Kritik am Gehalt

Bezirkskliniken Mittelfranken: Der Chef verdiente 380.000 Euro im Corona-Jahr 2020

Hans-Peter Reitzner und Anne Kleinmann

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27.10.2021, 07:03 Uhr
Seit 2020 ist er alleiniger Chef der Bezirkskliniken Mittelfranken: Dr. Matthias Keilen.

Seit 2020 ist er alleiniger Chef der Bezirkskliniken Mittelfranken: Dr. Matthias Keilen. © Diane Mayer

Ende 2019 beschloss der mittelfränkische Bezirkstag, sich vom Affären-belasteten Chef seiner Kliniken, Helmut Nawratil, zu trennen, und bestimmte später den bisherigen Stellvertreter als Nachfolger.

Damals brüsteten sich die Politiker im Bezirk damit, der neue Vorstand werde wesentlich weniger verdienen als der großspurige Vorgänger. Doch tatsächlich scheint es damit zumindest im Jahr 2020 nicht weit her gewesen zu sein, finden etliche Bezirksräte.

Hans Popp sprach es an

Vertraulich geben einige Volksvertreter zu, dass sich an der Höhe der Bezüge und der gesonderten Zusatzzahlungen intern Kritik rührt.

Hans Popp (CSU) aus Merkendorf indes sprach es in der gestrigen Sitzung des Bezirkstags auch öffentlich an und hinterfragte, weshalb der neue Chef der Bezirkskliniken Mittelfranken, Dr. Matthias Keilen, im Jahr 2020 summa summarum 377.000 Euro überwiesen bekommen hat – so viel wie sein Ex-Chef.

Bericht legt Gehalt offen

„Das ist schon sehr viel Geld“, räumte Bezirkstagspräsident Armin Kroder (Freie Wähler) unumwunden ein, „das sind hohe Beträge.“ Publik sind die Summen durch den Beteiligungsbericht 2020 geworden, in dem auch die Bilanz des eigenständigen Kommunalunternehmens Bezirkskliniken offengelegt wird und der unserer Redaktion vorliegt.

Begründet wird die Höhe der Bezüge damit, dass der Bezirkstag zum 1. Januar 2020 eine Änderung der Organisationsstruktur beschlossen hatte. Das Vorstandsgremium besteht seitdem aus zwei gleichberechtigten Personen, einem strategischen Vorstandsmitglied und einem operativen Vorstandsmitglied, um durch diese Doppelspitze das Vier-Augen-Prinzip einzuführen.


Ärger um Nawratil


Damit sollte ein Schlussstrich unter die Affäre um den selbstherrlichen Klinikvorstand Helmut Nawratil gezogen werden, dem der damalige und kurz darauf abgewählte Bezirkstagspräsident Richard Bartsch und seine CSU stets die Stange gehalten, sein Gehalt verdoppelt und ihm zuletzt sogar noch Entlastung erteilt hatten (wie nordbayern.de exklusiv berichtete).

Der Bezirkstag Mittelfranken in Ansbach tagt: Thema war auch das Gehalt 2020 des Klinikchefs.

Der Bezirkstag Mittelfranken in Ansbach tagt: Thema war auch das Gehalt 2020 des Klinikchefs. © James Edward Albright Jr, NNZ

Die regulären Bezüge des gesamten Vorstands als Organ betragen seitdem rund 500.000 Euro, die sich jeweils etwa zur Hälfte auf die beiden Vorstandspositionen verteilen, bestätigt die Pressestelle der Bezirkskliniken auf Anfrage unserer Redaktion.

Doch weil der zweite Posten des operativen Vorstands erst 2021 besetzt werden konnte, habe der strategische Vorstand Keilen im Jahr 2020 die Aufgaben des Gesamtvorstandes alleine erfüllen müssen, so Sprecherin Dr. Ariane Peine: „Aufgrund der sich daraus ergebenden monatlichen Sondervergütung betrugen die Bezüge des Vorstands in 2020 rund 380.000 Euro.“

Die Besetzung der Position des operativen Vorstandsmitglieds verzögerte sich, weil ein erstes Auswahlverfahren scheiterte, wie Insider berichten; daher übt Melanie Zeitler-Dauner das operative Geschäft erst seit 1 . März 2021 aus.

Während des Jahres 2020 und bis zu diesem Datum lag die alleinige Verantwortung bei Matthias Keilen, bisheriger Vize Nawratils, der sich von seinem Chef distanziert hatte.

„Es waren turbulente Zeiten damals“, sagt der neue Bezirkstagspräsident Armin Kroder im Gespräch mit unserer Zeitung. In einem entsprechenden Licht müssen die Gespräche über die (vorübergehenden) Bezüge des neuen Chefs der Bezirkskliniken heute gesehen werden.

Ergebnis: Für die Zeit seiner Alleinherrschaft wurden Keilen die vereinbarten 250.000 Euro Fixgehalt im Jahr zugestanden (auf fünf Jahre festgeschrieben), zusätzlich zum Dienstwagen aber noch 10.000 Euro pro Monat als Ausgleich für die fehlende zweite Vorständin – und obendrauf auch noch die Teilnahme an allen Tariferhöhungen des öffentlichen Dienstes.

Vor allem die Tatsache, dass ein Manager an Tariferhöhungen beteiligt wird, sei im Geschäftsgebaren völlig unüblich, raunen Kritiker hinter vorgehaltener Hand.

Heute sieht die Überweisung anders aus: Seitdem nicht mehr ein alleiniger Vorstand regieren muss, bekommen beide Vorstände je 250.000 Fixgehalt aufs jeweilige Konto.

Allerdings: Ergänzt werden muss, das schreiben kritische Geister den Entscheidern ins Stammbuch, dass nicht alle Mitglieder des für solche Fragen zuständigen Verwaltungsrats der Bezirkskliniken bei der anstehenden Genehmigung grünes Licht gaben. Die Abstimmung ging 6 zu 4 aus – drei CSU-Bezirksräte und der Linke verweigerten damals ihre Zustimmung.

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