Bedrohung durch Militär-Gifte wächst

5.6.2019, 20:08 Uhr
Soldaten üben auf dem US-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr in der Oberpfalz mit militärischem Gerät. Wie an anderen Standorten auch, kommt dabei immer wieder Löschschaum zum Einsatz. Der gilt als Ursache für die Belastung mit per- und polyfluorierten Chemikalien.

Soldaten üben auf dem US-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr in der Oberpfalz mit militärischem Gerät. Wie an anderen Standorten auch, kommt dabei immer wieder Löschschaum zum Einsatz. Der gilt als Ursache für die Belastung mit per- und polyfluorierten Chemikalien. © Foto: Gerald Morgenstern

Auf eine Anfrage des Ansbacher Bundestagsabgeordneten Harald Weinberg (Die Linke) veröffentlichte das Bundesfinanzministerium — es ist für die Liegenschaften zuständig, die von der US-Armee genutzt werden — eine Liste mit bundesweit 36 Standorten, an denen eine Kontaminierung bestätigt wird.

Bei insgesamt neun davon hat sich diese auf Gewässer und Böden außerhalb der Kasernen ausgeweitet. Und das gilt eben auch für den US-Flugplatz Katterbach bei Ansbach und den US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/Waldnaab). Als aktuell oder ehemals von der Bundeswehr genutzte Kasernen tauchen in der Liste die bayerischen Standorte Manching (Kreis Pfaffenhofen), Penzing (Kreis Landsberg) und Memmingerberg (Kreis Unterallgäu) auf.

Die Stoffe gelten als krebserregend und sollen die Fruchtbarkeit einschränken. Als Ursache für die Vergiftungen wird meist der Einsatz von Löschschäumen angegeben. Erst kürzlich war nach einem Bericht der Fränkischen Landeszeitung (FLZ) in der Ansbacher Stadtverwaltung und unter Stadträten deutlich Unmut über das Verhalten der US-Stellen, aber auch deutscher Behörden, laut geworden. Man werde "mit dem Zeug" alleingelassen, hieß es.

Karte mit Hotspots

Seit über einem Jahr liege, so der Ansbacher Rechtsreferent Udo Kleinlein, eine Karte mit den Hotspots der PFC-Verteilungen vor. Es sei nicht mehr tolerierbar, mit Gegenmaßnahmen zu warten, weil das Grundwasser gefährdet sei.

Ansbachs OB Carda Seidel (parteilos) zeigte sich dabei "schockiert" über die Verzögerungstaktik der Verantwortlichen bei der US-Armee. Diese hatten detaillierte Untersuchungsergebnisse angekündigt, selbstgesetzte Termine in der Vergangenheit aber verstreichen lassen. Die US-Armee Garnison Bavaria versichert dagegen, man habe alle Anfragen deutscher Behörden zum Thema PFC/PFOS beantwortet, geforderte Studien durchgeführt und deren Ergebnisse übermittelt. Als Bremser wird in Ansbach auch die Landesbaudirektion (LBD) gesehen, die Seidel schriftlich um Unterstützung gebeten hatte.

In Ansbach wird vermutet, dass die Behörde zögere, weil es an Bundeswehrstandorten ebenfalls PFC-Probleme gebe. Tatsächlich ist das Gelände der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth laut einem Gutachten der Bundeswehr durch die Giftstoffe aus Löschschaum erheblich belastet (wir berichteten). Dort herrscht Angst, das Gift könne in nahegelegene Fischweiher gespült werden. Und auch zivile Flughäfen sind betroffen. Am Nürnberger Airport ist PFC kiloweise aus dem Boden geholt worden.

Ansbach hat nun laut FLZ Druck auf deutsche Umweltbehörden angekündigt. Zwangsmaßnahmen gegen US-Stellen gelten als aussichtslos. Außerdem sollen im Außenbereich der US-Kaserne, wo das Grundwasser bereits PFC-geschädigt ist, Messstellen installiert werden.

Harald Weinberger verlangt grundsätzlich mehr Aufklärung über den Einsatz PFC-haltiger Stoffe und erwartet von der Bundesregierung, dass sie Druck auf die Verursacher der Verseuchung macht, "das muss nicht zuletzt für die USA gelten".

Die Zeit dränge, so der Linke-Politiker: "Das Gift sickert ja immer weiter, wenn nicht schnell saniert wird."

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