Aufsuchende Teams 

Corona: Gibt es in Erlangen Stadtteilimpfungen?

26.5.2021, 16:00 Uhr
Die Corona-Impfungen kommen voran. 

Die Corona-Impfungen kommen voran.  © Friso Gentsch, dpa

Die Debatte um Corona-Impfungen und -erkrankungen tobt derzeit ganz nah, nämlich in Erlangens Nachbarstadt Nürnberg. Dort sorgen zwar seit längerem erhobene, aber noch bis vor kurzem unter Verschluss gehaltene Daten zum Aufkommen und zur Verbreitung von Sars-CoV-2 in den verschiedenen Stadtteilen für Aufregung. Nun wird der Bevölkerungsanteil von Erkrankten und Geimpften unter Bewohnern sozial benachteiligter Viertel, unter Ausländern und Migranten in Nürnberg wie auch in anderen Großstädten bundesweit diskutiert.

Wie aber sieht es damit im hiesigen Impfzentrum mitsamt seinen Außenstellen aus? In jener Einrichtung, die für Erlangen und Erlangen-Höchstadt zuständig ist und unter Federführung der Hugenottenstadt läuft.

"Bei den Impfterminen werden keine Daten zum Migrationshintergrund von Geimpften erfasst", antwortet auf Anfrage der Pressesprecher der Stadt Erlangen, Christofer Zwanzig. Die Stadt stehe jedoch im engen Austausch mit Vereinen, in denen sich Menschen mit Migrationshintergrund engagieren.

Zudem gebe es ein etabliertes Netzwerk der Flüchtlings- und Integrationsberatung sowie niedrigschwellig arbeitende Strukturen im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung, erläutert er und nennt dabei beispielsweise das Projekt BIG.

Das unter anderem mit dem mittelfränkischen Integrationspreis prämierte städtische BIG (Bewegung als Investition in Gesundheit) startete mit Hilfe des Instituts für Sport und Sportwissenschaft (ISS) 2005 vor allem mit Schwimm- und Badekursen; Sport-, Fahrrad-, Yoga- und Tanzkurse kamen bald hinzu. Gerade Frauen in schwierigen sozialen Verhältnissen, etwa Alleinerziehende, Arbeitslose und auch Frauen mit Migrationshintergrund, soll(t)en damit zu Sport, aber auch zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe animiert werden.

Auch das Mittlerprojekt "Gemeinsam" führt Zwanzig an. Das Programm der Gesundheitsregionplus Erlangen-Höchstadt, der Stadt Erlangen sowie der Techniker Kranken­kasse will eine Struktur von Mittlerinnen und Mittler aufbauen, die vor allem Menschen in sozialen Ungleichlagen erreicht. Die Brücken­bauer sollen für diese Menschen Zugänge zu bestehenden präventiven Ange­botsstrukturen und vorhandenen Einrichtungen schaffen.

Differenziertes Bild

Für Erlangen ergebe sich bei der Frage nach Corona-Impfungen bei Menschen mit Migrationsgeschichte ein differenziertes Bild, so Zwanzig weiter. "Die Impfungen der Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, schreiten gut voran", sagt er. Aus Vereinen, in denen sich Migrantinnen und Migranten organisieren, wisse man, dass es ein hohes Interesse und eine hohe Impfbereitschaft gebe. "Dennoch bleiben einzelne Zielgruppen schwer zu erreichen", räumt der Sprecher ein.

Es gehe dabei aber nicht nur um den Migrationshintergrund, sondern ganz allgemein um Menschen in sozial benachteiligten Lebenslagen. "Wir haben hier schon viele Kontakte geknüpft und arbeiten weiter daran, um Barrieren abzubauen", betont Zwanzig. Dazu gehörten natürlich auch Sprachbarrieren. Auch die Möglichkeiten einer aufsuchenden Impfarbeit in bestimmten Stadtteilen beziehungsweise sozialen Einrichtungen würden geprüft.

So gibt es etwa Sonderimpfungen in so genannten sozialen Brennpunkten in Köln; in Nürnberg wurden kürzlich Besucher der Tafel extra geimpft. "So etwas kann jedoch erst ernsthaft angegangen werden", stellt Zwanzig klar, "wenn mehr Impfstoff vorhanden ist".

Doch da sind Vorhersagen schwierig. Für die laufende Woche (Kalenderwoche 21) erwartet das Impfzentrum eine Lieferung von zirka 5000 Dosen BioNTech/Pfizer. Hinzu kommen vermutlich einige Hundert Dosen Moderna und eine Reihe von Zweitimpfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca, den die Verantwortlichen schon im Lager haben.

"Bei sehr sorgfältiger Arbeit sollte dies für die Durchführung der anstehenden Zweitimpfungen reichen", sagt Zwanzig und fügt an: "Erstimpfungen werden daher in der KW 21 keine oder nur äußerst wenige stattfinden können".

Fast nur Zweitimpfungen

Dies gilt, so die Prognose des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, auch für die darauf folgenden zwei Wochen, sowohl für die Sedanstraße als auch für die Außenstellen. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte kürzlich angekündigt, dass es in den nächsten Wochen im Freistaat fast nur ausschließlich Zweiimpfungen geben werde.

Das und der Wegfall der Priorisierungs-Reihenfolge sorgen bei vielen insbesondere älteren Impfwilligen für Ängste. So berichtete ein 63-Jähriger diesem Medienhaus, dass er befürchte, gar nicht mehr mit dem Impfen dran zu kommen, wenn das Serum an alle freigegeben ist, und das, "obwohl ich doch vom Alter her in der Gruppe 3 und damit also priorisiert bin."

Verunsicherung steigt

Keine Frage: Mit den Verlautbarungen zur Aufhebung der Impfpriorisierung steige bei vielen, die noch nicht geimpft sind, die Verunsicherung, sagt Zwanzig.

Derzeit liegt der Schwerpunkt der Impfungen im Impfzentrum Erlangen/Erlangen-Höchstadt auf der Priorität drei, wobei sich auch vereinzelt Personen aus der Gruppe Priorität 2 nachmelden. Die Kriterien der Priorität 2 und 3 umfassen viel mehr, als das Alter. Neben den Vorerkrankungen spiele ja insbesondere in der Priorität 3 auch der Beruf eine große Rolle, sagt Zwanzig. "Eine Differenzierung nach Altersgruppen macht deshalb wenig Sinn."

Was aber Sinn macht, ist: einen Impftermin abzuwarten und auch dringend einzuhalten. Inzwischen häufen sich nämlich sowohl in den Hausarztpraxen als auch in den Impfzentren Klagen über ungeduldige und forsche Patienten und Besucher.

Im Impfzentrum Erlangen/Erlangen-Höchstadt habe man es ebenfalls mit zunehmend aggressiver auftretenden Impfwilligen zu tun, die aus rein persönlichen Gründen, also etwa um in den Urlaub zu fahren oder einen Biergarten zu besuchen, schnell ihren Piks bekommen möchten. "Diese Problematik kennen wir auch", sagt Zwanzig, "wir können nur immer wieder darauf hinweisen, dass wir die Impftermine nicht einfach beliebig verschieben können."