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Wohnen in historischen Gemäuern

Die Familie Stark sanierte mit hohem Aufwand das ehemalige Schulhaus in Urphertshofen. - 12.06.2019 17:40 Uhr

Das alte Schulhaus neben der Kirche ist für Urphertshofen ortsbildprägend. © Foto: Gerhard Krämer


Anja Stark und ihr Vater Hellmut Stark haben den holzumfassten Durchgang erhalten. © Foto: Gerhard Krämer


Dieses Engagement würdigte der Bezirk Mittelfranken bei der Denkmalprämierung: "Mit der gelungenen Sanierung des Schulhauses ist ein Lehrbeispiel für den bewussten Umgang mit historischer Bausubstanz entstanden." "Denkmalpflege bedeutet die nachhaltige Sicherung des gebauten Erbes, das unsere Region einzigartig macht", schreibt Bezirkstagspräsident Armin Kroder in seinem Geleitwort im Begleitband zu den denkmalprämierten Gebäuden. Gesichert ist das alte Schulhaus in der Tat. Die Familie Stark hat es zu ihrem Wohnhaus gemacht.

Das alte Schulhaus im Obernzenner Ortsteil Urphertshofen stand auf dem benachbarten Grundstück. Da lag es für die Familie Stark nahe, es zu erwerben, als es die Gemeinde verkaufen wollte. Hellmut Stark griff 2012 zu, 2014 ging es an seine Tochter Anja. "Wir wollten ein Generationenwohnen ermöglichen", sagen beide übereinstimmend.

Leerstand und unterschiedliche Nutzungen hatten der Bausubstanz geschadet. Die neuen Eigentümer hatten also viel zu tun. 2014 begann laut Hellmut Stark der Rück- und Umbau. Das Haus erhielt eine Bodenplatte. Um den Erdaushub kümmerten sich die Eigentümer selbst. Generell machten sie sehr viel in Eigenleistung.

Beim Sockel war eine Sanierung oder Anstückelung, wie es in der Fachsprache heißt, nicht mehr möglich. Zu sehr war der Keupersandstein geschädigt. Hier kam dann ein Sanierputz mit Salzspeicherfunktion zum Einsatz. Anja Stark ist hier sehr dankbar, das Baugeschäft Helmut Ferber aus Oberaltenbernheim an ihrer Seite gehabt zu haben, das dank der Kenntnisse in der Altbausanierung ein verlässlicher Partner gewesen sei, der zusammen mit Fachfirmen und dem Architekturbüro Liebberger und Schwarz aus Bad Windsheim immer Lösungen gefunden habe.

Das frühere Fugenbild wurde im Putz nachgeahmt. Wie viele Stunden Hellmut Stark damit verbracht hat, weiß er jetzt nicht mehr. "Viele", sagt er und lacht. Auch die Gesimse richtete er wieder her. Da saß er sehr lange auf dem Gerüst – "So lange ich Lust dazu hatte".

Bei einer solch umfangreichen Sanierung will natürlich auch das Landesamt für Denkmalpflege gefragt sein. "Am Anfang war es schwierig, dann ist es aber gut gelaufen", meint Anja Stark rückblickend.

Alles denkmalgerecht

Ein "Aber" schiebt sie hinterher: "Es würden aber wohl mehr Häuser saniert werden, wenn sich die Denkmalbehörde in die Lage der Hausbesitzer versetzen würde." Gerade, was die Kosten betreffe, meint sie. Schließlich hätten auch denkmalgerechte Holzfenster eingebaut werden müssen. Das sei aber alleine durch den Zuschuss nicht gedeckt. "Das bleibt beim Bauherren hängen", weiß sie aus eigener Erfahrung. Die Vorschriften seien zu eng gefasst.

"So ein Haus kann man nur herrichten, wenn man selbst sehr viel Zeit investieren kann", meint Anja Stark. "Das kannst du keine Firma machen lassen, das geht unheimlich ins Geld", begründet sie die hohe Eigenleistung, denn der komplette Rückbau sei alleine geschultert worden. "Man muss auch viel Herzblut hineinstecken", ergänzt ihr Vater.

Im Inneren wurde der durch Umbauten veränderte historische Grundriss wiederhergestellt. Abgehängte Decken wurden rückgebaut, die den früheren Schulsaal aufteilenden Wände entfernt. Im Treppenhaus sowie in Räumen legte die Familie das im Inneren verwendete Ziegelmauerwerk in Teilen frei. "Backsteine aus einer früheren Urphertshofener Ziegelei", weiß Hellmut Stark. Im Inneren wurde historischer Bestand, wie ein holzumfasster Durchgang, erhalten. Abtrennelemente aus Glas beeinträchtigen die breite Raumwirkung nicht. Aufgearbeitet wurde die historische Haustüre.

Nicht erhalten werden musste das alte Mesnerhaus neben dem Schulhaus. Dieses durfte die Familie mit Genehmigung des Landratsamtes abreißen, weil dessen Erhalt in keinem finanziellen Verhältnis gestanden hätte. Jetzt sind dort Parkplätze.

"Wir hätten es nicht gemacht, wenn es nicht hier gewesen wäre", meint Anja Stark. Mit "hier" meint sie den kleinen Bauernhof mit Ferienwohnungen, speziell für Familien mit Kindern oder Babys. Und wenn es nicht um das Generationenwohnen gegangen wäre, denn auch die 94-jährige Oma wohnt auf dem Areal. 

GERHARD KRÄMER

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