Sich der neuen Zeit öffnen

Zwischen Gaming und Brettspielen: Das sind die neuen Jugendtreff-Leiter

Anna Franck

E-Mail zur Autorenseite

7.10.2021, 06:00 Uhr
Thomas Siegling und Rebecca Dünninger sind die neuen Leiter des Jugendtreffs Schneiderscheune in Bad Windsheim.

Thomas Siegling und Rebecca Dünninger sind die neuen Leiter des Jugendtreffs Schneiderscheune in Bad Windsheim. © Anna Franck, NN

Schon vor einigen Jahren hat Rebecca Dünninger erste Scheunenluft geschnuppert. Die 23-Jährige absolvierte in Würzburg eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und begleitete während eines Ferienpraktikums im Treff, der damals noch von Patrick Wiesinger und Schorr geleitet wurde, das Ferienprogramm mit. Zuletzt arbeitete Dünninger, die aus Neusitz stammt, in einer therapeutischen Mädchenwohngruppe. Zufällig sei sie auf die Stellenanzeige der Schneiderscheune gestoßen, sofort habe es gefunkt, wollte sie doch schon damals am liebsten in der Einrichtung bleiben. Am 1. September hat sie ihren Dienst angetreten, nebenbei belegt sie ein Fernstudium der Sozialen Arbeit.


Thomas Siegling leitete bereits während seines Studiums der Political and Social Studies und Philosophie in Würzburg etwa drei Jahre nebenbei den Jugendtreff in Markt Erlbach. Ein anderes „Niveau an Wertschätzung“ habe er dort durch die Arbeit mit Jugendlichen erfahren, weshalb er sich nach seinem Bachelor auch in der Jugendarbeit nach Stellen umsah. Zum 1. Juli hat er in Bad Windsheim begonnen, beispielsweise das Ferienprogramm mitbegleitet. „Ich bin sehr froh, dass ich die Fackel hier weitertragen darf“, sagt der 27-jährige Markt Erlbacher, der allein schon vom Gebäude des Treffs angetan ist: „Die Scheune macht schon Eindruck.“


Großes Glück hätten die beiden gehabt, bei der Schneiderscheune auf ein solch „erfolgreiches und wertschätzendes Fundament“ aufbauen zu können, erklärt Rebecca Dünninger, „der Vorstand gibt uns viele Freiheiten“. Positiv bewertet die 23-Jährige, dass Siegling und sie unterschiedliche Interessen haben und sich so ein breites Spektrum an Möglichkeiten ergebe. „Wir waren sehr schnell auf einer Wellenlänge“, sie wollen sich gegenseitig Raum zum Ausprobieren lassen.

Gaming und Brettspiele

Dünninger arbeite gerne hauswirtschaftlich, mag Brettspiele und ist kreativ oder in der Natur unterwegs. Siegling interessiert sich für Internet-Themen, die Gaming- und auch die Nerd-Kultur. In diesen Bereichen sei bislang wenig angeboten worden. „Ich würde da gerne mehr experimentieren“, sagt Siegling. Werden solche Angebote nicht angenommen, würde man sie eben wieder einstellen. Dem Klischee, das über Menschen liegt, die gerne Videospiele zocken, stellt sich der 27-Jährige entgegen. Nicht alle würden sich einsam in ihren Zimmern verschanzen, abgeschottet vom Rest der Welt. Im Gegenteil: In manchen Bars würden Gruppen zusammenspielen – statt gemeinsam am Billardtisch oder der Dartscheibe eben vor der Konsole. Eine erste Änderung hat deshalb direkt Einzug im Jugendtreff erhalten: Die Konsolen-Ecke wurde aus einem separaten, abgekoppelten Zimmer in den großen Aufenthaltsraum verlagert.


Dünninger und Siegling ist es wichtig, sich auf die „aktuelle Zeit einzulassen“, offen zu sein für die Bedürfnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen. Statt sie zu zwingen, etwas scheinbar Anständiges zu machen, und an alten Mustern festzuhalten, wollen beide fragen: „Was wollt ihr?“ Auch die neuen Medien würden zur aktuellen Zeit gehören, Jugendliche müssten lernen, mit ihnen umzugehen, im Treff könne dazu ein wertvoller Beitrag geleistet werden.

Candy-Bar einrichten

Aktuell werden in der Schneiderscheune die Jugendgruppe Zone 12, der Offene Treff sowie die Jungs- und Mädchengruppe angeboten. Ansätze, bestehende Strukturen anzupassen, gebe es bereits – beispielsweise Überlegungen, den Offenen Treff von zwei auf drei Tage auszuweiten. Das hänge allerdings wiederum vom Bedarf bei den Kindern und Jugendlichen ab. Auch einige „Mini-Projekte“ sind im Gange. Rebecca Dünninger möchte beispielsweise die Theke im Eingangsbereich ansprechender gestalten, eine Candy-Bar einrichten.


Am allermeisten aber freuen sich beide auf die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Darauf Vertrauens- und Bezugsperson zu werden. In Markt Erlbach habe Siegling Jugendliche beim Erwachsenwerden begleitet. Für viele sei ein Jugendtreff wie die Schneiderscheune ein Rückzugsort. Gleichzeitig biete er Schultern, zum Anlehnen und Rat suchen.


„Das, was da zurückkommt, ist Genugtuung und belohnend“, sagt Thomas Siegling. Die Jugendlichen hätten stets die Wahl, wie sie ihre Zeit im Treff gestalten wollen – ob sie spielen, reden oder einfach nur dasitzen möchten, und zwar in einem geschützten Raum. Rebecca Dünninger: „Wir sind ein Mittelstück. Nicht die Freunde, aber eben auch nicht die Eltern.“

Keine Kommentare