Brand-Anschlag auf Bamberger Bordell: Männer vor Gericht

2.3.2018, 08:04 Uhr
In Bamberg hat ein Prozess gegen sieben Angeklagte aus dem Rotlichtmilieu begonnen – hier unterhält sich einer mit Anwalt Marcus Ladewig (re.).

In Bamberg hat ein Prozess gegen sieben Angeklagte aus dem Rotlichtmilieu begonnen – hier unterhält sich einer mit Anwalt Marcus Ladewig (re.). © dpa

"Zimmervermieter", sagt Ewald W. auf die Frage nach seinem Beruf. "Haben Sie auch einen Beruf erlernt?", will der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt wissen. "Ja, Bäcker", antwortet der Angeklagte. "Mit Meisterbrief und allem drum und dran. Den kann ich Ihnen morgen mitbringen." Ansonsten ist Ewald W. weniger gesprächig und macht vorerst von seinem Schweigerecht Gebrauch. Der 55-Jährige – groß, rasierte Vollglatze, kantige Gesichtszüge, grauer Vollbart mit Haargummi, tiefe Stimme – ist der Hauptangeklagte in dem Verfahren am Landgericht Bamberg.

Der Vorwurf: unter anderem schwere Brandstiftung, gefährliche Körperverletzung, unerlaubtes Führen verbotener Waffen und Sachbeschädigung. Den Männern um Ewald W. drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Sechs der sieben Angeklagten sitzen in U-Haft. W. hat in Bamberg jahrelang Bordelle betrieben. Laut Anklage wollte der 55-Jährige einen Konkurrenzbetrieb ausschalten. Deshalb, so heißt es, stiftete er seinen Gesellschafter Daniel D. (26) zu Anschlägen auf das Etablissement in einem Gewerbegebiet in Bamberg-Nord an. D. führte diese dann mit mindestens fünf anderen Männern (Alter: 25 bis 27 Jahre) aus.

Im September 2016 drangen drei Männer nachts in das Haus ein, schlugen mit Äxten Löcher in Türen und verspritzten Buttersäure, deren Geruch an Erbrochenes erinnert. Eine Prostituierte erlitt durch die Flüssigkeit einen Hautausschlag, eine andere Atemwegsreizungen. Zwei Monate später wiederholten die Männer die übelriechende Attacke. Am 14. Januar 2017 brannte dann das Bordell: Fünf Männer waren nachts gegen 23 Uhr durch das Fenster in das Haus eingestiegen und hatten mit einem Molotow-Cocktail Feuer gelegt. Verletzt wurde niemand: Die Feuerwehr verhinderte, dass sich die Flammen auf das ganze Gebäude ausweiteten. Eine Frau wurde aus dem stark verrauchten Treppenhaus gerettet.

Später soll Ewald W. seinen Kollegen Daniel D. angewiesen haben, Molotow-Cocktails auf die Autos des Konkurrenten und sogar seines eigenen, also W.s Bruders, zu werfen. Der betroffene Wagen brannte daraufhin völlig aus. Dem ungeliebten Mitbewerber ordnete Daniel D. allerdings, wie es scheint, das falsche Auto zu und beschädigte das eines Unbeteiligten. Der Gesamtschaden, der durch die Anschläge verursacht wurde, dürfte sich auf rund 100.000 Euro belaufen.

Alkohol und Drogen im Spiel

Ewald W.s angebliche Komplizen, alle stammen aus Bamberg oder der näheren Umgebung, haben nach eigenen Angaben bodenständige Handwerksberufe gelernt, einige sind verheiratet, haben Kinder. Allerdings berichten sie auch von Alkohol- und Drogenproblemen, manche von ihnen waren in der Hooligan-Szene aktiv. Daniel D. wollte vor Jahren eine Autowaschanlage aufmachen. Als das schiefging, kam ihm die Idee, in die "Zimmervermietung" einzusteigen. So tat er sich mit Ewald W., dem Platzhirsch in Bambergs Rotlichtmilieu, zusammen. W. wollte aus dem horizontalen Gewerbe aussteigen und D. als seinen Nachfolger anlernen. Heute sagt Daniel D.: "Nach meiner Haftentlassung würde ich gerne weiter selbstständig arbeiten. Aber nicht mehr in diesem Gewerbe." In dem Prozess sind weitere Termine bis Ende April angesetzt.