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Kult-Location schließt: GUNZlive muss den Stecker ziehen

Die Veranstalter standen zuletzt vor unlösbaren rechtlichen Problemen - 27.09.2019 10:48 Uhr

"Es gibt sehr traurige Nachrichten", schreiben die Betreiber der Eventlocation "GUNZlive" auf ihrer Homepage. Nachdem die Konzerthalle in Gunzendorf (Landkreis Bamberg) Ende 2017 übernommen wurde, wollte man eigentlich eine Plattform schaffen, "für alle, die gute Musik lieben, egal in welchem Alter". Denn der Tanzpalast hat Geschichte: Über 60 Jahre lang wurde er betrieben, in der Vergangenheit wurde lange für seinen Erhalt gekämpft.

Eines der größten Probleme war der Lärmschutz - ein Gerichtsurteil von 2014 hatte die Begrenzung der Live-Musik-Veranstaltungen im GUNZlive auf lediglich zehn Stück pro Jahr zur Folge. Schädlich für eine Location, die für Live-Musik gemacht ist, schreiben die Betreiber. Die Kult-Disko ist weit über die Grenzen des kleinen Ortes hinaus bekannt, Fans versuchten bereits, die Anlage mit Petitionen zu retten.

"Um einen großen Lärmschutzumbau zu realisieren, haben wir bereits viel Geld und Arbeit in ein neues Lärmschutzkonzept - ausgearbeitete Architekturpläne, Statik und Brandschutzkonzepte - investiert", heißt es weiter. Doch das sei vergebens gewesen, nun stünde man vor einem unlösbaren rechtlichen Problem.

Langjährige Klagewelle

Am 1. August fand die erste Verhandlung einer Klage statt. Verklagt wurde das Landratsamt Bamberg als Vertreter des Freistaates Bayern, das GUNZlive-Team war begleitende Partei. Die verhandelte Klage drehte sich um die bis dato genehmigten Sonderveranstaltungen für Live-Musik - mit dem Ergebnis, dass bis auf weiteres keinerlei Live-Musik-Veranstaltungen mehr abgehalten werden dürfen.

Des Weiteren wurde dem Statement auf der Homepage zufolge eine zweite Klage in Form einer kompletten Nutzungsuntersagung eingereicht. Ihr Ziel ist es, dass überhaupt keine Veranstaltungen mehr in den Räumlichkeiten abgehalten werden dürfen.

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Trotz der mittlerweile über 60-jährigen Geschichte der Halle ergibt sich kein juristischer Bestandsschutz. "Die rechtlichen Rahmenbedingungen und die permanente langjährige Klagewelle mit ungewissen Ausgängen führen dazu, dass eine vernünftige Bewirtschaftung aus heutiger Sicht leider Gottes nicht gegeben ist. So sind endgültig die Tage von GUNZlive gezählt", begründen die Veranstalter online ihre Entscheidung zur Schließung der Anlage.

Somit bliebe ihnen nun nur noch die schwerwiegende Aufgabe, den Stecker zu ziehen und die Türen zuzusperren.

mch

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