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Bei den Bauern geht es um die Milch

Dem anhaltenden Preisdruck entgegenwirken - Kundgebung und Konferenz - 09.04.2013 09:24 Uhr

Bei der Agrarministerkonferenz diese Woche in Berchtesgaden wollen die Milchbauern wieder für ihre Forderungen nach höheren Preisen und einer besseren Mengensteuerung auf die Straße ziehen. (Archivfoto) © dpa


Der Milchpreis bleibt Streitthema zwischen Landwirten und Politik. Zur Agrarministerkonferenz in Berchtesgaden in dieser Woche erneuern die Milchbauern ihre Forderungen nach höheren Erzeugerpreisen und einer besseren Steuerung der Milchproduktion. «Das Mengen-Management ist das Erfolgsrezept jedes Unternehmens», sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, in München. Nur so könne dem anhaltenden Preisdruck entgegengewirkt werden. «Wenn wir kein Regulativ haben, dann produzieren ein paar drauf los, egal wie die Marktsituation ist, und alle halten den Kopf hin.» Das bedeute eine Kollektivhaftung, die nicht marktwirtschaftlich sei.

Während der Konferenz an diesem Donnerstag und Freitag (11. und 12. April) wollen die Milchbauern unter anderem mit einer Kundgebung und einer Schlepperrundfahrt für ihre Anliegen eintreten. «Wir wollen schon ein deutliches Zeichen setzen», sagte Schaber. Mit durchschnittlich 33 Cent je Kilo liege der Milchpreis derzeit um etwa 15 Cent unter einem auskömmlichen Niveau. «Um Rücklagen bilden zu können, brauchen wir ab sofort 50 Cent, das wird auch jetzt in Berchtesgaden und in Zukunft unsere Forderung sein.»

Als sinnvolles Instrument zur Steuerung der Milchmenge in Krisensituationen bezeichnete Schaber den vom EU-Parlament beschlossenen freiwilligen Produktionsverzicht. Bei einbrechenden Milchpreisen sollen demnach Landwirte, die mehr produzieren als in den jeweiligen Vorjahren, zeitlich befristet eine Abgabe zahlen, die solchen Milchbauern zugutekommt, die freiwillig weniger produzieren. Ziel ist eine Entlastung des Marktes. «Das ist ein Instrument zur Krisenbewältigung, das die Politik und Gesellschaft kein Geld kostet, weil die Branche das selber finanziert», sagte Schaber. Als zukunftsorientiert bezeichnete er auch die ebenfalls vom EU-Parlament beschlossene Marktbeobachtungsstelle, weil dort die Fäden zusammenlaufen könnten.

Dagegen sei die von der schwarz-gelben Bundesregierung befürwortete Einlagerung von Milch bei Überproduktion und Preisverfall problematischer. Auch Exportsubventionen und das Abschieben von Überproduktion auf Drittlandsmärkte lehnte Schaber ab. Beide Maßnahmen kosteten öffentliches Geld und verzerrten den Markt.

Generell warf der Verbandschef der Bundesregierung eine Blockadehaltung vor, die auch die Landwirte aus dem europäischen Ausland verärgere. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte zuletzt Forderungen nach einer Verlängerung der bis 2015 laufenden europaweiten Milchquote eine Absage erteilt. Stattdessen müssten sich die Bauern besser organisieren und teurere Produkte anbieten, um profitabel zu wirtschaften. «Da haben wir gar nichts dagegen, das sagen wir auch, dass sich die Bauern zusammenschließen müssen», sagte Schaber. «Aber das alleine reicht nicht aus.» Es müsse auch Möglichkeiten für die Erzeuger geben, das Angebot besser zu steuern. 

Gespräch: Christine Schultze (dpa)

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