanden: "Ich hätte definitiv auch mitgemacht."

ANNA FRANCK

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