DWD-Experte äußert sich auf Nachfrage

Heftiges Gewitter: Wütete in Bamberg ein Tornado? Experte äußert sich

9.6.2021, 18:35 Uhr
Das Bild wurde am Dienstag um etwa 16.02 Uhr in Bamberg aufgenommen. Blick in Richtung Auferstehungskirche beim Mainfranken Center.

Das Bild wurde am Dienstag um etwa 16.02 Uhr in Bamberg aufgenommen. Blick in Richtung Auferstehungskirche beim Mainfranken Center. © Jennifer Christl

"Plötzlich kamen Wolken von unten, als würden sie vom Boden Richtung Himmel hochgezogen - das war schon krass", beschreibt Babara Zimmer gegenüber nordbayern.de das Wetterphänomen am Dienstagnachmittag in Bamberg. Sie hat die Erscheinung kurz nach 16 Uhr am Himmel beobachtet, gefilmt und der Redaktion die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Das Video ist in Bamberg in der Nähe des Klinikums entstanden:

Auf der Facebookseite "Stormchasing Oberfranken - Dem Unwetter auf der Spur", die ihren rund 11.500 Abonnenten Informationen rund um das Wetter liefert, postete Zimmer das Video auch. Über 360 weitere Kommentare trudelten unter dem Posting "Mögliche tornadische Superzelle bei Bamberg - Tornadoverdacht" ein. Doch kein einziges Bild unter dem Post zeigt, dass die Trichterwolke Bodenkontakt hatte. Warum ist das wichtig?

Der in diesen Tagen viel zitierte Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert in seinem Klimalexikon einen Tornado wie folgt: "Ein Tornado ist eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert."

Tornadobeauftrager des Deutschen Wetterdiensts äußert sich

"In dieser großen Gewitterzelle, die sich langsam dreht, hat sich ein Wolkentrichter gebildet", bestätigt Andreas Friedrich, Pressesprecher und Tornadobeauftragter des DWD, die Geschehnisse in Bamberg. Friedrich stellt klar: Es kann sich nur um einen Tornado handeln, wenn der Windtrichter den Erdboden berührt.

Von den Geschehnissen in Bamberg erfuhr der Tornadoexperte durch Anfragen von Medien. Friedrich recherchierte im Anschluss selbst und kam für den DWD zu dem Ergebnis: "Wir gehen hier von einem plausibel begründeten Verdachtsfall aus, der aber nicht hundertprozentig bewiesen ist." Friedrichs Recherche, die Recherche von nordbayern.de und das der Redaktion vorliegende Bildmaterial liefern keinen eindeutigen Beweis, dass die Trichterwolke Kontakt zum Boden hatte und es sich somit um einen Tornado gehandelt haben könnte.

Der DWD ist in solchen Fällen auf Augenzeugenberichte sowie Foto- und Videomaterial aus der Region angewiesen. Ebenso helfen Reporte über entstandene Schäden. Auf Wettersatelliten und dem Wetterradar seien diese "Funnelclouds" (engl. für Trichterwolken) nicht erkennbar. "Mit Fernerkundungsdaten können wir keinen Tornado erkennen", so Friedrich weiter. Die Windwirbel sind zu kleinräumig.

Tornadorisiko in Franken

Tornados sind immer noch eine große Ausnahme in Deutschland, heißt es vom DWD-Pressesprecher. Das Risiko, dass in Franken ein Tornado auftritt, ist nicht höher als im Rest Deutschlands, gibt Friedrich Entwarnung. Am Dienstag habe es zum Beispiel auch einen Verdachtsfall mit Trichterwolke in Baden-Württemberg gegeben.

Sind Trichterwolken gefährlich?

Der Trichter bilde sich aus einer Wolke und wächst langsam nach unten, "da passiert erst einmal noch nichts", so Friedrich. Der DWD-Experte betont aber: "Wolkentrichter sollten mit Respekt behandelt werden." Innerhalb von ein bis zwei Minuten könne der Trichter sich bis zum Boden weiterbilden und dann könne es gefährlich werden. Die Gefahr bestehe zudem darin, dass man als Beobachter nicht genau einschätzen könne, ob überhaupt und wenn ja, wann die Trichterwolke den Erdboden erreicht und zum Tornado wird.


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"Sieht man aus der Nähe einen Wolkentrichter und er kommt auf einen zu, sollte man schnell versuchen auszuweichen, wegzugehen oder, falls möglich, sich in ein geschlossenes Gebäude zurückziehen", empfiehlt der Tornadoexperte abschließend.

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