Brandbrief an Söder: Für Bayerns Messen läutet bald die Totenglocke

27.2.2021, 18:24 Uhr
Vor einem Jahr noch Normalität, heute erscheint die Aufnahme von der

Vor einem Jahr noch Normalität, heute erscheint die Aufnahme von der "Freizeit"-Messe im Februar 2020 wie aus einer anderen Welt. © Roland Fengler

Das fordert der Fachverband Messen und Ausstellungen (FAMA) in einem Brandbrief an den bayerischen Ministerpräsidenten Söder und warnt davor, dass der eins ums andere Mal verlängerte Lockdown zum "Totengräber der deutschen Messelandschaft" wird.


Horrorjahr für die NürnbergMesse


Richtig kalt erwischt hat es die Nürnberger Messegesellschaft Afag im vergangenen Jahr - und mit ihr natürlich alle Aussteller: Schon die "Freizeit"-Messe im Februar war von Corona-Sorgen überschattet. Die "Consumenta" musste wenige Tage vor der Eröffnung abgeblasen werden, trotz eines ausgefeilten Hygienekonzepts. Und die diesjährige "Freizeit" wurde vorsorglich schon auf Ende April/Anfang Mai verlegt; obendrein soll sie soll weitgehend im Freien über die Bühne gehen.

Freilich wagt kein Verantwortlicher die Hand dafür ins Feuer zu legen, dass das auch wirklich klappt. Denn alle Verantwortlichen scheuen Festlegungen über den unmittelbaren Tellerrand hinaus. Das sei das Kernproblem für die gesamte Branche, eine Consumenta oder eine Freizeit lassen sich eben nicht in drei Wochen aus dem Boden stampfen, machen die Afag-Geschäftsführer Henning und Thilo Könicke geltend.

Massiver Vertrauensverlust

Nach den Absagen im vergangenen Herbst haben sie längst mit einem massiven Vertrauensverlust zu kämpfen, gerade unter den Ausstellern - von kleinen Handwerkern und Dienstleistern bis zu international aufgestellten Großunternehmen. "Jetzt ist Klarheit wichtig", verlangt Henning Könicke im Namen der Afag wie der Fama. Als geschäftsführender Vorstand dieses Verbands spricht er für rund 50 Mitglieder, die mit ihren Veranstaltungen rund ein Fünftel zum großen deutschen Messekuchen beisteuern. Der in Deutschland unmittelbar rund 230000 Beschäftigte ernährt und enorme Bedeutung als Konjunkturmotor sowie für Standortförderung und Strukturpolitik besitzt.

Nun aber sei die weltweit führende Stellung existenziell bedroht, zumal in anderen Ländern der Neustart bereits vollzogen sei, heißt es in dem Offenen Brief zur "Perspektivlosigkeit im Messeland Nummer 1" an die Bayerische Staatskanzlei. Mit seinen langen Vorlaufzeiten müsse das Messewesen als eigenständiges Veranstaltungsformat anerkannt werden, fordern die FAMA-Vertreter. "Wir können über die üblichen Vorgaben hinaus nicht nur lückenlose Kontaktverfolgung gewährleisten, sondern auch für eine gute Verteilung der Besucher sorgen. Jetzt ist die Politik am Zug, diese erprobten Konzept freizugeben", meint Könicke und verweist auf Fluggesellschaften und den Profisport.

Staatliche Hilfen: Fehlanzeige

Schließlich mahnt er noch eine Gleichstellung der privaten Messeveranstalter (ohne eigenes Gelände) mit den öffentlichen an. Auf spezifische staatliche Hilfen warteten die FAMA-Mitglieder bisher angeblich vergebens. Ganz zum Däumchendrehen waren allerdings auch die Afag-Leute nicht verurteilt: Da und dort erhielt sie den Auftrag, Impfzentren aufzubauen - was freilich die ansonsten bedrohlichen Verluste nur wenig abfedert.