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Corona-Bonus-Zahlungen: Unmut in den Kitas wächst

In evangelischen Kindertagesstätten geht ein Großteil der Erzieher leer aus - 24.02.2021 06:00 Uhr

Abstand halten mit Kleinkindern ist ein Ding der Unmöglichkeit. Entsprechend waren deutschlandweit die Beschäftigten in Kindertagesstätten im vergangenen Jahr massiv von den Auswirkungen der Pandemie betroffen.

Zwischen März und November 2020 entfielen auf je 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund 160 Krankmeldungen wegen einer Coronainfektion. Das ergab eine Auswertung des Dachverbands der Betriebskrankenkassen. Damit lag die Ansteckungsrate bei den Erzieherinnen und Erziehern höher als bei den Pflegekräften in Altenheimen und medizinischem Personal in Krankenhäusern.

Hohe Belastung

Dazu kamen in den letzten Monaten die Belastungen durch die teils vielfach in Anspruch genommene Notbetreuung. Entsprechend groß ist laut Gerd Herberg der Wunsch vieler Beschäftigter in Einrichtungen der evangelischen Kirche und der Diakonie nach einem Zeichen der Wertschätzung.

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"Da sind viele Enttäuschungen da", so der Geschäftsführer des Verbands kirchlicher Mitarbeiter Bayern (VKM). Denn bisher gibt es für die meisten Fachkräfte in den rund 1450 evangelischen Kitas in Bayern keinen Corona-Bonus, was auch Sarah Heße als Fachgruppenleiterin des Sozial- und Erziehungsdiensts beim Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) kritisiert.

Lehrer und Pfleger

Denn für ausgewählte Lehrkräfte hat die Staatsregierung einen Corona-Bonus in Höhe von 500 Euro beschlossen. Auch 274.024 Anträge von Pflegekräften und Rettungsdienstlern auf eine Sonderzahlung in Höhe von 300 Euro beziehungsweise 500 Euro je nach Wochenarbeitszeit wurden vom Freistaat bewilligt und größtenteils bereits ausbezahlt.

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Auch für Beschäftigte in Kitas, für die der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen (TVöD) gilt, wurde Ende Oktober 2020 je nach Entgeltgruppe eine Sonderzahlung zwischen 300 und 600 Euro vereinbart. Eine Gleichbehandlung wäre in jedem Fall wünschenswert, so Fachgruppenleiterin Heße. Einen detaillierten Überblick, wie viele Beschäftigte in Kindereinrichtungen im Freistaat einen so genannten Corona-Bonus erhalten haben oder werden, hat auch sie nicht.

Viele Träger

Denn während Schulen dem Kultusministerium unterstellt sind, werden die Kitas dem Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales zugeordnet und weisen eine vielfältige Trägerlandschaft auf.

Bereits Ende Oktober 2020 erklärte Ministerpräsident Markus Söder (CSU), er sei grundsätzlich dafür, dass Erzieherinnen und Erzieher ebenso wie Lehrer einen Corona-Bonus bekommen. Allerdings seien ihm die Hände gebunden, da Krippen- und Kita-Mitarbeiter eben nicht beim Freistaat angestellt seien.

Nur eine Empfehlung

Für kirchliche sowie freie Träger von Kitas, die sich nur am TVöD orientieren, ist die Auszahlung einer Sonderprämie am Ende nur eine Empfehlung, stellt auch Sarah Heße klar. Davon profitieren können auch die über 30.000 Beschäftigten in den rund 2700 katholischen Kindertageseinrichtungen, wie Maria Magdalena Hellfritsch bestätigt.

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Sie erhalten spätestens mit der Vergütung des Monats Juni eine Corona-Einmalzahlung, so die Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen in Bayern. Sie beträgt bei einer Vollzeitstelle ebenfalls je nach Eingruppierung zwischen 300 und 600 Euro, Auszubildende erhalten 250 Euro.

Erneute Verhandlungen

Der VKM wird sich in der heutigen Sitzung der Arbeitsrechtlichen Kommission erneut für eine Corona-Prämie von rund 500 Euro oder aber eine Ersatzleistung etwa in Form freier Tage für das Fachpersonal in den Kitas in evangelischer Trägerschaft stark machen.

"Da muss jetzt etwas rüberkommen, wir werden ja auch dauernd von Mitarbeitern gefragt, was jetzt mit dem Corona-Bonus ist", so VKM-Geschäftsführer Herberg. Zumal es nach Angaben der Gewerkschaft bereits freiwillige Zahlungen einzelner großer diakonischer Dienstgeber gegeben habe. Es dürfe keine Zweiklassengesellschaft zwischen Trägern, die sich eine Prämie freiwillig leisten und solchen, die sich versperren, geben, so Herberg.

Forderung für alle Mitarbeiter

Wobei es innerhalb der Verhandlungen letztlich um alle 70.000 Mitarbeitenden in der evangelischen Kirche und die 80.000 Beschäftigten der Diakonie gehen wird, so Herberg. Am Ende seien Prämien auch nicht die Lösung des Problems, sondern Entgeltsteigerungen.

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