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Plastikfrei einkaufen: Das ist der Unverpackt-Laden in Bamberg

Von Nudeln bis zu Süßigkeiten: Zwei Geschwister bieten nachhaltige Shopping-Alternativen - 05.09.2019 16:23 Uhr

Verstehen sich durch ihren Laden noch besser: Die Geschwister Theres Gerischer (l.) und Alina Minier. © Felix Schwarz


Die Geschwister Theres Gerischer (21) und Alina Minier (23) eröffneten vor etwa anderthalb Jahren ihren Laden und das mit dem Ziel, darin möglichst wenig Verpackung und vor allem wenig Plastik zu verbrauchen. Beide Bambergerinnen absolvierten eine Ausbildung als Flechtwerkgestalterin, bei der Arbeit mit Naturmaterialien verstärkte sich ihr Bewusstsein für die Umwelt.

Bereits seit ihrem 16. Lebensjahr sei Gerischer für Umwelt- und Klimafragen sensibilisiert. Aktiv wurde die jüngere der beiden Schwestern erst später: „Irgendwann bin ich einkaufen gegangen und dachte mir: So viel Plastik braucht kein Mensch. Ich wollte den immensen Verpackungsverbrauch einfach nicht mehr akzeptieren und habe meiner Schwester vorgeschlagen, gemeinsam einen Unverpackt-Laden aufzumachen." Minier hatte allerdings zunächst andere Pläne. „Alina wollte eigentlich auf Weltreise gehen. Es hat etwas Überzeugungsarbeit gebraucht, aber nach einer gewissen Zeit war sie dabei", so Gerischer.

Glasbehälter statt Plastikverpackung

Zahlreiche Nudelsorten gibt es aus Spendern.


Umweltschonendes Konsumieren liegt im Trend. Das Geschäft von Gerischer und Minier verkörpert den aktuellen Zeitgeist. Nachdem Bamberg und Nürnberg mit einem Unverpackt-Laden vorgelegt haben, wollen Fürth und Erlangen nachziehen. Das Konzept ist simpel: Die Kunden bringen ihre eigenen Gefäße mit, diese müssen entweder zu Hause oder im Laden gewogen und beschriftet werden. Jedes Produkt benötigt ein eigenes Gefäß.

Geschützt durch eine Gitterbox oder Papierkartons kommen die Lieferungen auf einer großen Palette an, zudem werden Papiersäcke und Pfandgläser verwendet. Bei der Bestellung ihrer Drogerieartikel hingegen greifen Gerischer und Minier auf viele verschiedene Händler zurück.

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Ohne Kompromisse geht es nicht

Das große Ziel der beiden besteht darin, auf Plastik zu verzichten und auf regionale Bio-Produkte zu setzen. In der Praxis gelingt dies allerdings nicht zu 100 Prozent. „Wir können beispielsweise bei Trockenfrüchten und manchen Nüssen einfach nicht komplett auf Plastik verzichten“, gesteht Gerischer ein. „Innerhalb von zwei Wochen kommen somit etwa zwei gelbe Säcke zusammen.“ Im Vergleich zu großen Supermarktketten und -discountern werde jedoch deutlich mehr Plastik gespart.

Indes ist etwa die Hälfte aller Produkte regionaler Herkunft. „Weil die Kunden zum Beispiel nach bestimmten Hülsenfrüchten fragen, bestellen wir auch Artikel aus China.“ Gerischer sieht das pragmatisch: „Bevor die Leute in andere Läden gehen und dieselben Produkte mit viel Verpackung kaufen, sollen sie diese lieber bei uns verpackungsfrei erhalten.“ Da sich nur Bio-Produkte im Sortimentbefinden, bemühen sich die Geschwister aktuell um ein offizielles Bio-Siegel.

Nachhaltig leben rund um Nürnberg, Fürth, Erlangen: Diese Karte gibt einen Überblick über Unverpacktläden, Milchtankstellen, Second-Hand-Läden. Wenn die Karte nicht angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.

Wie teuer ist es, plastikfrei einzukaufen?

"Gerade in der Anfangszeit kamen viele Leute vorbei, um sich über Kleinigkeiten zu beschweren. Das war sehr nervig“, blickt die 21-Jährige zurück. "Wir sind nicht perfekt, aber das ist auch nicht möglich." Mittlerweile kann der Unverpackt-Laden in Bamberg zahlreiche Stammkunden vorweisen, das Klientel ist buntgemischt. „In erster Linie kommen viele junge Familien zu uns. Studenten schauen hingegen nur sporadisch vorbei und tätigen Kleineinkäufe“, stellt Gerischer heraus. "Die haben einfach nicht so viel Geld.“

Mit der Behauptung, nachhaltiger Konsum wäre nur etwas für Besserverdiener, kann Theres Gerischer jedoch nichts anfangen: "Ich weiß natürlich nicht, wie viel unsere Kunden verdienen, doch bei uns kaufen Durchschnittsbürger ein." Da die Geschwister lediglich einmal in der Woche eine Bestellung aufgeben, könne der Bamberger Unverpackt-Laden keine hohen Mengenrabatte herausschlagen. "Wenn ich unsere Preise mit denen von Bio-Läden vergleiche, befinden wir uns im mittleren Preisniveau“, so Gerischer.

Der Bamberger Unverpackt-Laden hat nicht nur Lebensmittel zu bieten: Unter anderem befinden sich Bambus-Zahnbürsten, biologische Seifen und Bambusbecher im Angebot.


Neben dem Geschäft in der Luitpoldstraße bieten die Geschwister einen Online-Shop an, für den Versand finden ausschließlich bereits benutzte Kartons Verwendung. Der Laden erwirtschaft durchgehend Gewinne, derzeit sind drei Mitarbeiter beschäftigt. Dabei soll es aus Gerischers Sicht allerdings nicht bleiben: "Meine Schwester und ich würden uns gerne aus dem Alltagsgeschäft zurückziehen, um uns auf die Bestellungen und die Organisation zu konzentrieren. Hierfür würden wir gerne noch zwei bis drei zusätzliche Mitarbeiter einstellen.“

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Der Bekanntheitsgrad wächst

Die Bamberger nehmen das Geschäft gut auf, doch der Unverpackt-Laden erregt auch Aufmerksamkeit bei Auswärtigen: Bilge Özel (56) ist in Deutschland geboren, lebte lange in den USA und wohnt aktuell in der Türkei. Derzeit ist sie auf Besuch in Bamberg, einige Freunde haben ihr den Laden empfohlen: "Während es in Deutschland und den USA bereits seit geraumer Zeit Bio-Läden gibt, hinkt die Türkei meines Erachtens nach etwas hinterher. Ich finde es toll, dass junge Menschen so etwas auf die Beine stellen.“ Durch ihren Einkauf habe sie das Gefühl, im Kleinen etwas bewegen zu können.

Den Unverpackt-Laden in Bamberg finden Sie in der Luitpoldstraße 36. Das Geschäft ist Montag bis Freitag von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, am Samstag von 10 bis 16 Uhr.

Felix Schwarz

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