Verfall in Bambergs Altstadt: Stadt will jetzt Gebäude kaufen

Tobi Lang
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Online-Redakteur

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28.8.2019, 16:30 Uhr
In stundenlanger Arbeit zog das Technische Hilfswerk (THW) ein sogenanntes

In stundenlanger Arbeit zog das Technische Hilfswerk (THW) ein sogenanntes "Stützkorsett" an der Fassade hoch. © Stadt Bamberg

Dicke Holzbalken stützen das denkmalgeschützte Gebäude in der Oberen Sandstraße 20, ein Gerüst hüllt sich um die Fassade. Noch vor wenigen Wochen wurde hier gefeiert, das "Sound-n-Arts" galt als Bamberger Institution. Besonders Studenten machten hier bis spät in die Nacht Party. Doch die Diskothek ist Geschichte, was viel mit dem Verfall des historischen Gebäudes zu tun hat. Kurz vor der Sandkerwa musste die Stadt das Haus wegen akuter Einsturzgefahr notsichern. Es habe "Gefahr für Leib und Leben" bestanden, teilen die Verantwortlichen mit. Besonders während der Kerwa, bei der sich Tausende durch die engen Gassen der Altstadt schlängelten, sorgte das für Probleme - und Entsetzen unter den Bambergern. 

Wie es dazu kommen konnte, dass das Haus zur Schrott-Immobilie verkommen konnte, darüber scheiden sich die Geister. Die Stadt wirft dem Investor, der German Property Group aus der Nähe von Hannover, vor, dass Gebäude verfallen zu lassen. Die Bamberger Linke Liste (BaLi) macht dabei Druck, forderte erst kürzlich, man müsse das Haus "notfalls auch gegen den Willen der Gruppe" in kommunale Hand bringen. "Es kann nicht sein, dass Profit unser schönes Bamberg zerstört", sagte Stadtrat Heinrich Schwimmbeck. 

"Wir werden nicht tatenlos zusehen"

Jetzt reagiert die Stadt. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn hier vorsätzlich ein Denkmal dem Verfall preisgegeben wird", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke. Bisher sei das Gebäude, entgegen kursierender Gerüchte, nicht in kommunaler Hand. Lediglich die Notsicherung übernahm die Stadt, weil akut Gefahr im Verzug gewesen sei. Die Kosten, das betonen die Verantwortlichen in einer Pressemitteilung, werden dem Eigentümer "vollumfänglich in Rechnung gestellt". Dazu gehören auch die Zusatzkosten, die während der Sandkerwa anfielen. 

Seit längerer Zeit verhandelt die Stadt mit dem Eigentümer über einen Ankauf des Gebäudes - bisher erfolglos. Die Preisvorstellungen der Investorengruppe seien völlig unrealistisch. Man könne "keine Mondpreise bezahlen", sagt Starke. Die Eigentümer wollen nun aber ein gemeinsames Verkehrswertgutachten erstellen lassen, der Oberbürgermeister spricht dabei von einem "Richtungswechsel". 

"Beste Chancen zum Erhalt des Gebäudes"

Doch ist das Denkmal in der Oberen Sandstraße 20 überhaupt noch zu retten? Man sehe "die besten Chancen zum Erhalt des Gebäudes, wenn der Eigentümer bereit ist, den Komplex an die Stadt zu verkaufen", heißt es aus der Verwaltung. "Dann ist der Weg frei, um die dringend notwendige Sanierung rasch in Angriff zu nehmen." Gutachten attestierten dem Gebäude erst kürzlich, dass es in einem baulich kritischem Zustand sei. Tragende Bauteile, etwa Deckenbalken sowie Innenwände, seien eigenmächtig entnommen worden. "Die Standsicherheit war akut bedroht", sagt Thomas Beese, Baureferent der Stadt Bamberg. Die Sperrung war unumgänglich. 

Noch einige Monate, davon ist auszugehen, werden die Bamberger mit dem sogenannten "Stützkorsett" in der Oberen Sandstraße leben müssen. Auf die Investoren warten will die Stadt bei der dringend notwendigen Sanierung nicht unbedingt. Unabhängig von den Kaufpreisverhandlungen schlägt Oberbürgermeister Starke ein Sanierungsgebot vor. Das heißt: Die Kommune kann den Eigentümer zu Maßnahmen zwingen. Darüber wolle man im Bausenat Anfang Oktober entscheiden. Die Entscheidung fällen die Stadträte. 

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