Stehplatzverbot und 35%-Regel

Corona-Maßnahmen in Stadien: Bayerns Bundesligisten erwägen Klage

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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19.8.2021, 16:58 Uhr
Leere Sitzschalen im Schachbrettmuster: So sieht es derzeit in vielen Fußballstadien aus.

Leere Sitzschalen im Schachbrettmuster: So sieht es derzeit in vielen Fußballstadien aus. © Juergen Schwarz via www.imago-images.de, NNZ

In dieser Woche hat Innenminister Joachim Herrmann prominenten Besuch bekommen. Die Gäste aus München, Fürth, Augsburg, Nürnberg, Ingolstadt und Regensburg hatten beim "Fußball-Gipfel" Redebedarf, weil sie sich im Wettbewerb mit anderen Profivereinen benachteiligt fühlen. Während überall anders in Deutschland die Klubs ihre Stadien zu 50 Prozent (aber mit maximal 25.000 Fans) auslasten und auch Stehplätze verkaufen dürfen, gilt in Bayern noch immer eine Sonderregel.

Auf Initiative des Kleeblatt

Wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus hatte sich Markus Söder nach der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) im Juli dazu entschieden, im Freistaat strengere Beschränkungen einzuführen. Demnach dürfen in Bayern nur 35 Prozent der verfügbaren Karten verkauft werden und maximal 20.000 Menschen in die Stadien, Stehplätze sind verboten. Den Vereinen entgehen dadurch wertvolle Einnahmen. Das wollen sie nicht mehr länger akzeptieren.

Deshalb haben sie auf Initiative der Spielvereinigung Greuther Fürth von einer Nürnberger Kanzlei ein juristisches Gutachten erstellen lassen. Dieses bestätigt die Klubs nach Informationen dieses Medienhauses in ihrer Annahme, dass die geltenden Einschränkungen nicht mehr länger haltbar sind. Unter anderem verstoßen diese nach Ansicht der Anwälte gegen den Gleichheitsgrundsatz und die Verhältnismäßigkeit. Bevor sie eine Klage gegen den Freistaat anstrengen, wollten sich die Vereine aber erst einmal mit den zuständigen Stellen über ihr Anliegen unterhalten.

Änderungen stehen an

Ein Ergebnis des Treffens ist, dass zumindest eine Einschränkung aus der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) demnächst gestrichen wird. Bislang galt eine Inzidenz von 35 als Grundlage für alle anderen Regelungen - nachdem aber immer mehr Städte, darunter Nürnberg, die Marke gerissen haben, hätten sonst Spiele vor maximal 1500 Zuschauer gedroht. Künftig sollen die Vorgaben inzidenzunabhängig gelten. Derweil verfolgen die Vereine gespannt, wie es mit den anderen Einschränkungen weitergeht.

Vor einigen Tagen hatte Ministerpräsident Söder angekündigt, auch in Bayern auf die 50-Prozent-Regel umzuschwenken. Dies soll in der kommenden Woche umgesetzt werden, wie Söder am Donnerstag in München auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte. Inwieweit die Verordnung auch in anderen Punkten angepasst wird, ist dagegen weiter offen.

Schachbrett-Muster macht Probleme

Den Vereinen geht das von Söder Verkündete jedenfalls nicht weit genug. Unter anderem fordern sie, das Stehplatz- und Alkoholverbot in den Stadien abzuschaffen. "Das ist eine erhebliche Belastung für alle bayerischen Profivereine", sagt Niels Rossow, der Kaufmännische Vorstand des 1. FC Nürnberg. "Wir dürfen die wirtschaftliche Komponente nicht außer Acht lassen."

Auch das 1,5 Meter-Abstands-Gebot steht zur Diskussion, weil es nach Ansicht der Klubs widersprüchlich ist. In keinem Stadion könnten die Vereine die rechtlichen Vorgaben derzeit komplett ausschöpfen, heißt es. Das liegt vor allem am berühmten Schachbrett-Muster, in dem die Fans derzeit auf der Tribüne sitzen, um die notwendige Distanz zu den anderen Zuschauer zu gewährleisten.

Innenminister Joachim Herrmann will den Vorstoß im Gesundheitsministerium prüfen lassen. Je nachdem, wie die Prüfung ausfällt, könnte sich bald der Bayerische Verwaltungsgerichtshof mit dem Anliegen der bayerischen Fußball-Bundesligisten beschäftigen.