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Bamberg: Austritte aus der katholischen Kirche steigen rasant an

Besonders viele Austritte im März - 07.04.2021 16:35 Uhr

In Bamberg befinden sich die Kirchenaustritte auf einem Rekordniveau.

25.01.2019 © GuideMedia


Wer aus einer Religionsgemeinschaft austreten will, muss einen Termin beim Standesamt vereinbaren. Im Gegensatz zum Heiratstermin erscheint dieser jedoch weniger romantisch: Eine schriftliche Erklärung und eine Gebühr von 35 Euro braucht es für den Schritt in die offizielle Konfessionslosigkeit.

Austrittswelle in Bamberg

Trotz Corona ist die Nachfrage beim Standesamt Bamberg nach einem Termin in den vergangenen drei Monaten rekordverdächtig. In diesem Zeitraum traten 232 Menschen aus einer Kirche aus - 172 davon aus der katholischen Kirche, allein 101 im März. Rechnet man diese drei Monate auf das komplette Jahr, wären am Ende des Jahres so viele Menschen aus katholischen Kirche ausgetreten wie noch nie zuvor.


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Die aktuellen Austritte sind wohl unter anderem auf das Wirken des Kölner Kardinals Rainer Wölki zurückzuführen. Dieser stand in der Kritik, weil er ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten lange Zeit zurückgehalten hat. Das mittlerweile vorgestellte Gutachten untersuchte, wie Verantwortungsträger des Erzbistums in der Vergangenheit reagiert haben, wenn Priester des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt wurden. Das im März vom Vatikan bestätigte Segnungsverbot von homosexuellen Paaren könnte ebenso eine Rolle spielen.

Abwärtstrend in beiden Kirchen

Auch in Nürnberg ist die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche mit 247 Terminen im März vergleichsweise hoch. Im Januar und Februar waren es 122 bzw. 180 Menschen, die der Kirche den Rücken zukehrten.

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Allerdings berichtet das Standesamt auf Nachfrage, dass die Austrittszahlen in den ersten drei Monaten des Jahres auf keinen besonders hohen Anstieg hindeuten. Im ersten Quartal 2021 sind 1066 Menschen aus einer Kirche ausgetreten. Im gleichen Zeitraum waren es im vergangenen Jahr 906, in 2019 wiederum 1263.


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Neben der katholischen Kirche verliert ebenso die evangelische Kirche an Mitgliedern. Mit 503 Austritten in Nürnberg im ersten Quartal 2021 sind es nur 46 Austritte weniger als bei der katholischen Kirche.

Großraum Nürnberg besonders betroffen

Damit setzt sich der Trend aus den vergangenen Jahren fort: 2019 sind 272.700 KatholikInnen aus ihrer Kirche ausgetreten. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 26,2 Prozent. Bei den ProtestantInnen sind es mit rund 270.000 (22 Prozent) Gläubigen fast genauso viele.

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Das katholische Erzbistum Bamberg verzeichnete 2019 einen Anstieg der Austritte um 27,7 Prozent - also etwas mehr als der Bundesdurchschnitt. Im Großraum Nürnberg, Erlangen, Fürth sowie Bamberg sind die Austrittszahlen nach den Angaben des Erzbistums besonders hoch.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bedauert jeden Austritt. "Es spielen natürlich auch Missbrauch- und Finanzskandale eine Rolle", zitiert ihn der BR. Man müsse die Austritte realistisch betrachten, ihr zugleich aber engagiert begegnen. Schick plädiert für eine authentische Verkündigung, lebensdienliche Gottesdienste und eine Caritas, die sich der hilfsbedürftigen Mitmenschen annimmt.

Felix Schwarz

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