Donnerstag, 12.12.2019

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Waldschutz: Ein Zeichen für einen Nationalpark im Steigerwald

Bamberger Fridays-For-Future-Aktivisten demonstrierten im Ebracher Forst - 06.08.2019 20:49 Uhr

Statt auf Bambergs Straßen wurde diesmal unter Baumkronen demonstriert: Die jungen Klimaaktivisten von Fridays-for-Future Bamberg setzten ein Zeichen für einen Nationalpark im nördlichen Steigerwald. © Lena Knauer


Diesmal zog es die jungen Klimaaktivisten nicht wie zu den bekannten Freitagsdemonstrationen auf Bambergs Straßen, sondern in den Steigerwald: Im Rahmen einer Waldspaziergangs-Demonstration am Sonntag, den 28. Juli 2019, wollten sie ein klares Zeichen für einen Nationalpark im Steigerwald setzen und hervorheben, warum die Ausweisung eines Naturschutzgebiets im nördlichen Teil des Waldes so bedeutend ist – vor allem in Bezug auf den aktuell so nachdrücklich diskutierten Klimaschutz. 

"Ohne Wald keine Zukunft"

Vor Ort war neben Dr. Liebhard Löffler, dem ersten Vorsitzenden des Vereins Nationalpark Steigerwald auch Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion: "Ich bin begeistert, dass so viele junge Bamberger sich auch in den Ferien auf in den Steigerwald gemacht haben, um ein Zeichen zu setzen. Der Wald ist und bleibt unser stärkster Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise. Wir können nicht international den Erhalt des Regenwaldes in Brasilien fordern und bei uns vor der Haustüre Wälder selbst nur als Profitquelle betrachten. Erst wenn wir den Buchenwald sich selbst überlassen, kann er sein volles Klimapotential entfalten, mehr Wasser im Boden halten und riesige Mengen CO2 in den Stämmen speichern." Neu ist die Forderung nach mehr Naturschutz im Steigerwald bzw. der Ausweisung eines dortigen Nationalparks nicht, im Gegenteil – die Fridays-For-Future-Aktivisten haben den Ruf nun aber wieder lauter werden lassen.

"Fridays for Future goes Steigerwald"

Im Rahmen eines Spaziergangs durch den Steigerwald versorgten Tim-Luca Rosenheimer und Joshua Wolf die rund 60 Anwesenden mit Informationen rund um die Notwendigkeit eines Nationalparks und die Problematik der aktuellen Forstpolitik. © Lena Knauer


"Bereits seit 1988 ist bekannt, dass der Steigerwald und insbesondere der Ebracher Forst aufgrund von Rotbuchenurbeständen und der sehr diversen Artenvielfalt besonders schützenswert ist", so Tim-Luca Rosenheimer von Fridays-For-Future Bamberg. "Die Notwendigkeit von naturbelassenen Buchenwäldern lässt sich durch die abkühlende Wirkung, die gute Speicherung von CO2 im Boden und der deutlich stärkeren Resistenz gegen Schädlinge, Unwetter und Trockenheit rechtfertigen.​ Wir möchten mit unseren Aktionen, von denen es im Herbst noch einige mehr geben wird, Aufmerksamkeit für das Thema generieren und mehr Menschen für das Thema sensibilisieren". 

Schutzgebiet im Steigerwald bereits lange in der Diskussion

Der Naturpark Steigerwald im Herzen Frankens zwischen Bamberg, Nürnberg, Würzburg und Rothenburg ob der Tauber umfasst rund 128.000 Hektar, vorrangig Laubwald mit der Buche als vorherrschende Baumart. Vor drei Jahren, als der Bayerische Landtag den Vorstoß wagte und ankündigte, einen dritten Nationalpark in Bayern auszurufen, wurde der Steigerwald ausgeklammert – den Unterstützern des Nationalparks Steigerwald völlig unverständlich. Schließlich war die Diskussion um ein Großschutzgebiet im Steigerwald schon sehr fortgeschritten, bereits 2007 lag ein Vorschlag vor, 2012 ein erster Entwurf für eine Nationalparkverordnung. Der Steigerwald, besonders der nördliche, rund 11.000 Hektar große und ausschließlich Staatswald umfassende Teil zwischen Ebrach, Gerolzhofen und Eltmann ist nach Meinung der Unterstützer geradezu prädestiniert, um als erster fränkischer Nationalpark ausgewiesen zu werden. 

Umstrittenes Thema 

Doch die Thematik rund um einen möglichen Nationalpark Steigerwald ist seit Beginn an viel diskutiert und ruft sehr gegensätzliche Meinungen hervor. Es stehen sich zwei Seiten gegenüber – neben den Befürwortern gibt es auch Gegner, die sich ebenfalls zusammengeschlossen haben und eine Ausweisung eines Nationalparkes im Steigerwald verhindern möchten. Das gesamte Projekt scheiterte im April 2018, Markus Söder beendete das Vorhaben und einen dritten Nationalpark gibt es bis heute nicht. Nun aber im Rahmen des im Mai diesen Jahres durchgeführten Volksbegehren Artenvielfalt ein neues Versprechen: Bis 2023 sollen 10% der Staatswälder unter Naturschutz gestellt werden – der Schutz eines Teils des Steigerwaldes könnte hier ein Anfang sein und wäre in den Augen der unterstützenden Initiativen dringend notwendig: In Deutschland werden rund 98% aller Waldflächen bewirtschaftet, sind damit Nutzwald und werden, so heißt es auf der Homepage des Vereins Nationalpark Steigerwald, die biologische Vielfalt auf Dauer nicht erhalten. Daher wird gefordert, mindestens 10.000 Hektar des Waldes als Schutzgebiet auszuweisen und der Biodiversität dort die Möglichkeit zu bieten, sich völlig frei zu entwickeln. 

Katja Kiesel

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