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Corona: Feuerwehr-Feste stehen auf der Kippe

Das Virus bringt die Jubiläumspläne vieler Wehren ins Wanken - 19.03.2020 05:54 Uhr

Über drei Tage hinweg sollte das Ottensooser Feuerwehr-Jubiläum gefeiert werden – mit allem, was dazugehört. © Foto: Thomas Vogl


Schon Ende April soll in Bullach groß gefeiert werden. In dem Stadtteil von Lauf an der Pegnitz (Kreis Nürnberger Land) sorgt seit 125 Jahren eine freiwillige Feuerwehr für die Sicherheit der Menschen. Eine große Leistung – und die sollte gebührend gefeiert werden.

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"Wir planen das Fest schon seit vier Jahren", sagt Martin Maul von der Bullacher Wehr – und die Kameraden planen weiter. Gleichzeitig bereiten sie sich aber auf das schlimmste vor – eine Corona-bedingte Absage. "Wir stehen mit der Stadt und dem Bürgermeister in Kontakt", sagt er. Und auch der Bürgermeister sagt: Solange die Feste nur bis zum 19. April verboten sind, könne man es fast nicht absagen. Das Problem: die Verträge. Die sind schon lange geschlossen. Sagt die Wehr von sich aus ihr Fest ab, bleibt sie womöglich auf den Kosten sitzen.

Coronavirus: Pläne eigentlich unumkehrbar?

"Wir sind an einem Punkt, an dem die Pläne eigentlich unumkehrbar sind", sagt Armin Glashauser. Glashauser ist Festausschussvorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Speikern im Nürnberger Land. Die Wehr wird heuer 125 Jahre alt. Vier Tage lang soll das Jubiläum rund um den Vatertag vom 21. bis zum 24. Mai gefeiert werden. Mit einem großen Bierzelt, einem Festzug, Ochs am Spieß und jeden Tag einer anderen Band. Die Verträge mit den Musikern haben die Speikerner freilich längst abgeschlossen. "Da kommen wir nur raus, wenn die Behörden das Fest absagen", sagt Glashauser.

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Abgesagt sind bislang alle Feiern bis einschließlich 19. April. Acht Tage später wollten die Speikerner eigentlich ihren Festkommers abhalten – eine Veranstaltung mit bis zu 200 Menschen. "Im schlimmsten Fall verschieben wir ihn eben in den Herbst", sagt Glashauser. Verschieben – das ist auch der Plan, sollten die Behörden für eine Absage des großen Festes im Mai sorgen. "Dann feiern wir eben 2021", sagt Glashauser. Nur: "Den Vatertag bekommen wir dann wahrscheinlich nicht mehr."


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Feuerwehren unterstützen sich bei ihren Festen gegenseitig, nehmen an Festzügen der anderen Wehren teil, sorgen für Umsatz, der in Nachwuchsarbeit und Ausrüstung fließt, und wollen sich auch nicht gegenseitig mit gleichzeitig stattfindenden Festen kannibalisieren.

Erlös sollte in ein neues Feuerwehrauto fließen

Sollte das Fest heuer doch stattfinden können, dann könne man jetzt noch gar nicht abschätzen, wie die Menschen darauf reagieren. "Bleiben sie vorsichtshalber doch lieber daheim oder kommen Massen, weil sie endlich wieder ausgehen können?", so Glashauser, der hofft, dass die Wehr auch finanziell am Ende wenigstens mit einem dunkelblauen Auge davonkommt. Der Erlös des Festes sollte eigentlich in ein neues Feuerwehrauto, neue Uniformen und in die Jugendarbeit fließen.

Für ihn ist klar: Menschen zu retten ist die wichtigste Aufgabe der Feuerwehr – Menschen gefährden dürfen gerade die Retter daher nicht. Er hofft auf Hilfe – auch von der Politik. Damit der Staat den Feuerwehren unter die Arme greift, wollen diese sich jetzt absprechen und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen.

Diese beiden Mädchen machten mit ihren T-Shirts schon kräftig Werbung für das geplante Jubiläum der Ottensooser Feuerwehr – nun könnte das Coronavirus das Fest kippen. © Foto: Thomas Vogl


Sorgen um das Fest macht man sich auch am anderen Ufer der Pegnitz. In Ottensoos hat die Feuerwehr am Dienstag ihre Festschrift zum 150-jährigen Bestehen drucken lassen. Eigentlich sollte diese bereits Ende März beim Festkommers verteilt werden. "Wir haben ihn abgesagt", sagt Feuerwehr-Schriftführer Thomas Vogl. Die Planungen für das große Fest vom 8. bis zum 10. Mai – also zwei Wochen vor der Feier der Speikerner Wehr – laufen aber weiter. Gedanken über eine mögliche Verschiebung des Festes gibt es aber freilich auch in Ottensoos.

Ottensoos müsste nicht zum ersten Mal ein Jubiläum verschieben

Hier hat man übrigens schon einmal ein Feuerwehr-Jubiläum verschoben, weiß Vogl, der für die Festschrift alte Urkunden und Dokumente der Wehr studiert hat. 1893 sei das gewesen – die Wehr wollte ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Uniformröcke für 3,50 Mark das Stück waren bereits in Auftrag gegeben. Das Fest aber fiel ins Wasser – schuld waren eine große Futternot und eine miserable Hopfenernte.


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Die Ottensooser wären aber nicht die Ottensooser, wenn sie sich davon vom Feiern hätten abhalten lassen – das Feuerwehrjubiläum wurde kurzerhand im Jahr darauf groß gefeiert – zum 26. Geburtstag der Wehr.

+++ Aktuelle Informationen zur Corona-Krise im Live-Blog +++

Julia Vogl

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