Bahnunglück bei Garmisch-Partenkirchen

Bergung geht weiter: Zahl der Toten gestiegen

oha, dpa

zur Autorenseite

4.6.2022, 14:50 Uhr
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besucht am Samstag den Unglücksort.

© Angelika Warmuth/dpa Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) besucht am Samstag den Unglücksort.

Es ist ein Bild des Grauens, dem sich seit Freitag unzählige Rettungskräfte im oberbayerischen Garmisch stellen müssen. Dort war gegen Mittag ein Zug entgleist. Noch immer werden Menschen vermisst.

Was ist geschehen?

Gegen 12.30 Uhr war am Freitag, 4. Juni, ein Regionalzug auf seinem Weg von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Auf Höhe des äußeren Garmischer Ortsteils Brugrain kippten mehrere Waggons eines Doppeldecker-Zugs um und rutschten eine Böschung hinab.

Laut Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) waren am Unglück weder ein zweiter Zug noch ein anderes Fahrzeug beteiligt. "Die genaue Unfallursache steht noch nicht fest", sagte er am Samstag. "Vor Ort waren alle Experten der Meinung, dass die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt am Gleis oder am Zug sein müsste."

Seinen Angaben zufolge sollten im Laufe des Tages weitere Experten anreisen, um mögliche Gründe weiter auszuloten. "Es geht jetzt darum, die Unfallursache genau und rasch zu klären."

Wie viele Opfer und Verletzte gibt es?

Etwa 140 Personen befanden sich am Freitag in dem Regionalexpress, als das Unglück geschah. Bis zum Freitagabend zählten die Rettungskräfte mindestens vier Tote und etwa 30 Verletzte, darunter auch Kinder. Einige Opfer erlitten schwerste Verletzungen und mussten notoperiert werden. Unter den vier bestätigten Toten befanden sich nach Polizeiangaben von Samstagvormittag keine Kinder. 15 Verletzte kamen in Krankenhäuser, 12 Hubschrauber waren im Einsatz. Die Menschen seien durch die Fenster gezogen worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei gegenüber der dpa am Freitag. Am Samstagnachmittag wurde bekannt, dass ein fünfter Toter geborgen wurde.

Drei Todesopfer, die unter einem umgestürzten Waggon lagen, wurden noch am Freitagabend geborgen. Ein vierter Mensch starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Bei den Toten soll es sich um vier erwachsene Frauen handeln.

Münchens Kardinal Reinhard Marx sagte am Freitagabend, er sei "schockiert und traurig, dass bei diesem schlimmen Unfall Menschen aus der Mitte des Lebens gerissen, getötet oder teilweise schwer verletzt wurden". Der Verlust, den die Angehörigen der Verstorbenen zu erleiden hätten, sei "schwer erträglich und mit Worten nicht begreifbar zu machen".

Das ist noch unklar

Die Polizei sprach am Samstag von einer "einstelligen Zahl" Vermisster. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich unter den umgekippten Waggons noch weitere Opfer befinden. Am Freitagabend wurde dazu ein schwerer Kran in München angefordert.

Die Bergungsarbeiten gestalteten sich schwierig. Zwei Versuche, die Waggons anzuheben, scheiterten. Dabei wurden auch Hebekissen eingesetzt. Die Waggons seien "verdreht und verwunden", sagte der Polizeisprecher. "Das macht die Bergung so schwierig. Man muss Schritt für Schritt vorgehen", sagte der Sprecher.

Die Deutsche Bahn (DB) hat eine Sonder-Hotline geschaltet unter: 0800 3 111 111.

Wie geht es weiter?

Mithilfe von Sachverständigen des Eisenbahnbundesamts soll herausgefunden werden, warum der Regionalzug auf der eingleisigen Strecke entgleist ist. Der Lokführer wurde nach Polizeiangaben zwar vernommen. Was er gesagt hat, teilte die Polizei nicht mit.

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen kündigte an, dass bis zum Ende der Bergungsarbeiten voraussichtlich Mitte nächster Woche auch der Autoverkehr in der Region von Behinderungen betroffen sein werde. So soll weiterhin der Verkehr von der Autobahn 95 großräumig umgeleitet werden, die Fernstraße bleibt in Richtung Süden gesperrt.

Am Samstag besuchte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Unglücksstelle. "Es ist ein unfassbares Ereignis", sagte er. "Wir hoffen sehr, dass es keine weiteren Todesfälle gibt." Ein solches Unglück sei immer ein Schock und ein "Stich ins Herz". Es ein Zug gewesen, der für viele Schüler da war. "Man muss sich das jetzt so vorstellen: Es ist kurz vor den Ferien, im Zug ausgelassene Stimmung, in einer der schönsten Regionen, die Bayern ja hat - und dann passiert sowas und verändert möglicherweise ein Leben komplett."