Donnerstag, 21.11.2019

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BR-Studio-Franken-Chef: "Wir gehen Vorwürfen sofort nach"

Bei sexueller Belästigung gilt im BR null Toleranz, so Tassilo Forchheimer - 21.10.2019 05:55 Uhr

Nach dem Wirbel um mögliche oder tatsächliche Gründe für den Abgang von Kathrin Degmair als Chefin des BR-Studios Franken soll nun der neue Leiter, Tassilo Forchheimer, für Ruhe sorgen. © Stefan Hippel


Eine große süddeutsche Zeitung hat an zwei Wochenenden nacheinander groß über das Nürnberger Studio Franken des Bayerischen Rundfunks (BR) berichtet. Grund unter anderem: Die frühere Leiterin Kathrin Degmair, deren Vertrag nicht verlängert wurde, erhebt Vorwürfe der verbalen sexuellen Belästigung gegen ein Gremienmitglied. Sie wurden in der Samstagausgabe des Blattes präzisiert.

Zum Einzelfall will und kann Nachfolger Tassilo Forchheimer - er begann seine Arbeit vor knapp drei Wochen - nichts sagen. Aber er bekräftigt im Interview mit den Nürnberger Nachrichten, dass bei solchen Vorfällen im BR null Toleranz gilt. Es gibt nach seiner Ansicht genügend Anlaufstellen, um solche Vorfälle zu melden, zum Beispiel die Gleichstellungsbeauftragte, den Ombudsmann oder auch die Vorgesetzten. Die Leitung des Senders habe immer wieder deutlich gemacht, dass es hier keine Kompromisse geben dürfe.


Sexuelle Belästigung? Ex-Chefin des BR-Studios Franken erhebt schwere Vorwürfe


Auch zu anderen Vorwürfen nahm Tassilo Forchheimer Stellung: "Das Studio Franken ist keine Baustelle, wo für Ordnung gesorgt werden muss; ich habe vom kommissarischen Studioleiter Martin Wagner ein gut bestelltes Haus übernommen. Ich erlebe motivierte, kompetente Mitarbeiter und es macht mir großen Spaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten."

Entgegen anderen Annahmen läuft nach seiner Aussage auch der Neubau eines Mulitfunktionssaales finanziell nicht aus dem Ruder: Acht Millionen Euro an Kosten "waren angesetzt, 8,25 werden es jetzt wohl werden".

Sparkurs beim BR

Andererseits muss der Bayerische Rundfunk sparen, und das macht sich auch im Studio Franken bemerkbar. "Wir sind bei der Technik in einem Abbaupfad", so Forchheimer, bewährte, gut eingspielte Arbeitsabläufe müssten verändert werden. Außerdem: "Die Arbeitsverdichtung macht sich bemerkbar, die Arbeitswelt für Journalisten verändert sich wie überall."

Forchheimer verweist darauf, dass die öffentlich-rechtlichen Sender seit 2009 keinen Inflationsausgleich mehr erhalten hätten, aber alles teurer wird: "Das muss an anderer Stelle eingespart werden."

Forchheimer, dessen Arbeitsvertrag wie beim BR üblich fünf Jahre läuft, hofft, des es in dieser Zeit keinen dramatischen Personalabbau geben wird. Derzeit hat das Studio an allen Standorten etwa 300 Mitarbeiter: "Ich hoffe, das wir uns unserer Tradition bewusst bleiben und trotzdem eine Antwort finden auf all die modernen Herausforderungen. Das heißt vor allem: Schlagkräftiger  im Online-Bereich, ohne das große Erbe dieses Studios zu verraten."

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